Fr., 09. September 2022, 10:14 Uhr
Der Verbandsvorsitzende warnte eindrücklich vor einem „fatalen Irrweg der europäischen Landwirtschaftspolitik auf Basis eines unerträglichen und unverantwortlichen Schwarz-Weiß- Denkens“. Die hier unterstellte Prämisse „biologisch = gut/gesund – chemisch = schlecht/ungesund“ bezeichnete Manz in ihrer Absolutheit als grundlegend falsch. Bio sei nicht per se „gut“ und Chemie nicht per se „schlecht“ – oftmals sei es sogar genau umgekehrt bzw. rette die Chemie vor hochpotenten biologischen Giften. „Das entbindet die Anwender wohlgemerkt nicht von der Pflicht eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Chemie“, stellte Manz klar. „Aber es wäre fatal, aus einem falschen Schwarz-Weiß-Denken heraus den chemischen Pflanzenschutz komplett zum Teufel zu jagen. Genau das tut die EU-Kommission aber faktisch gerade mit ihren Vorschlägen für eine neue ́Verordnung über die nachhaltige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln`!“
„Wer solche Vorschläge macht, beweist nur immer wieder aufs Neue, wie erschreckend weit weg von der Praxis er ist“, erklärte Manz. Die von der EU-Kommission benannten „Alternativen zu chemischen Pestiziden“ unterzog er einem Faktencheck mit dem eindeutigen Ergebnis: „Von echten praxisreifen Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz sind wir noch weit entfernt. – So wie es auch Sri Lanka war, als man dort einfach ad hoc den Einsatz von chemischem Pflanzenschutz und Mineraldünger verboten hat – mit allen inzwischen bekannten dramatischen Konsequenzen.“
Hungerjahre gehören heute zur Ausnahme
In der Öffentlichkeit werde mittlerweile täglich der Eindruck erweckt, dass eine Landwirtschaft ohne chemischen Pflanzenschutz eine bessere, resilientere Welt schaffen würde und dass die Ernährungssicherheit nur durch Verzicht auf Pflanzenschutz möglich sei. Das Gegenteil sei aber wahr und durch die Geschichte belegt: „Es hat mehrere Generationen Agrarforschung benötigt, die Landwirtschaft so zu gestalten, dass Hungerjahre heute zur Ausnahme gehören und die Bevölkerung nicht mehr den Großteil ihres Einkommens nur für Nahrung und Heizung einsetzen muss, was noch vor hundert Jahren üblich war“, erinnerte Manz. Die Entwicklung einer modernen Industriegesellschaft sei untrennbar mit der Entdeckung von mineralischer Düngung und chemischem Pflanzenschutz genauso wie mit der Nutzung bezahlbarer Energie verbunden. „Nur so konnte und kann Ernährungssicherheit und eine stabile, soziale und demokratische Gesellschaftsordnung gewährleistet werden - die im Übrigen auch Grundvoraussetzung für eine funktionierende Klimapolitik ist!“
„Wir erleben es doch gerade hautnah im Zuge von Corona und v.a. dem Krieg in der Ukraine“, mahnte der Vorsitzende. „Wie schnell sind Umweltaspekte in den Hintergrund gerückt, wo wir plötzlich wieder darum ringen müssen, bezahlbare Lebensmittel und Energie für unsere Bevölkerung sicherzustellen?! Eine Politik, deren erklärtes Bestreben es ist, im Sinne von Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu agieren, muss daher in erster Linie eines sicherstellen, nämlich soziale Stabilität. Die hier von der EU- Kommission vorgelegten Pläne zerstören jedoch Stabilität.“
Innerhalb eines stabilen sozialen Gefüges habe die Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten viele Verbesserungen im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit vorgenommen. Diese Entwicklung sei notwendig und richtig gewesen, und sie halte bis heute an. „Es mutet daher als absolute Farce an, wenn nun eine ‚Agrarwende‘ gefordert wird“, empörte sich Manz. „Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Landwirte, die sich dem nachhaltigen Fortschritt eben nicht verschlossen, sondern – im Gegenteil – hart daran gearbeitet haben! Und wohin genau soll uns diese ‚Wende‘ eigentlich führen? Wollen wir wirklich zurück ins 19. Jahrhundert?! Die Masse der Bevölkerung war damals arm und hungrig – und von Klima- oder Ressourcenschutz so weit entfernt wie nur irgend möglich.“
Chemischer Pflanzenschutz vonnöten
Sehr deutlich machte Manz in diesem Zusammenhang: „Ein Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz wird nicht dazu führen, dass unsere Landwirtschaft ‚resilienter‘ wird. Er wird vielmehr bewirken, dass wir uns immer weniger gegen die Folgen des Klimawandels wehren können und ihm zunehmend hilflos ausgeliefert sind!" Vor allem aber müsse sich jeder auch als Verbraucherin und Verbraucher in aller Deutlichkeit bewusst sein: „Die ganz unmittelbare Konsequenz aus einer Umsetzung der aktuellen Vorschläge der EU-Kommission wird eine nochmalige drastische Erhöhung der bereits jetzt deutlich angestiegenen Lebensmittelpreise sein!“
Die Landwirtschaft brauche keine weiteren ideologischen, praxisfremden Verbotskataloge, sondern sie brauche – auch im Interesse der sozialen Stabilität – endlich echte Unterstützung durch die Politik, die nicht zuletzt angesichts der Herausforderungen eines fortschreitenden Klimawandels dringend nötig sei. Dabei helfe das Prinzip Hoffnung nicht weiter. Denn, so Manz: „Alternativen entstehen nicht dadurch, dass man andere Dinge verbietet, sondern sie entstehen durch Forschung. Und die bitte an den richtigen Stellen und nicht nur einseitig mit der Ideologie-Scheuklappe vergeben!“