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  • Mi., 05. Juli 2023, 09:00 Uhr
    SPARKASSE: Verwaltungsrat votiert für Zukunftsplan / Internet-Banking fordert Tribut

    Filialen und SB-Stellen werden geschlossen

    Nach nur zwölf Jahren wird die Filiale der Sparkasse bald der Geschichte angehören.


    Von Florian Helfert › Einem bundesweiten Trend folgend stehen bei der Sparkasse Rheinhessen die Zeichen auf Digitalisierung – und auch auf Abschied von Geschäfts- und SB-Stellen.

    So wird im Nibelungenland die Geschäftsstelle im Liebenauer Feld im Wormser Westen geschlossen. Die Geschäftsstellen Eich, Herrnsheim und Horchheim werden zu SB-Stellen degradiert. Des Weiteren werden die SB-Stellen Alzeyer Straße, Heppenheim, Hochheim, Klinikum und Weinsheim geschlossen. Gleiches gilt im Landkreis für die bisherige SB-Stelle in Dittelsheim-Heßloch.

    In seiner jüngsten Sitzung hat sich der Verwaltungsrat der Rheinhessen Sparkasse mit dem Zukunftsplan zum veränderten Kundenverhalten aufgrund langfristiger Marktbeobachtungen befasst.

    „Der rasante Wandel in der Nutzung der Angebote bei der Sparkasse in den letzten Jahren und die steigende Nachfrage ist maßgeblich auch darin begründet, dass die telefonischen und digitalen Kontaktmöglichkeiten für Kundinnen und Kunden immer komfortabler werden“, informiert das regionale Bankinstitut in einer Pressemitteilung.

    Filialsterben folgt Trend zum Online-Banking

    Auf den Online-Trend reagiert die Sparkasse mit einem Ausbau der entsprechenden Service- und Beratungsangebote. Im Digitalen-Beratungscenter und im Kunden-Service-Center arbeitet inzwischen das größte Beratungsteam und bis Jahresende mit 50 umgeschichteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nochmals deutlich mehr als in den Beratungscentern der beiden Hauptsitze in Mainz und Worms.

    Bargeldloses Bezahlen immer beliebter

    Massive Veränderungen stellt die Sparkasse zudem bei Bezahlvorgängen fest. Wie deutschlandweit nutzen Kunden auch hier immer häufiger die Girocard, besser bekannt unter ihrem alten Namen „EC-Karte“, zum bargeldlosen Bezahlen. Bargeldlos heißt in den meisten Fällen dann auch kontaktlos bezahlen. Vier von fünf Girocard-Bezahlvorgängen im Einzelhandel sind heute kontaktlos. Die Nutzungsquote liegt mittlerweile bei fast 80 Prozent.

    Wer Bargeld braucht, kann laut Sparkasse zudem eine Vielzahl von Möglichkeiten in Geschäften nutzen. Bei allen großen Händlern im gesamten Geschäftsgebiet der Rheinhessen Sparkasse wie Aldi, Lidl, Edeka, Rossmann und dm-Drogerie Markt kann beim Einkaufen auch Bargeld mitgenommen werden. Und es gibt für Kunden, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, den Service des Bargeld-Taxis der Rheinhessen Sparkasse.

    Erste Reaktionen aus Worms und Eich

    „Die Entscheidung der Rheinhessen Sparkasse, weitere Filialen in SB-Stellen umzuwandeln ist rational und wirtschaftlich nachvollziehbar“, findet Stephanie Lohr als Kreisvorsitzende der CDU Worms. Dennoch hinterlasse diese Entscheidung bei den Menschen das Gefühl, zunehmend bei der Versorgung mit Bargeld und persönlichem Service benachteiligt zu werden.

    Aber was muss passieren? „Wir müssen ganz bewusst neue Orte für spontane Begegnungen schaffen“, so Lohr weiter. Mal spontan in der Geschäftsstelle vorbeigehen, eine Überweisung tätigen und dabei ein Schwätzchen im Schalterraum halten und erfahren zu können, was es Neues gebe, gehöre auch zu einer Dorfgemeinschaft. Die Menschen müssten motiviert werden, sich für ihren Ort zu engagieren, damit Veranstaltungen stattfinden und gemeinsame Projekte, die das Wir-Gefühl stärken, angegangen würden.

    Herber Verlust für VG Eich

    Zutiefst besorgt und bestürzt zeigt sich die SPD Eich und der SPD-Altrheinverband über den angekündigten Verlust persönlicher Ansprechpartner vor Ort in Eich. Die dortige Filiale sei über viele Jahre hinweg der einzige Anlaufpunkt für die Kunden der Sparkasse in der Verbandsgemeinde Eich gewesen, um ihre finanziellen Angelegenheiten im persönlichen Gespräch zu regeln, nachdem in den übrigen Gemeinden der VG bereits alle Filialen geschlossen wurden.

    Heike Reuper, Vorsitzende der Eicher SPD, sieht im Filialsterben von Banken einen bedenklichen Trend. „Dieser Verlust führt zu einem Abbau der Daseinsvorsorge in ländlichen Regionen und benachteiligt gerade diejenigen“, so Reuper, „die nicht über alternative Möglichkeiten des Zugangs zu Bankdienstleistungen verfügen.“

    „Pläne überdenken“

    Daher fordert auch Heinz Reich, Vorsitzender des SPD-Altrheinverbandes, die Pläne für Eich zu überdenken. Es müsse sichergestellt werden, dass die Bürger auch in Zukunft Zugang zu den benötigten Finanzdienstleistungen haben. Hierzu könnten alternative Lösungen wie mobile Filialen oder Kooperationen mit anderen Banken in Betracht gezogen werden.

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