Die im September eröffnete Montessori-Schule stößt auf große Nachfrage und möchte weiter wachsen
Frischer Wind in der Wormser Schullandschaft
Kreativität und selbstbestimmtes Lernen sind wichtige Elemente der Montessori-Schule. Foto: Gernot Kirch
VON GERNOT KIRCH Die Idee zur Eröffnung einer Montessori Schule in Worms entstand vor rund zwei Jahren von einer Gruppe Eltern. Schließlich riefen neun Mitglieder einen Verein ins Leben. Im November erfolgt die Gründung einer gemeinnützigen Unternehmergesellschaft, die als Träger der Montessori-Schule im Gebäude des Gründerzentrums in Worms-Pfeddersheim fungiert. Zum Schujahresbeginn im September erfolgte bereits der Unterrichtsbeginn mit einer Grundschulklasse mit Jungen und Mädchen. Es handelt sich dabei um eine altersgemischte Klasse, was bedeutet, teilweise lernen die Kinder gemeinsam und teilweise entsprechend ihrer Klassenstufe. Das altersübergreifende Lernen ist ein bewusstes Konzept der Montesorri-Schule. Die ganz „Kleinen“, also die Erstklässler, sollen von den „Großen“ lernen. Wobei die Montessori- Schule auch nach staatlichen Lehrpläne unterrichtet und deren Inhalte vermittelt. So gibt es neben den freien Unterrichtsblöcken, bei denen die Kinder aus eignem Antrieb spezielle Projekte bearbeiteten, auch feste Stunden für Mathematik und Deutsch. Dazu kommen noch die Fächer Englisch, Sport und Musik.
Selbstständigkeit fördern
Ganz wichtig sei es im Konzept der Montessori-Schule, dass Kinder sich aktiv einbringen, Wünsche äußern und zur Selbstständigkeit herangebildet werden, so die pädagogische Geschäftsführerin der Montessori-Schule in Pfeddersheim, Kerstin Seibert. Besonders für aktive Kinder, die sich in gewisser Weise bereits selbst organisieren können und eigene Interessen haben, ist die Montessori-Schule eine vielversprechende Alternative zu herkömmlichen Schulen. Für Jungen und Mädchen, die hingegen klare Strukturen und Vorgaben brauchen, sind wahrscheinlich staatliche Schulen die geeignetere Wahl. Auf der Montesorri-Schule werden auch keine Noten vergeben, sondern Entwicklungsberichte erstellt. Nicht zu verwechseln ist die Montessori-Schule übrigens mit der Walldorf-Schule. Dies sind zwei ganz unterschiedliche Konzepte. So erstellen Walldorf-Schulen etwa ihre eigenen Lehrpläne und Lehrer begleiten die Kinder oft über alle Jahrgangsstufen. Eine Walldorf-Schule gibt es in Frankenthal. Montessori-Schulen orientieren sich hingegen an staatlichen Lehrplänen, rücken aber das selbstmotivierte Lernen in den Fokus, bei dem der Lehrer mehr die Funktion des pädagogischen Begleiters haben. Ein wesentlicher Baustein ist die Betreuung der Klassen durch zwei Lehrer, sodass einer immer zur Verfügung steht, der sich um individuelle Fragestellungen und Problem kümmern kann. Die Montessori-Schule in Pfeddersheim ist als Ganztagsschule konzipiert, was bedeutet, die Schule beginnt morgens gleitend zwischen 7.30 und 8 Uhr und endet inklusive eines Mittagessens um 15 Uhr. Für Eltern, die ihre Kinder erst später abholen können, besteht in der Schule eine Betreungsmöglichkeit bis 17 Uhr.
Kontinuierlich wachsen
Gegenüber dem NK erläuterte Kerstin Seibert die weiteren Ziele. So soll zum Schuljahr 2015/16 eine weitere altersgemischte Klasse in der Montessori-Schule dazukommen. Hierzu würden bereits die entsprechenden Anmeldungen vorliegen. sodass es dann zwei Grundschulklassen mit jeweils 20 Kindern geben soll. Insgesamt hätten bis zum Jahr 2019 schon rund 80 Eltern ihre Kinder angemeldet. In der Endstufe soll die Montessori-Grundschule vier Klassen umfassen. Wobei man Schritt für Schritt wachsen möchte, so Kerstin Seibert. Ein Grund dafür sind natürlich auch die Finanzen, denn für den Schulbetrieb der nächsten drei Jahre sind rund 450.00 Euro notwendig. Dies zu stemmen sei nicht einfach, doch habe man mit der Bank für Sozialwirtschaft aus Mainz einen kompetenten Partner an der Seite, der den Schulstart ermöglich habe. Nach drei Jahren würde es dann bezüglich der Finanzierung besser aussehen, da die Montessori-Schule dann staatlich anerkannt werden könne, was bedeutet, das Land übernimmt bis zu 80 Prozent der Lehrerkosten und gewisse Sachleistungen. Die Montessori-Schule finanziert sich zudem durch eine monatliche freiwillige Spende der Eltern, die sich pro Kind auf einen Betrag zwischen 180 und 270 Euro beläuft, je nach Einkommen der Eltern. Der monatliche Betrag sei notwendig, um den Schulbetrieb aufrecht erhalten zu können, erklärte Kerstin Seibert.
IGS das Ziel
Das langfristige Ziel ist es neben der Grundschule auch eine weiterführende Montessori-Schule zu verwirklichen, auf der auch das Abitur abgelegt werden kann. Am zweckmäßgsten sei dazu die Struktur einer Integrierten Gesamtschule (IGS), betonte Kerstin Seibert. Doch bis dahin wird es noch dauern, man möchte langsam wachsen und der Ausbau soll eine Jahrgangsstufe nach der andern erfolgen. In den nächsten drei Jahren könne man im Gründerzentrum verbleiben, langfristig ist jedoch der Umzug in ein geeignetes Gebäude angedacht. Ende des Jahres ist in Pfeddersheim ein Tag der o enen Tür geplant, an dem interessierte Eltern und Kinder sich einen persönlichen Eindruck verscha en können. Nähere Informationen zur Montessori-Schule in Pfeddersheim unter: www.natuerlich-lernen-worms.de