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  • Fr., 21. Februar 2020, 15:57 Uhr
    STADTZERSTÖRUNG 1945: Stadt Worms erinnerte an Opfer alliierter Bombenangriffe / Prägendes Inferno für Generationen

    Feuersturm zerstörte Stadt und Leben

    Worms gedachte am Freitagmittag den Opfern der Luftangriffe auf die Nibelungenstadt. Foto: Florian Helfert


    VON FLORIAN HELFERT | Heute vor 75 Jahren bot sich den Wormser Bürgerinnen und Bürgern nach einem circa halbstündigen Bombenhagel alliierter Flieger eine schockierende Schneise der Verwüstung. Kurz nach 20 Uhr hatten tags zuvor 1.100 Sprengbomben sowie über 100.000 Brandbomben und Phosphorkanister einen Feuersturm entfacht.

    Das Inferno legte die Innenstadt in Schutt und Asche. Ein zweiter Luftangriff amerikanischer Verbände besiegelte das Ende der historischen Domstadt am 18. März 1945. Insgesamt forderten die Luftangriffen des Zweiten Weltkrieges in Worms mindestens 512 Tote. Darüber hinaus waren rund 25.000 Wohnungen zerstört worden.

    „Wir teilen die Trauer der Familien, die an diesen Tagen Angehörige verloren haben“, gedachte Oberbürgermeister Adolf Kessel am gestrigen Freitag in der Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof der Toten. Zugleich besann er sich trauernd aller Opfer in Folge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

    Rechte Parolen entehren Opfer

    „Die historische Wahrheit darf nicht vergessen werden – gerade dann nicht, wenn rechte Parolen die Ehre und Würde der Leidtragenden erneut verletzen“, sprach sich das Stadtoberhaupt gegen Rechtsextremismus und Nationalsozialismus aus. So müsse zur Kenntnis genommen werden, dass rechtsextreme Kreise die Tragik der Luftangriffe immer wieder einseitig umzudeuten versuchen. „Lange bevor unsere Stadt brannte, brannten Synagogen, brannte Rotterdam, Coventry und London“, erinnerte der Oberbürgermeister an die Verbrechen der Diktatur unter Adolf Hitler.

    Wehmut angesichts zerstörter Bausubstanz

    Viele Wormser trauern laut Adolf Kessel noch heute um die damals zerstörte Baukultur. Eine Baukultur, die in den Jahrhunderten nach der Zerstörung im pfälzischen Erbfolgekrieg entstanden und mit dem Wiederaufbau in der Nachkriegszeit verloren gegangen sei.
     
    Lehren aus Halle und Hanau

    „Nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und des Anschlages in Halle hat nun mit den Morden in Hanau eine weitere rechtsextreme Tat unser Land erschüttert", so der Christdemokrat. Diese Taten seien auch Anschläge auf die freiheitliche und friedliche Gesellschaft. Doch in erster Linie träfen sie ganz konkret Mitmenschen. „Wir alle müssen ihnen beistehen und entschlossen gegen Verunglimpfung, Ausgrenzung, Antisemitismus, Rassismus und Radikalismus vorgehen", appellierte Oberbürgermeister Adolf Kessel bevor er in stiller Anteilnahme zur Niederlegung des Kranzes an der Begräbnisstätte der Opfer der Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges schritt.

    Stellvertretend für die Stadt Worms nahm OB Adolf Kessel auf dem Hauptfriedhof zum Jahrestag der Bombenangriffe auf Worms Anteil am Schicksal der Verstorbenen. Foto: Florian Helfert


     

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