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  • Mi., 06. März 2024, 11:43 Uhr
    HERRNSHEIMER KLAUERN: Trauriges Bild sterbender Bäume / Was wird aus dem Wald?

    Fiasko für Flora und Fauna

    Immer mehr tote Bäume, deren Kronen nicht mehr vorhanden sind, empfinden Naturschützer als klaffende Lücke im Ökosystem der Herrnsheimer Klauern. Foto: NABU Worms-Wonnegau


    Die Situation war noch nie so dramatisch wie jetzt. Mit diesem Satz umreißen die Mitglieder des NABU Worms-Wonnegau den Zustand der Herrnsheimer Klauern, nachdem sie in diesem Jahr mehrere Begehungen durchführten. Dort sind zwischenzeitlich nahezu alle Großbäume abgestorben, der Wald bricht zusammen. 

    Der rund 80 Hektar große Auwald, der noch bis in die 1970er Jahre stark vernässt war, bietet derzeit ein trauriges Bild. Matthias Bösl, Vorsitzender des NABU, kennt die Situation genau. Bereits als Jugendlicher durchstreifte er den Wald und hörte gespannt den Erzählungen älterer Herrnsheimer zu, die in Badewannen sitzend durch die Gräben paddelten oder versunkene Kutschen sahen. Das Grundwasser stand einst so hoch, dass die Wurzeln der Bäume das Wasser gut aufnehmen konnten.

    Industrie und Landwirtschaft entnehmen zu viel Grundwasser

    Durch enorme Mengen Grundwasserentnahmen unter anderem dreier Wormser Industriebetriebe, die ab den 80er Jahren jährlich rund neun Millionen Kubikmeter Wasser förderten, ging das Wasser schnell zurück. Landwirtschaftliche Entnahmen im Umfeld verschärften die Lage. Feuchte, die einen Auwald auszeichnet, war Geschichte.

    „Wir alle kennen den Betonfuß im Herrnsheimer Freibad, den man in den 80er Jahren problemlos erklettern konnte, so hoch stand das Grundwasser“, erklärt Bösl. Heute schafft man das nicht mehr. 

    Mehr Hitze, weniger Regen setzt Bäumen zu

    Irgendwann hatten die Wurzeln der Bäume dann keine Verbindung mehr zum stetig sinkenden Grundwasser und waren auf Regenwasser angewiesen, das allerdings in den vergangenen trockenen Jahren nicht mehr ausreichte. Klimaveränderungen, in dem Fall Hitze und ausfallender Regen im Frühjahr und Sommer, setzten den Bäumen weiter zu.

    Vertrocknete Baumkronen

    In den vergangenen Monaten sind deshalb vor allem die letzten Baumriesen einfach umgefallen. Sie liegen kreuz und quer oder stehen mit vertrockneten Kronen als Baumleichen da. „Der Blick in die oberen Äste deutet an, dass der Baum bereits tot ist“, so Bösl ernüchtert.

    Tierwelt auf gesunden Wald angewiesen

    Was das Sterben großer Bäume für die Tierwelt bedeutet, mag man sich gar nicht ausmalen: Schwarzspecht, Waldkauz oder Hohltauben, diejenigen Arten, die in großen Baumhöhlen nisten, werden künftig vergeblich zu suchen sein. Ihnen fehlt es an ausreichend dicken Stämmen.

    Hausgemachte Probleme

    Bei einem Rundgang stellten die NABU-Leute die beschriebenen dramatischen Auswirkungen fest. Waren die Pappeln bereits zur Jahrtausendwende tot, sind nun alte Eschen und Buchen dran. Während die klimatischen Veränderungen vielerlei Verursacher haben, sind die starken Grundwasserabsenkungen der vergangenen Jahrzehnte hausgemacht.

    „Wir als NABU haben immer wieder die Verwaltung und politischen Vertreter im Stadtrat deutlich auf die massiv die Natur schädigenden Grundwasserentnahmen hingewiesen“, so Bösl, „das wurde zur Kenntnis genommen und dem Sterben der Klauern untätig zugeschaut. Jeder der den Genehmigungen zur Grundwasserentnahme je zustimmte, ist mitverantwortlich!“

    Prinzip Hoffnung

    In den 90er Jahren hatte der NABU gefordert, dass die Industrie ihren Wasserbedarf aus dem Rhein deckt. Dies wurde wegen der Kosten und betriebstechnischer Umstände abgelehnt. Das Ergebnis sehe man jetzt. „Wie es mit dem Wald weitergeht, ist eine gute Frage“, so Bösl abschließend, „wir regen in jedem Fall Begehungen der Fachbehörden mit anschließenden Besprechungen an und werden hoffentlich eingeladen“.

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