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Mo., 19. Mai 2014, 11:05 Uhr
IHK-Diskussion am Europatag bei Berufsbildender Schule Wirtschaft in Worms zeigt Perspektiven auf
„Es ist nie zu spät“ – die Duale Ausbildung als Erfolgsmodell
v.l.: Michael Kundel (Vizepräsident der IHK RHeinhessen und RENOLIT Vorstandsvorsitzender), Andrea Wensch (IHK Rheinhessen Geschäftsführerin), Frank Puschhof (Schulleiter), Jürgen Hatzfeld (Abteilungsleiter/ Studiendirektor)
„Die Duale Ausbildung – ein Erfolgsmodell?“ – hinter diese Frage hat die IHK am Europatag mit ihrer Veranstaltung in der Berufsbildenden Schule (BBS) Wirtschaft ein dickes Ausrufezeichen setzen können. Der Vizepräsident der IHK für Rheinhessen, Michael Kundel, und die Geschäftsführerin der IHK Rheinhessen, Andrea Wensch, verdeutlichten in der vollbesetzten Aula Schülern aus den Klassen 12 und 13, warum das Duale Ausbildungssystem, das es nur in Deutschland in dieser Form gibt, als erfolgreichstes Modell Europas gilt und warum es so gute Berufsperspektiven eröffnet.
Kundel war früher selbst Schüler der BBS Wirtschaft. An seiner Vita ließ sich ablesen, wie man es vom Lehrling über Abitur und FH-Studium bis hinauf zum Vorstandsvorsitzenden bringen kann. Als Chef der RENOLIT SE leitet Kundel ein weltweit operierendes Unternehmen, einen international führenden Hersteller hochwertiger Kunststoff-Folien mit 4500 Beschäftigten und Hauptsitz in Worms. „Es ist nie zu spät – mit Ausbildung ist man immer auf dem richtigen Weg“, lautete Kundels Fazit.
Neben der Tatsache, dass Deutschland eine weitaus höhere Industriequote ausweist, sah Kundel im Dualen Ausbildungssystem und der Durchlässigkeit des Bildungssystems zwei entscheidende Punkte, warum Deutschland die Wirtschaftskrise besser meistern konnte und die Jugendarbeitslosigkeit niedriger ist als in Südeuropa. Dort laufe die berufliche Ausbildung über Vollzeitschulen und sei nicht so gut abgestimmt auf die Erfordernisse der Unternehmen, sagte Kundel, der selbst einige Jahre in Spanien das RENOLIT-Firmenwerk geleitet hat.
Die Diskussionsrunde, die der Abteilungsleiter der BBS Wirtschaft, Jürgen Hatzfeld, moderierte, drehte sich darum, dass die Duale Ausbildung weiter gestärkt werden müsse. Auslandsaufenthalte, Fremdsprachenkenntnisse und ein früher Kontakt zwischen Schulen und Betrieben würden wichtiger. Orientierung böten Bildungspatenschaften, wie sie RENOLIT in Worms bei Gymnasien und einer Realschule plus anbiete.
Schüler bekommen dort beispielsweise die Möglichkeit, Themenarbeiten etwa für das Fach Chemie zu übernehmen. Auch für Eltern- und Lehrer gebe es Einblicke. Wensch sagte, um die Vielseitigkeit von Branchen zu zeigen, organisiere die IHK neben den allgemeinen Berufsinformationsmessen auch branchenspezifische Messen. Bei Fragen zu Ausbildungsaufenthalten im Ausland stünden IHK Mobilitätsberater zur Verfügung. Wensch begrüßte es außerdem, dass die Ausbildung insgesamt flexibler geworden sei.
Einig war man sich, dass mehr getan werden müsse, um dem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Ein Schritt dazu sei, dass Bildungsabschlüsse anderer EU-Länder nun in Deutschland anerkannt werden könnten. Schulleiter Frank Puschhof sagte, das Duale System dürfe nicht ausgehöhlt werden durch Akademisierung. Die Schulklassen stellten ihre Projekt-Arbeiten zum Thema Europa vor, die sie auf Plakaten anschaulich dargestellt hatten.
Es war dies der erste Europatag, den die IHK in dieser Form veranstaltet hat und der künftig jedes Jahr stattfinden soll.