Mo., 15. August 2016, 15:51 Uhr
Landkreis Alzey-Worms setzt sich für Artenschutz ein / Nennenswerte Vorkommen nur noch in Rheinhessen
Feldhamster vom Aussterben bedroht
Hamster sind nicht nur beliebte Haustiere, sie kommen auch in der freien Natur vor. Doch das könnte sich im Laufe der nächsten Jahre ändern, wie der Biologe Holger Hellwig aus Bingen warnt, der sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema beschäftigt: „Der Feldhamster, der zum Wildtier des Jahres 2016 ernannt wurde, steht auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten und ist in weiten Teilen Deutschlands vom Aussterben bedroht. Nennenswerte Vorkommen gibt es nur noch in Rheinhessen, das aufgrund seiner Lössböden bundesweit zu den Hauptverbreitungsgebieten des Hamsters zählt.“
Doch trotz optimaler Bodenvoraussetzungen für einen Feldhamsterlebensraum sei die Situation des Feldhamsters auch in der Region schlecht, was zuletzt das Bundesmonitoring 2015 zeige und durch eine aktuelle Bestandsaufnahme aus dem Frühjahr 2016 bestätigt werde. Daher trage Rheinhessen eine große Verantwortung für den Erhalt der Nagetiere – insbesondere jetzt im Sommer. Denn das Einsetzen der Getreideernte bedeutet für den Feldhamster ein neues Jahr im Kampf ums Überleben. Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung in Form von modernen Maschinen werden kaum Erntereste hinterlassen. „So müssen die Feldhamster bereits im Sommer auf ihre Wintervorräte zurückgreifen, die dann im Winter selbst zu knapp zum Überleben sind. Außerdem gehen durch die Getreideernte Deckungsmöglichkeiten vor Fressfeinden verloren“, teilt die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Alzey-Worms mit und warnt, dass der Feldhamster auch in Rheinhessen vom Aussterben bedroht sei und ohne wirksame Schutzmaßnahmen in wenigen Jahren ausgestorben sein könnte.
„Artenhilfsprogramm Feldhamster“
Als Reaktion auf dieses Problem wurde 2012 das „Artenhilfsprogramm Feldhamster“ in Rheinland-Pfalz eingeführt, das verschiedene Maßnahmen bietet, den Verlust des Lebensraums zu kompensieren. Durch das Anlegen von Luzernestreifen (kleeartige Pflanze) und Stoppelstreifen mit Ernteresten soll den Feldhamstern sowohl Deckung vor natürlichen Fressfeinden als auch Nahrung geboten werden. Im Landkreis Alzey-Worms sind dabei positive Entwicklungen festzustellen: Im Laufe der vergangenen Jahre stieg die Zahl der Gemeinden und kreisfreien Städten, die ihre Flächen unter Berücksichtigung des „Artenschutzprogramms Feldhamster“ bewirtschafteten, von fünf auf 17 an. Auch die Ausgleichsmaßnahmen, die das Projekt im Falle von abnehmendem Lebensraum durch Eingriffe in Natur und Landschaft vorgibt, werden im Landkreis durchgeführt. Beispiele sind die Windparks in Flomborn oder Ober-Flörsheim, bei denen unter anderem der Anbau von Luzerne oder anderen Blütenpflanzen durchgeführt wurde. Doch trotz aller Bemühungen bestehe weiterhin Handlungsbedarf, wie der Biologe Holger Hellwig feststellt: „Soll das Überleben des Feldhamsters in der Region gesichert werden, müssen noch mehr Maßnahmen durchgeführt werden.“ So seien Luzernestreifen eine wichtige Schutzmaßnahme, jedoch als einzelne Maßnahme nicht dauerhaft ausreichend, um das Überleben der Feldhamster zu sichern. Daher stünden einige weitere Maßnahmen wie das Verwenden halber Saatstärke auf der Versuchsliste.
Indem nur halb so viel Saatgut pro Flächeneinheit als üblich gestreut werde, könne eine höhere Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt entstehen. Dies komme dem Feldhamster in Form von Insekten und ihren Larven als Eiweißquelle zugute. Außerdem sollen die Maßnahmen, die durch das Artenhilfsprogramm definiert werden, nun stärker in Bereichen mit aktuell nachgewiesenem Hamstervorkommen eingesetzt werden. Hierzu solle die Hamsterpotentialkarte veröffentlicht werden, die die Wahrscheinlichkeit eines Hamstervorkommens anzeige und sicherstelle, dass die Maßnahmen wirksam verortet werden.
Infokasten
Feldhamster (Cricetus cricetus) sind typischer Bodenbewohner und kommen schwerpunktmäßig in rheinhessischen Lössböden vor, wo sie tiefe, verzweigte Erdbauten herstellen. Durch die industrielle Feldbewirtschaftung und die zunehmende Bebauung werden diese jedoch zerstört, weshalb der Feldhamster in weiten Teilen Deutschlands vom Aussterben bedroht ist. Aufgrund der Gefährdung der Art und ihres Lebensraums durch den Menschen ernannte die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild den Feldhamster zum Wildtier des Jahres 2016.