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  • Mi., 29. Oktober 2014, 11:47 Uhr
    Studie der Hochschule Worms: Geldzufluss durch Nibelungenfestspiele ist höher als städtische Zuschüsse

    Festspiele als Wirtschaftsmotor

    Erol Sander (von links). Foto: Karolina Krüger


    Von Regina Urbach  Die Nibelungenfestspiele ließen 2014 rund 1,6 Millionen Euro in die Region fließen – so das Ergebnis einer von der Stadt beauftragten Studie der Hochschule Worms, die am Dienstag im Wormser Tagungszentrum unter dem Titel „Evaluation der ökonomischen Wirkungen der Nibelungen-Festspiele 2014“ vorgestellt wurde. Damit spülten die Festspiele mehr Geld in die Kassen als die auf jährlich etwa 1,5 Millionen Euro bezifferten städtischen Zuschüsse, so OB Michael Kissel bei der Präsentation.

    Im Unterschied zu einer ähnlichen Studie von 2004 hatten die Studentinnen Alexandra Eckenhorst, Julia Nowak und Anna Stindt, die anwesend waren, aber leider nicht zu Wort kamen, unter der Leitung von Prof. Dr. Jan Drengner und Prof. Dr. Hans Rück vom Fachbereich Touristik  außer dem direkten auch das indirekte Einkommen in die Region durch die Festspiele berücksichtigt, etwa Aufträge an Agenturen oder Druckereien. An den Festspielabenden befragten die Studentinnen Besucher der Hauptvorstellung, die extra zu den Festspielen nach Worms gekommen waren und Wormser, die extra wegen der Festspiele nicht verreist waren, mit Hilfe von Standardfragebögen über die Ausgaben , die sie für Festspiele und ihren Aufenthalt in Worms getätigt hatten.

    Besucher, die die Festspiele nur besuchten, weil sie sowieso in der Gegend waren, wurden ebenso wenig berücksichtigt wie Wormser, deren Ausgaben – wenn nicht bei den Festspielen, so doch sowieso in der Region verblieben wären. Berücksichtigt wurden auch nur tatsächlich geleistete, keine geplanten Ausgaben. Unter Berücksichtigung verschiedener Berechnungsfaktoren wurden so rund 840 von 18.088 Besuchern befragt und deren Angaben hochgerechnet. Außerdem berücksichtigt wurden die Ausgaben von 263 Festspielmitarbeitern in Worms.

    Festspiele stärken die regionale Wirtschaft
    Methodisch blieb die Studie vorsichtiger als ihre Vorgängerin von 2004. „Optimistischer berechnet“, so Prof.  Drengner, „käme man sogar auf 1,74 Millionen Geldzufluss durch die Spiele.“  Dabei wurden indirekte, langfristige Effekte wie die Ansiedlung von Lieferanten oder neue Strukturen im Bereich der Kreativwirtschaft noch gar nicht berücksichtigt. Sein Kollege Prof. Rück erläuterte weitere touristisch wichtige Ergebnisse und betonte: „Die Festspiele stärken die lokale Wirtschaft.“ 72 Prozent der diesjährigen Festspielgäste kamen von auswärts, 25 Prozent nahmen sogar eine Anreise von mehr als 100 km in Kauf. Drei Viertel der Gäste blieben einen Tag, 14 Prozent übernachteten. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug  1,35 Tage.

    Das Durchschnittsalter aller Festspielbesucher 2014 liegt bei 55 Jahren. 37 Prozent waren zum ersten Mal dabei, rund sechs Prozent hatten bisher keine Inszenierung verpasst und durchschnittlich hatten die Besucher zwischen drei und vier Festspielaufführungen der letzten Jahre besucht – laut Rück eine Traum-Stammkundenquote: „Für die langfristige Zukunft der Festspiele muss niemandem bange sein!“ Sascha Kaiser, kaufmännischer Geschäftsführer der Nibelungenfestspiele gGmbH, ergänzte: „Eine Studie von 2011/12 zeigt: Worms wird – neben dem Leuchtturm Dom – vor allem als Nibelungenstadt wahrgenommen, ein überregionales Alleinstellungsmerkmal.“ Mittlerweile haben nicht nur 230.000 Zuschauer die Nibelungenfestspiele in Worms erlebt, sondern auch Millionen Fernsehzuschauer.

    Fünfjahresplanung für die Kultur
    Die Hochschul-Studie soll nun in der Sitzung am 3. Dezember dem Stadtrat als Grundlage für eine Fünfjahresplanung vorgelegt werden: „Für Touristik und Kultur reichen die kurzen Haushaltsbudgetphasen nicht“, so Kissel. Langfristig unschätzbar für die Stadt seien der entstandene Bürgerstolz durch die Festspiele, die Imagewirkung durch die jährlich wachsende Medienresonanz und eine „kulturelle Bildungswirkung“ auf alle Bürger. Begeistert fügte er hinzu: „Erste Einschätzungen nach der heute in Worms durchgeführten SWR-Umfrage bestätigen: 18 von 20 Wormsern setzen sich aktiv für die Festspiele ein. Wer hätte das vor 14 Jahren gedacht?“

     

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