
Von Florian Helfert › Beim ersten europäischen Parlamentarischen Frühstück zur Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) wurde deutlich: Die Zikade macht nicht an Ländergrenzen Halt. Ihre zunehmende Ausbreitung bedroht zunehmend die europäische Zuckerrüben-, Karotten- und Gemüseproduktion.
Wie der Nibelungen Kurier im Mai 2025 berichtete, befällt die Zikade jetzt auch noch obendrein Spargel und Rhabarber. Erst wenige Monate zuvor, Ende September 2024, hatte der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V. (VHPZ) mit Sitz in Worms mitgeteilt, dass der Schädling seinen Wirtskreis zum Leidwesen der Landwirte auf Karotten und Rote Bete erweitern konnte.
Rheinland-Pfalz, laut Deutschlandfunk Kultur das Land der Rüben, Reben und Rotoren, ist drittgrößter Produzent von Karotten in Deutschland! Da sowohl Zuckerrüben als auch Kartoffeln, Rote Beete und Karotten oftmals in den gleichen Betrieben in der Fruchtfolge wachsen und oft nur durch Winterweizen unterbrochen werden, der der Zikade jedoch ebenfalls als Nahrungspflanze über den Winter dient, sind die Konsequenzen für Europa aus Sicht der Rübenbauern kaum überschaubar.
Fachlich leitete in Brüssel ein Vortrag von Helen Pfitzner, Koordinatorin für Forschungsnetzwerke und Wissenstransfer (UNIKA, VHPZ) das Treffen ein. Sie betonte: „Die Komplexität der Situation erfordert einen koordinierten europäischen Wissensaustausch.“ Vertreterinnen und Vertreter der Zuckerrüben- und Kartoffelbranche, darunter der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V. (VHPZ), die International Confederation of European Beet Growers (CIBE ), die European Potato Trade Association (Europatat ) sowie die European Potato Processors’ Association (EUPPA), traten geschlossen auf. Gemeinsam riefen sie die Europäische Kommission und die nationalen Behörden zu entschlossenem Handeln auf.
In der ersten gemeinsamen Erklärung der Kartoffel- und Zuckerrüben-Branche zu dieser Thematik auf europäischer Ebene fordern die Organisationen verstärkte Investitionen in Forschung, um die Biologie und Epidemiologie der Schilf-Glasflügelzikade besser zu verstehen und wirksame Kontrollstrategien zu entwickeln. Gleichzeitig müsse die Entwicklung und Zulassung effektiver, bezahlbarer und sicherer Pflanzenschutzlösungen stärker unterstützt werden. Ebenso betonen die Verbände die Notwendigkeit eines koordinierten europäischen Monitorings und eines kontinuierlichen Informationsaustauschs, um neue Befallsherde frühzeitig zu erkennen und wirksam einzudämmen.
Darüber hinaus rufen sie zu schnellen Nothilfemaßnahmen auf, die durch EU- und nationale Mittel finanziert werden sollten, um besonders betroffene Landwirtinnen und Landwirte bei Ertragsverlusten zu unterstützen. Schließlich appellieren sie an die politischen Entscheidungsträger, weitere Einschränkungen des Pflanzenschutzmittelportfolios auszusetzen, bis praxistaugliche und wirksame Alternativen entwickelt und verfügbar sind.
Das Parlamentarische Frühstück am 14. Oktober markierte einen wichtigen Schritt, um den europäischen Dialog zu intensivieren und die Grundlage für gemeinsame Forschungs- und Bekämpfungsstrategien zu schaffen. Einigkeit bestand darin, dass nur ein koordiniertes, europäisches Vorgehen das Fortschreiten der Schilf-Glasflügelzikade und die damit verbundenen wirtschaftlichen Schäden langfristig eindämmen kann.
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