Do., 19. März 2020, 16:50 Uhr
HELFERKREIS ASYL: Offener Brief an Oberbürgermeister Adolf Kessel und Behörden
Flüchtlingssituation in Worms während der Corona-Pandemie
Die Corona-Pandemie löst auch bei in Worms lebenden Flüchtlingen zunehmend Angst aus. Der Helferkreis Asyl Worms e.V. hat sich daher in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Adolf Kessel, die im Stadtrat vertretenen Parteien, das Sozialamt, die Ausländerbehörde, das Gesundheitsamt, die Integrationsbeauftragten und den
Flüchtlingskoordinator der Stadt Worms, sowie an den ASB gewandt
Mehrsprachige Informationen
Stellvertretend für die gesamte ehrenamtlichen Initiative, die Geflüchtete unterstützt, unterbreitet die Vorsitzende Angelika Wahl darin den Vorschlag, dass mehrsprachige schriftliche Verhaltenshinweise über den ASB, Betreiber der Gemeinschaftsunterkünfte und über die Ausländerbehörde an alle Flüchtlinge mit Wohnsitz in Worms verteilt, bzw. verschickt werden sollten. Auch sollten von Bund, Land und Stadt verfügte Maßnahmen via mehrsprachiger Aushänge in den Flüchtlingsunterkünften ausgehängt werden. Zudem bemängelt sie, dass noch immer Veranstaltungshinweise sowie Nachhilfe-Angebote derzeit öffentlich ausgehängt seien. "Das ist natürlich angesichts der momentanen Situation eher irreführend", so Wahl. Weiterhin sollten bei der Info-Hotline der Stadtverwaltung Worms sowie bei der Ausländerbehörde auch Übersetzer für die Sprachen der Hauptherkunftsländer von Geflüchteten eingebunden und entsprechend entlohnt werden.
Soziale Kontakte reduzieren
"Die Hinweise, soziale Kontakte drastisch zu reduzieren und möglichst zu Hause zu bleiben, stellen sich in Gemeinschaftsunterkünften als äußerst schwierig dar", heißt es in dem offenen Brief. Daher befürworte der Helferkreis Asyl, dass Risiko-Personen wie beispielsweise Flüchtlinge mit chronischen Erkrankungen (Diabetes, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz etc.) oder Schwangere umgehend aus den Gemeinschaftsunterkünften herausgeholt und dezentral untergebracht werden sollten. Zu diesem Zweck könne beispielsweise über die Anmietung von Hotels oder Pensionen, die z.Zt. weitgehend ungenutzt sind, nachgedacht werden.
Verbesserte Hygiene
"Die Hygiene in den Gemeinschaftsunterkünften muss nachhaltig verbessert werden. Statt die Reinigung unprofessionell von Heimbewohnern durchführen zu lassen, sollte die Reinigung von Gemeinschaftsräumen an eine geeignete Firma vergeben werden", erklärt Angelika Wahl.
In den Fluren, Küchen und sanitären Anlagen der Gemeinschaftsunterkünfte sollten zudem Desinfektionsmittel-Spender angebracht werden.
Auf elektronischem Wege
Der Helferkreis Asyl Worms e.V. regt in seinem Schreiben an, dass die Ausländerbehörden Duldungen und Aufenthaltsgestattungen vorerst mit längerer Laufzeit ausstellen sollten, damit die Menschen nicht mehr so häufig zur persönlichen Vorsprache zu den Behörden müssen.
"Es sollte geprüft werden, ob bestimmte Verfahren vorübergehend auch auf elektronischem Wege möglich sind, z.B. Arbeitserlaubnisverfahren etc., Fristen zur Identitätsklärung z.B. fiir die Ausbildungsduldung oder aber auch fiir die `Duldung fiir Personen mit ungeklärter Identität´ sollten über den 30. Juni hinaus verlängert werden, da auch viele Konsulate den Betrieb eingestellt haben", so Wahl.
Termine zur "Beratung über freiwillige Ausreise" sollten nach Ansicht des Helferkreises ausgesetzt werden, da eine
Rückübernahme derzeit ohnhin von der italienischen, spanischen und türkischen Regierung abgelehnt würde.
Keine Leistungskürzungen
Sämtliche Kürzungen von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz sollten gemäß der Vorsitzenden aufgehoben werden, "einerseits wegen jetzt fehlender Kausalität der Nichtmitwirkung bei der Abschiebung, andererseits um dem erhöhten Bedarf an Hygieneartikeln Rechnung zu tragen".
Bei Flüchtlingen, deren Sozialleistungen bereits auf ein Konto überwiesen werden, sollte bis auf Weiteres auf die monatliche persönliche Vorsprache beim Sozialamt verzichtet werden.