
Mit dem mehrtägigen Stromausfall nach einem Brandanschlag auf Energieinfrastruktur in Berlin ist deutlich geworden, wie wichtig eine sichere und zuverlässige Stromversorgung für den Alltag ist – ohne Strom geht nichts. Stromleitungen sind die Lebensadern der Volkswirtschaft. Stromausfälle kommen in Deutschland so gut wie nie vor.
Klar ist: „Die Bedrohungslage aufgrund von Sabotage von kritischen Infrastrukturen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert – darauf reagieren wir. Wir beobachten die Lage aufmerksam und stehen in engem Austausch mit den zuständigen Sicherheitsbehörden“, so Lucian Grümer, Projektsprecher des Übertragungsnetzbetreibers Amprion.
Aber auch unabhängig von Sabotage kann Energieinfrastruktur an ihre Grenzen geraten. Wie bei üblichen Nutzungsgegenständen entstehen mit der Zeit auch an Stromleitungen Abnutzungserscheinungen. Um das zu verhindern, trifft Amprion im ganz normalen Tagesgeschäft zahlreiche Maßnahmen. Dazu gehören auch in diesem Jahr u.a. Leitungskontrollen.
„Vom 12. Januar bis voraussichtlich Mitte Februar führen wir deshalb in unserem Netzgebiet Leitungskontrollen per Helikopter durch“, so Grümer weiter. Kontrolliert werden Höchstspannungsfreileitungen (220 und 380 Kilovolt) u.a. auch in Worms, Alzey-Worms und im Rhein-Pfalz-Kreis. Die angekündigten Befliegungen können sich witterungsbedingt immer wieder verschieben und ändern. Daher sind genauere Ankündigungen nicht möglich.
Bei einer Fluggeschwindigkeit von 30 bis 40 km/h werden die Freileitungen mit hochauflösenden Infrarotkameras kontrolliert. Aus der Luft sind viele Schäden leichter erkennbar als vom Boden. Kontrolliert werden insbesondere Seilschäden und thermische Auffälligkeiten, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Die erfassten Mängel werden nach der Durchführung der Kontrollflüge ausgewertet und später behoben. Gravierende Mängel wie ein defekter Isolator werden sofort gemeldet und umgehend repariert.
Kontrollen aus der Luft mittels Infrarot-Thermographie werden bereits seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Diese Inspektionen ergänzen visuelle Kontrollen und Kontrollen vom Boden aus, bei denen es insbesondere um Schäden am Mast, etwa verbogene Maststreben oder defekte Fundamente geht.
Für Helikopterpiloten ist die Leitungsbefliegung immer wieder eine Herausforderung, da sie zum Teil in niedriger Flughöhe bis auf wenige Meter an die Masten und Leitungen heranfliegen müssen. Zudem müssen die Wetterbedingungen für einen sicheren Start und die Durchführung der notwendigen Aufnahmen stimmen. Durch die Kontrollflüge erhält Amprion innerhalb weniger Wochen einen Überblick über viele tausend Leitungskilometer des Höchstspannungsnetzes.