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So., 10. April 2022, 10:25 Uhr
Handball Testspiel: TG Osthofen und die Deutsche Herren-Nationalmannschaft der Gehörlosen präsentieren vor prächtiger Kulisse rasantes Handball-Vergnügen
Festspiel in der Wonnegauhalle
Jörg Tomaschewsky (am Ball) in Doppeldeckung: Der umsichtige Spielmacher der Gehörlosen-Nationalmannschaft hatte es häufig mit zwei TGO-Gegenspielern wie etwa Eric Popple (links) und Jan Keller (rechts) gleichzeitig zu tun. Foto: Felix Diehl
VON JÜRGEN JAAP | Feierlich, ehrfürchtig, stolz und zugleich sportlich höchst motiviert: So stehen die 29 Spieler und zwei Schiedsrichter zu ungewöhnlicher Zeit mitten unter der Woche am Donnerstagabend im Mittelkreis der Wonnegauhalle Osthofen. Die deutsche Nationalhymne gibt dem Testspiel vor einer stattlichen Kulisse von 300 Handball-Fans ein ganz besonderes Flair. In wenigen Momenten startet das Match der Männer des Rheinhessenligisten TG Osthofen gegen die Deutsche Herren-Nationalmannschaft der Gehörlosen. Deren Spieler kamen aus ganz Deutschland zu einem Lehrgang nach Haßloch in die Pfalz, um sich auf die Deaflympics 2022 vom 01. bis 15. Mai 2022 in Brasilien, die Olympischen Spiele der Gehörlosen, vorzubereiten. Der sportliche Test wird sehr schnell zu einem rasanten Handball-Vergnügen, einem Festspiel des Handballsports.
„Deafboys“ träumen von Gold-Medaille
33:20 steht am Ende kurzweiliger 90 Minuten auf der Anzeigetafel zu lesen. Doch das nackte Spielergebnis zählt nicht wirklich an diesem Abend. „Wir haben Spieler aus vielen unterschiedlichen Ligen dabei, die es erst einmal gilt in der Kommunikation und im Zusammenspiel auf dem Platz harmonieren zu lassen“, hebt Gehörlosen-Bundestrainer Alexander Zimpelmann die Nützlichkeit des Testspiels für sein Team deutlich hervor. Seit 2017 trainiert der selbst schwerhörige Pfälzer aus Freinsheim die „Deafboys“. Die Jungs von Alexander Zimpelmann haben Träume – Medaillenträume. In Brasilien geht es in den ersten zwei Mai-Wochen in der Vorrunde gegen Serbien, Kenia, Kamerun und den Gastgeber. Am Ende der Deaflympics 2022, so betont Alex Zimpelmann, „wollen wir eine Medaille, idealerweise Gold in den Händen halten“.
Osthofen gewährt sportlich keine Gastgeschenke
Da kommt der Test beim spielstarken Rheinhessenligisten gerade recht. Organisatorisch hat sich die TG Osthofen mächtig ins Zeug gelegt. „Ein würdiger Rahmen mit einem vollen Haus“, zeigt sich der gerade erst wieder ins Amt des TGO-Vorsitzenden gewählte Helmut Graf von Moltke rundum zufrieden mit dem vom großen Spaß am Handballsport geprägten Event. Sportlich allerdings verteilte das Team von TGO-Trainer Mirko Höfler keine Geschenke. „Wir geben Vollgas“, gab Mirko Höfler im Kreis seiner Mannen vor beiden Halbzeiten eine klare Devise vor. Die Startsieben des Nationalteams mit dem umsichtig den Ball vorwiegend auf den starken Kreisläufer Sven Lauckner verteilenden Spielmacher Jörg Tomaschewsky hielt freilich zunächst voll dagegen.
Bis auf den Kempa-Trick klappt vieles
Zu Beginn beider Halbzeiten blieb es ein enges Match, welches durch manches riskante Zuspiel unterhaltsam garniert wurde. Nach und nach setzte Osthofen aber aus dem Rückraum heraus durch Joshua Brahm, Jan Scherer oder Maurice Meitzler die Akzente. Auch bei schnellen Gegenstößen wussten die Gastgeber zu überzeugen, holten sich einen 18:9-Vorsprung zur Pause, den Osthofen in der Schlussviertelstunde auf 33:20 ausbaute. „Das war ein echt guter Test, bei dem wir den Zuschauern sportlich vieles bieten konnten“, zeigte sich Mirko Höfler sehr einverstanden mit den gezeigten Leistungen seiner Handballer. Nur eines fehlte an einem sonst rundum gelungenen Festspiel-Abend. Der spektakuläre Kempa-Trick, bei dem ein Spieler in den Wurfkreis springt und den Ball aus der Luft fangend direkt im Tor versenkt, wollte sowohl der TG Osthofen als auch der Deutschen Gehörlosen-Nationalmannschaft partout nicht gelingen. Egal. Dafür wäre ja in Brasilien bei den Deaflympics oder auch in der Rheinhessenliga noch reichlich Spielraum.
Helmut Graf von Moltke, 1. Vorsitzender TG Osthofen Handball: „Eine tolle Sache, ein volles Haus, ein großes Lob an beide Teams: In der Summe macht das einen rundum gelungenen Abend aus. Die TGO hat bei dem auch sportlich reizvollen Testspiel ihrem Ruf als große Handball-Familie alle Ehre gemacht und den Teamwork-Gedanken in den Mittelpunkt des Events gestellt.“
Alexander Zimpelmann, Bundestrainer der Deutschen Gehörlosen-Handball-Nationalmannschaft: „Ich bin nicht unzufrieden mit der Leistung meiner Mannschaft. Wir wollten einmal gegen einen stärkeren Gegner testen, um zu sehen, wo es im Zusammenspiel der Jungs noch hapert. Das ist im Match gegen den starken Rheinhessenligisten TG Osthofen geglückt. Im Hinblick auf das schwere Turnier bei den Deaflympics 2022 in Brasilien in vier Wochen war das ein prima Test für unsere Mannschaft.“
Mirko Höfler, Trainer TG Osthofen Handball Herren: „Das war ein rundum gelungenes Testspiel. Wir wollten den vielen Zuschauern etwas bieten und dabei durchaus auch die notwendige Ernsthaftigkeit an den Tag legen. Für uns war es im Hinblick auf die nächsten Spiele in der Rheinhessenliga, die wir möglichst siegreich gestalten wollen, ein guter Test. Der Gehörlosen-Nationalmannschaft wünsche ich bei den Deaflympics 2022 viel Erfolg und eine Medaille.“
Jan Scherer, Spielmacher TG Osthofen Handball Herren: „Die Nationalhymne in unserer Heimspielstätte zu hören, war schon ein ganz besonderer Moment, der zusätzliche Motivation gab. Wir wollten uns vor der tollen Kulisse als Team ordentlich präsentieren, was auch ganz gut gelungen ist. Allen Beteiligten hat das Event einen riesen Spaß bereitet.“