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So., 15. Juni 2014, 22:16 Uhr
Mit einem Festakt begingen Repräsentanten aus Parma und Worms das Jubiläum / Baustein der Europäischen Unionsbürgerschaft
Festakt aus Anlass der 30-jährigen Städtepartnerschaft
Besondere Herzlichkeit beim Festakt. Von links: Dr. Marco Vagnozzi, Michael Kissel und Marita Tann. Foto. Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Die Städtepartnerschaft zwischen dem italienischen Parma und Worms wurde 1984 geschlossen. Nach St. Albans (Großbritannien) und Auxerre (Frankreich) war es die dritte Städtepartnerschaft, die Worms einging. Aus Anlass des 30-jährigen Jubiläums fand am Samstagmittag im Wormser Rathaus ein sehr gelungner und würdiger zweistündiger Festakt statt. Nach dem Spielen der italienischen und deutschen Nationalhymne durch die Lucie-Kölsch Jugendmusikschule hielt der Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel die Festrede. Der große Ratssal war bis auf den letzten Platz besetztet. Der Stadtchef betonte, dass die Städtefreundschaft zwischen Worms und Parma mit sehr viel Leben erfüllt sei, wobei es in erster Linie eine Partnerschaft der Bürger sei. Ganz so, wie es sein sollte. In den 30 Jahren ihres Bestehens sei sie aktiv gelebt worden. So hätten unzählige Vereine, Gruppen, Schulklassen, Institutionen und die Einzelpersonen die jeweils andere Stadt besucht. Weiter führte der Stadtchef aus, dass mit der Freundschaft zwischen Parma und Worms untrennbar ein Name verbunden sei. Und dies ist Hans-Joachim Rühl, der jedoch leider im vergangenen Herbst verstarb. Er sei Initiator, Motor und verbindendes Element zwischen den Städte gewesen. Darüber hinaus habe Hans-Joachim Rühl den "Deutsch-Italienschen Freundschaftskreis Worms/Parma" gegründet, der der große Aktivposten des regen Austauschs gewesen war und dies auch heute immer noch ist.
Baustein der Unionsbürgerschaft
Michael Kissel betonte die wesentliche Rolle der Städtepartnerschaften zwischen Worms und Parma als Baustein zur Schaffung einer Europäischen Unionsstaatbürgerschaft. Die Identität für ein geeintes Europa müssen von unten, von den Bürgern aus wachsen. Und hier gäbe es kein bessere Institution als die Städtepartnerschaften, in denen sich Menschen aus unterschiedlichen Nationen und Regionen begegneten, kennen lernten und Sympathien aufbauten. Gerade in einer Zeit, in der sich die EU in einer Krise befände, seien die Städtepartnerschaften ein elementarer Baustein, um die Menschen zusammen zu führen. Nur so könne der europäische Geist der Vielfalt, der Toleranz, der Freiheit, der Demokratie und der Menschenrechte neu Kraft gewinnen. Die Feier zum 30-jährige Jubiläum sei daher ein Tag der Freude und der Freunde, an dem Bürger aus Parma undWorms einen wichtigen, wenn auch kleinen Beitrag für Europa leisteten.
Der Wormser Oberbürgermeister erhielt für seine Worte großen Applaus, und dies wohl auch deswegen, weil das friedliche Zusammenwachsen in Europa aufgrund der brutalen russischen Aggression in der Ukraine wieder an seinem Wert und seiner Bedeutung gewonnen hat.
Nächste Phase einläuten
Die zweite Festrede hielt Dr. Marco Vagnozzi, der Präsident des Stadtrates von Parma. Auch erinnerte an die Anfänge und die vergangenen 30 Jahre, doch sprach er mehr über die Zukunft und das, was jetzt folgen müsse. "Nun beginnt ein neues Blatt", sagte der Präsident und führte aus, was er sich darunter vorstelle. So solle die Städtepartnerschaft speziell in den Bereichen Tourismus, Bildung und Wirtschaft ausgebaut werden. Gerade Geschäftsleute und Unternehmen seien jetzt aufgefordert, den Weg in die Partnerstadt zu finden. Und die Kommunen könnten hier Brücken bauen. Auch der Tourismus zwischen beiden Städten könnte angekurbelt werden. Mit interessanten Angeboten müsste die Bürger der jeweils andere Kommune zum Besuch angeregt werden. Bürgern aus Parma könnte man etwa den Besuch von Worms in einem Paket gemeinsam mit Heidelberg und Mainz anbieten. Ein Fokus sollte auch auf Hochschulen und Schulen gelegt werden. Hier sei noch vieles machbar und möglich.
Mit seinem optimistischen Blick nach vorne und dem Aufzeigen der Chancen für eine Vertiefung sprach Dr. Marco Vagnazzi genau das aus, was sich viele Zuhörer wünschten, was der Idee der Partnerstädte aber auch einen neuen Schub geben könnte.
Freundschaftkreis
Die abschließende Rede hielt Marita Tann, die neue Vorsitzende des "Deutsch-Italienischen Freundeskreises Worms/Parma". Sie erinnerte daran, dass der Verein aus einer Volkshochschulklasse hervorgegangen sei und anfangs 41 Mitglieder gehabt hätte. Heute bestehe der Freundschaftkreis aus rund 300 Mitgliedern. Mit schweren und getragenen Worte erinnerte sie an Hans-Joachim Rühle, dessen große Liebe für die 180.000 Einwohner zählende, norditalienische Stadt Parma nicht in Worte auszudrücken sei.