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  • Mi., 11. September 2013, 23:06 Uhr
    Ausschuss votierte am Mittwoch einstimmig für das Ende des Gewerbegebietes / Was waren die Gründe und was sind die Konsequenzen?

    Feldhamster stoppt „Hohen Stein”

    Der unter strengem Artenschutz stehende Feldhamster verhindert formal den Gewerbepark .„Hoher Stein”.


    Von Gernot Kirch Die Planungen für ein etwa 100 Hektar großes Gewerbegebiet am „Hohen Stein” zwischen Pfeddersheim und Heppenheim gehen auf das Jahr 1991 zurück. Nach Jahren des Stillstandes wurden die Pläne vor rund anderthalb Jahren wieder angepackt und seitdem heftig diskutiert. In Folge der Debatten gründete sich eine Bürgerinitiative gegen das Projekt, die rund 9.000 Unterschriften sammeln konnte. Die Hauptargumente gegen das Projekt waren der Erhalt der guten Ackerböden sowie negative Auswirkungen auf das Stadtklima.

    Ende letzten Jahres beauftragte die Stadt das Stuttgarter Planungsbüro von Prof. Dr. Michael Koch mit der Durchführung einer Konfliktpotentialanalyse, die ermitteln sollte, ob das Vorhaben aufgrund kritischen Umweltfaktoren realisierbar ist. Am Mittwochnachmittag präsentierte Prof. Dr. Koch sein Gutachten vor den Mitgliedern des Haupt-/Finanz sowie des Bauausschusses. Er hatte darin die Bereiche lokales Klima, Lärmemissionen sowie Artenschutz untersucht. Einer Verwirklichung standen weder die erwartete Geräuschentwicklung noch ein Beeinträchtigung auf das Stadtklima besonders von Pfeddersheim und Heppenheim entgegen. Hier hätte es keine gravierenden Einflüsse durch eine Gewerbeansiedlung geben. Das K.o.-Kriterium war letztlich eine große Feldhamsterpopulation. Da die Tiere vom Aussterben bedroht sind und unter dem strengem europäischen Artenschutz stehen, darf dort nicht gebaut werden, wo sie ihre Erdbehausungen haben.

    Nach heftiger, etwa einstündiger Debatte - in der teilweise Schlachten von gestern geschlagen wurden - entschied der Ausschuss einstimmig, das geplante Gewerbegebiet am „Hohen Stein” aufgrund des Artenschutzes aus dem Flächennutzungsplan zu streichen. Damit ist das Projekt endgültig gestorben.

    Gründe für das Scheitern

    Der  letztlich formale Grund für das Ende des ”Hohen Steins” ist natürlich die Feldhamsterpopulation. Und keiner weiß, wie sich die Diskussion weiterentwickelt hätte, wären die Hamster nicht gefunden worden. Vielleicht wäre der hohe Stein gekommen, vielleicht nicht. Dies bleibt Spekulation. In jedem Fall aber hätte die Auseinanderstetzung über den Hohen Stein den Kommunalwahlkampf 2014 beeinflusst, wenn nicht gar bestimmt. Und dies wollten besonders die großen Parteien CDU und SPD nicht, auch wenn dies keiner so offen sagt. Denn längst ging der Streit über den Hohen Stein nicht nur wie ein Riss durch die Bevölkerung, sondern setzte sich teilweise in den Parteien fort, besonders bei den Christdemokraten. So war die politische Trennlinie bisher so, dass auf der Seite gegen den Hohen Stein die FDP, die FWG und die Grünen standen, während bei den Befürwortern ganz klar die SPD zu finden war. Die CDU war zwar mehrheitlich für eine Verwirklichung des Hohen Steins, doch hatten sich die Stadtratsmitglieder Hans-Jürgen Müsel (Herrnsheim) und Karl-Otto Fischer (Heppenheim) frühzeitig gegen das Projekt ausgesprochen. Und auch in einem Schreiben, dass die CDU vor der Ausschusssitzung am Mittwoch bereits in Umlauf gebracht hatte, haben sich die Christdemokraten mit dem Hinweis auf den Feldhamster bereits von dem Hohen Stein verabschiedet. Auch bei den LINKEN war es so, dass der Fraktionsvorsitzende Sebastian Knopf vehement für das Projekt war, einige Parteifreunde aber dagegen. Insgesamt drängt sich so der Eindruck auf, dass viele Politiker, gerade in den großen Partein froh sind, dass der Feldhamster "gefunden" wurde und man sich so ohne Gesichtsverlust von dem Projekt verabschieden konnte, das auf immer mehr Widerstand in der Bevölkerung traf.

    Oberbürgermeister Michael Kissel sagte zum NK, dass er das Projekt nach wie vor für die Zukunftsfähigkeit von Worms als sehr sinnvoll einschätze. Und wäre der Feldhamster nicht gefunden worden, hätte er versucht, dass Gewerbegebiet gegen alle Widerständen durchzusetzen. Die Gegner hätten der Stadt langfristig keinen guten Dienst erwiesen.

    Wie geht es jetzt weiter?

    Eigentlich könnte man sich nun zurücklegen und sagen: "Jetzt sind alle Problem aus der Welt!" Doch dem ist nicht so. Denn ein großes Manko ist geblieben, Worms hat nahezu keine freien Gewerbeflächen zur Ansiedlung von Unternehmen mehr. Ein wirtschaftliches Wachstum ist so kaum mehr möglich. Ansiedlungswillige Firmen werden jetzt nach Ludwigshafen oder Mannheim gehen und dort ihre Gewerbesteuer bezahlen. Geld, das Worms fehlen wird. Und ob sich die zwei Alternativflächen im Wormser Norden (RD7) und Südwesten in der Nähe der Renolit mit zusammen rund 45 Hektar verwirklichen lassen, ist offen. In den Flächennutzungsplan wurden sie am Mittwoch erst einmal nicht aufgenommen. Jetzt müssen erst Untersuchen ergeben, ob die beiden Flächen geeignet sind. OB Kissel und Volker Roth von der Wormser Wirtschaftsförderung äußerten sich kritisch, ob sich überhaupt geeignete Flächen in der Nibelungenstadt finden lassen.

    Bleibt die Alternative Null-Wachstum und Worms als reinem Wohnstandort auszubauen, deren Einwohner zum Arbeiten nach Mainz, Frankfurt oder Mannheim pendeln. Wer dies will, der ist dem Ziel mit der Entscheidung gegen den Hohen Stein ein großes Stück näher gekommen.

    In einigen Vorschlägen ist auch die Rede vom Ausbau als Tourismus- und Kulturstandort. Sicher Dinge, die intensiver angepackt werden können und müssen, doch ob dies reicht, um genügend Arbeitsplätze zu schaffen, lässt sich kritisch hinterfragen. Ebenso, ob es gelingt, Worms zu einem High-Tech-Standort auszubauen und Ingenieur- und IT-Spezialisten in die Nibelungenstadt zu holen. Denn eine Sache wird dabei von vielen verkannt. Die Arbeitslosigkeit in Worms ist im regionalen Vergleich hoch. Aber was in erster Linie fehlt, sind Arbeitsplätze für Ungelernte und gering Qualifizierte. Daher müssen auch oder gar gerade Unternehmen nach Worms geholt werden, die diesen Menschen eine Perspektive geben. Worms ist nun mal keine Universitätsstadt mit Forschungseinrichtungen und akademischer Elite, sondern besitzt immer noch in weiten Teilen die Bevölkerungsstruktur einer Arbeiterstadt.

    Umweltbewusstsein siegt

    Aber auch dies bleibt zu sagen, Großprojekte lassen sich spätestens seit Stuttgart 21 nicht mehr ohne die Beteiligung der Bürger durchsetzen. Und wenn die Bürger den Umweltschutz höher einstufen als Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum, ist dies zu akzeptieren, ebenso wie die Konsequenzen aus dieser Sichtweise. Und was die Bürgerinitiative (BI) an kreativem Engagement an den Tag gelegt hat, war beeindruckend, ebneso wie die 9.000 Unterschriften. Zurecht freuten sich die beiden Hauptaktivisten der BI, Marcus Centmayer und Richard Grünewald, über ihren Sieg.

     

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