Schüler des Eleonoren-Gymnasiums diskutierten am Europatag mit Ministerin Conrad aktuelle Fragestellungen der Intergration
Europa war noch nie einfach
Ministerin Margit Conrad besuchte die Ausstellung „Europa im Elo“. Foto: Gernot Kirch
VON GERNOT KIRCH Europa ist kein einfaches Thema. Und dies besonders nicht in der heutigen Zeit mit Finanzmarktkrise und Euro-Schwäche. Bei vielen Bürgern spürte man eine gewisse Europamüdigkeit und es wird die Frage gestellt, ob man nicht ohne gemeinsame Währung und Einigungsprozess besser dastehen würde. Am Europatag, dem 8. Mai, besuchte die rheinland-pfälzische Europaministern Margit Conrad das Wormser Eleonoren-Gymnasium und stellte sich der Diskussion zum Europäischen Einigungsprozess.
Nach der Begrüßung der Ministerin durch Schuldirektor Dr. Otfried Eger besuchte die Politikerin gegen 10 Uhr die Ausstellung „Europa im Elo” im Erdgeschoss des Schulgebäudes. Bei dem Rundgang ließ sich die rheinland-pfälzische Europaministerin die einzelnen, themenbezogenen Schautafeln von Schülern erläuterten und erörterte mit ihnen aktuelle Fragestellungen. Sehr interessiert war die Ministerin, welche persönlichen Erfahrungen jeder Gymnasiast mit Europa schon gemacht hatte.
In den Gesprächen wurde deutlich, wie wichtig, ja, unersetzbar das Erlernen von Fremdsprachen ist, um den anderen zu verstehen. Wobei es diesbezüglich nicht nur um das Sprechen und Beherrschen der jeweiligen Sprache geht, sondern die Schüler auch viel über Kultur und Lebensgewohnheiten des jeweiligen Landes erfahren. Sehr aufmerksam verfolgte Margit Conrad den nächsten Tagesordnungspunkt, die Präsentation des europäischen Comenius-Projektes, an dem das Eleonoren-Gymnasium seit 1996 beteiligt ist. Die Verantwortlichen des Elos erläuterten hier, dass bei Comenius immer Schulen aus drei Ländern für zwei Jahre an einem Projekt arbeiteten.
Der Höhepunkt des Besuches der Ministerin war die abschließende Diskussion mit Schülern und Schülerinnen des Gymnasiums. Im Kern der Aussprache stand die Zukunft und gegenwärtige Krise der Europäischen Union. Die Ministern antwortete auf die jeweiligen Fragen sehr ausführlich und weit ausholend, sodass sie in den rund 45 Minuten leider nur auf fünf Fragen eingehen konnte. Dennoch war es eine sehr wertvolle Diskussion, da sie die Alternativlosigkeit des Europäischen Einigungsprozess aufzeigte. „Europa war noch nie einfach”, sagte sie und führte weiter aus, dass nur ein geeintes Europa in der Welt Gehör finden würde. Deutschland mit seinen 80 Millionen Einwohnern sei alleine zu klein, um in einer globalen Welt gegenüber China oder den USA seine Interessen durchsetzen zu können.
Auf die aktuelle Krise der EU angesprochen sagte sie, dass dafür nicht die Bürger und Länder, sondern in erster Linie die Banken mit ihren Spekulationen verantwortlich seien. Dies hätte 2008 zur Finanzmarktkrise geführt, von der der sich die EU immer noch nicht erholt habe. Fatal sei nun dabei, dass gerade Investmentbanken gegen einzelnen Länder spekulieren würde, sodass die EU gezwungen sie, mit Finanzspritzen auszuhelfen, da die betroffenen Staaten nicht mehr zu angemessen Zinssätzen Geld an den Kapitalmärkten leihen könnten.
Margit Conrad schloss ihre Ausführungen mit der Hoffnung, dass jetzt junge Menschen, wie die Schüler des Elos, klar sagten, wie wichtig ihnen Europa mit seinen Freiheiten sei, und dass sie kein Zurück zu Grenzbäumen und reiner Nationalstaatlichkeit wollten. Es gebe Aspekte, die man besser auf europäischer Ebene entscheide und andere, die zweckmäßiger im nationalen Rahmen aufgehoben seien.