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  • Mo., 06. März 2017, 10:59 Uhr
    Landtagsabgeordneter Christian Baldauf besuchte Realschule plus in Bobenheim-Roxheim

    Fremdsprache „Politik“? – Nicht unbedingt!      

    Wenn Politiker anfangen zu sprechen, schalten viele Jugendliche ab – nicht so bei einer Veranstaltung der Realschule plus in Bobenheim-Roxheim am vergangenen Freitag.


    Bereits die Studie „Sprichst du Politik?“ aus dem Jahre 2011 kam zu dem Ergebnis, dass Jugendliche, also künftige Wählerinnen und Wähler, die Sprache derer nicht sprechen, die sie wählen sollen. Zwar hielten es die meisten jungen Menschen für wichtig, sich für Politik zu interessieren, leider würde jedoch allzu oft das vorhandene Interesse am Verständnis scheitern, so die Studie. Eine Mehrheit Jugendlicher sitzt bisweilen hilflos vor den Nachrichten im Fernsehen oder in der Zeitung. Denn wenn ein Problem „mit Nachdruck angegangen“, Handeln als „alternativlos“ oder eine „temporäre Reaktion“ als „von höchster Priorität“ bezeichnet wird, dann steigen Jugendliche aus, noch bevor ihnen der Politiker etwas über „Zukunftsperspektiven“ erzählen kann. Fast gewinnt man den Eindruck, Politik sei nichts Alltägliches, sondern vielmehr eine 3. Fremdsprache, die es - neben Englisch und Französisch - auch noch zu erlernen gilt. Direktes Aufeinandertreffen von Schule und Politik – in der Vergangenheit eher die Ausnahme – kann allerdings helfen, diesen Graben zu schließen.


    Freitagvormittag war der aus Frankenthal stammende rheinland-pfälzische Landtagsabgeordnete Christian Baldauf (CDU) zu Gast in Bobenheim-Roxheim und nahm sich Zeit, um etwa 50 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 10 der Realschule plus – Jugendliche in einem Alter, in dem die erste Wahlentscheidung nicht mehr allzu fern ist - knapp zwei Stunden lang Rede und Antwort zu stehen. Hierbei hatten sie die Gelegenheit, aktuelle politische bzw. gesellschaftliche Fragen direkt an einen Volksvertreter zu stellen - „ungefiltert“ und somit authentisch. Eine Art Aufforderungscharakter der Gesprächsrunde nach dem Motto „Mitmachen in einer Demokratie!“ schien beabsichtigt und war bereits ab den ersten Minuten spürbar.


    Ohne rhetorische Floskeln zu verwenden, hat sich Christian Baldauf mit den Schülerinnen und Schülern über das aktuelle politische Geschehen ausgetauscht – offen und gleichzeitig differenziert. Deren Interesse zeigte sich vor allem darin, dass die Antworten des Politikers nicht einfach „abgenickt“ wurden, wie wohl so manche Ausführung eines Lehrers, vielmehr wurde die Möglichkeit genutzt, aktiv – und durchaus kritisch - nachzufragen. Der Grund? Wenn Jugendliche merken, dass man ihnen zuhört, dann steigt sofort die Bereitschaft, selbst zuzuhören - ungleich länger und aufmerksamer, als im Unterricht – und mitreden zu wollen.


    Fragen wie: „Was sagen Sie zum Thema Steuerverschwendung?“, „Warum darf man in Deutschland nicht die Asche seiner Angehörigen mit nach Hause nehmen?“ oder „Warum werden aus Deutschland Waffen in Krisengebiete verkauft?“ konnten - teils vereinfacht, jedoch ehrlich – beantwortet werden, ohne dabei am Wesentlichen, also am eigentlichen Inhalt vorbeizureden, wie man es Politikerinnen und Politikern, mitunter sicher zurecht, unterstellt. Gerade die Problematik schwieriger Sachverhalte und emotional geführter Diskussionen verstand Herr Baldauf schülernah zu erklären und falls nötig mit alltäglichen Fallbeispielen aus der Lebenswelt Jugendlicher zu veranschaulichen.


    Neben der Flüchtlingsproblematik, möglicher Auswirkungen der Präsidentschaft von Donald Trump für Deutschland oder dem so genannten „Brexit“, wurde unter anderem ein regionaler Bezug zum Bereich „erneuerbare Energien“ hergestellt oder der politische Umgang mit Cannabis thematisiert. Für allgemeine Erheiterung sorgte ein Beispiel zum „Sinn und Unsinn der EU und ihrer Regelungen“, nämlich die Tatsache, dass gutbezahlte Politiker tatsächlich Zeit damit verbracht haben, Toleranzwerte bei der Krümmung von Bananen festzulegen.


    Abschließend ließ es sich Herr Baldauf nicht nehmen, in der Schlussrunde „den Spieß umzudrehen“ und seinerseits den ein oder anderen Satz an seine Zuhörer zu richten, etwa die Frage nach Arten von Medien, durch die junge Menschen sich heutzutage informieren, nach Zukunftsplänen oder den Apell, selbst Wünsche an die Politik zu formulieren.


    Die oft kritisierte, schwer verständliche Sprache von Politiker/innen, nicht selten geprägt von Kunstworten oder Beschönigungen, war am Freitag kaum zu vernehmen, weshalb sie auch nicht erst „übersetzt“ werden musste – bestätigten auch die Reaktionen des Publikums.


    Fazit: Politisches Interesse ist heute unter Jugendlichen keineswegs verschwunden.


    Die Veranstaltung hat gezeigt, dass es bei den Jugendlichen eine große Bereitschaft zum Denken und Gestalten gibt. Wird Politik - wie in diesem Fall - anschaulich vermittelt, hat dies großen Einfluss auf das Bedürfnis nach Information. So erreichen auch komplizierte Inhalte ihre Adressaten. Schließlich hat sich ein Bewusstsein dafür gezeigt, dass es auf den eigenen Beitrag ankommt, um eine Demokratie lebendig zu halten. Die Überzeugung, in der Demokratie gebraucht zu werden und gleichzeitig das Gefühl zu haben, dieser Aufgabe gerecht werden zu können, konnte nur zu einem Schluss führen: Politik ist nicht „vielmehr eine Fremdsprache“, sondern viel mehr!

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