
„Wir benötigen in Deutschland gut ausgebildete Fachkräfte, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können“, betonte Oberbürgermeister Michael Kissel zu Beginn des traditionellen Wormser Wirtschaftstags an der Hochschule, zu dem sich rund 40 Unternehmen eingefunden hatten, um sich mit dem Stadtchef über aktuelle wirtschaftsrelevante Themen, allen voran dem sich immer weiter zuspitzenden Fachkräftemangel, auszutauschen.
Im Mittelpunkt stand die Präsentation der Ergebnisse einer Fachkräfteumfrage in Wormser Unternehmen, die die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft (wfg) mit Unterstützung der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer im Frühjahr dieses Jahres durchgeführt hatte. Die wfg hatte die Unternehmen unter anderem zur Einschätzung des künftigen Personalbedarfs, zu bereits durchgeführten Maßnahmen für dessen nachhaltige Deckung, zur Beurteilung der Standortfaktoren und zum Interesse an Unterstützungsangeboten befragt. Im Abschnitt „Standortfaktoren“ sollten Unternehmer beispielsweise die Datenverbindung, die Verkehrsanbindung sowie das Kultur- und Freizeitangebot beurteilen.
Angeschrieben hatte die wfg 450 Unternehmen aller Branchen mit jeweils mehr als fünf Mitarbeitern. Beteiligt an der Umfrage hatten sich 75 Betriebe, die Rücklaufquote belief sich somit auf 16,5 Prozent. „Dies ist insbesondere aufgrund der Sensibilität der abgefragten Daten eine sehr gute Beteiligung“, verdeutlichte Sabine Müller von der wfg, die die Ergebnisse der Befragung präsentierte. Und die Zahlen lassen aufhorchen: Die teilnehmenden Betriebe konnten im vergangenen halben Jahr 65 Stellen nicht besetzen, 49,3 Prozent der Befragten erwarten bereits heute Schwierigkeiten bei der Besetzung ihrer ausgeschriebenen Stellen in den nächsten sechs Monaten. „Und gar 20 Prozent der befragten Unternehmer sind dadurch schon jetzt in ihrer Geschäftstätigkeit beeinträchtigt“, machte Sabine Müller deutlich. Als Ursache für diese erheblichen Probleme bei der Wiederbesetzung von Stellen nennen fast alle Betriebe die mangelnde Qualifikation und die abnehmende Anzahl von Bewerbern. 42 Prozent der Teilnehmer räumen jedoch auch ein, mehr für die Fachkräfteakquise tun zu müssen. „Mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen haben keine strategischen Instrumente zur Fachkräftesicherung im Einsatz und solche auch nicht geplant. Dabei können kleinere Maßnahmen wie eine Erhöhung der Zahl von Auszubildenden, die Reduzierung der Teilzeitarbeit oder auch der Besuch von Ausbildungsmessen relativ zeitnah umgesetzt werden“, verdeutlichte Müller.
Hilfreich für Betriebe könne auch sein, die Zielgruppen, die als „Fachkräftereserve“ bezeichnet werden, wie Frauen, Migranten und ältere Menschen, stärker in den Fokus zu nehmen und diese gezielt anzuwerben.
Hinsichtlich der Standortfaktoren ergibt sich unter den Befragten für Worms ein positives Bild: Verkehrsinfrastruktur, Lebenshaltungskosten, Kulturangebot und Freizeitmöglichkeiten sowie das Bildungsangebot beurteilen die Befragten von zufriedenstellend bis sehr gut.
„Erstmals liegen mit der Auswertung dieser Umfrage verlässliche Daten vor, die für die künftige strategische Ausrichtung von Handlungsoptionen zugrunde gelegt werden können“, unterstrich wfg-Prokurist Oliver Stojiljkovic die Bedeutung der Befragung. Das Ergebnis habe nochmals verdeutlicht, dass der Fachkräftebedarf steige und zunehmend zu einer Herausforderung für die Betriebe werde. „Neben einer unterstützenden Standortpolitik zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften müssen Jugendliche vermehrt für eine duale Ausbildung begeistert werden, um dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken, betonte der Wirtschaftsförderer.
Und auch OB Kissel zog nüchtern Bilanz: „Fachkräftesicherung ist kein Selbstläufer. Unternehmen müssen bereits heute enorme Ressourcen investieren, um auch zukünftig die benötigten Fachkräfte gewinnen und halten zu können. Hierfür ist jedoch auch die gemeinsame Unterstützung der Kammern, der Arbeitsmarktakteure, der Schulen und der Wirtschaftsförderung gleichermaßen notwendig. Die nachhaltige Fachkräftesicherung wird eine Daueraufgabe werden“, ist der Stadtchef sicher.
Auch der kommende Wirtschaftstag im Herbst wird sich mit dem Thema Fachkräftesicherung beschäftigen. Dort soll die Entwicklung so genannter Bildungspartnerschaften zwischen Wirtschaft und Schulen vorgestellt werden.
Die Ergebnisse der Unternehmensbefragung sind auf der städtischen Internetseite in der Rubrik Wirtschaft, Stichwort Wirtschaftsförderung, einsehbar.
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