Die neue Wormser CDU-Chefin Stephanie Lohr im Interview mit dem Nibelungen Kurier
Frischer Wind in Wormser CDU
Stephanie Lohr ist seit Januar 2019 neue Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Worms.
Von Gernot Kirch Auf dem Kreisparteitag der Wormser CDU im Januar 2019 wurde die 35-jährige Abenheimerin Stephanie Lohr mit 98 Prozent der Stimmen zur neuen Vorsitzenden gewählt. Stephanie Lohr hat 2003 auf dem Gauß-Gymnasium ihr Abitur abgelegt und studierte im Anschluss in Mannheim Jura. Sie beendete das Studium 2008 mit dem 1. Staatsexamen und legte nach erfolgreicher Referendarzeit 2010 das 2. Staatsexamen ab. Von 2011 bis heute arbeitet sie bei den Technischen Werken Ludwigshafen, zunächst als Juristin und ab 2016 als stellvertretende Personalleiterin. Parallel zu ihrer beruflichen Laufbahn belegte sie von 2013 bis 2015 an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz einen betriebswirtschaftlichen Studiengang und schloss das Studium mit dem Executive Master of Business Administration (MBA) ab.
Seit 2006 ist Stephanie Lohr Mitglied im Kreisvorstand der Wormser CDU und seit 2009 sitzt sie im Ortsbeirat von Abenheim. Von 2009 bis 2014 war sie Mitglied im Wormser Stadtrat. Im Juli 2019 wird sie für Adolf Kessel als Nachrückerin in den rheinland-pfälzischen Landtag einziehen. Hintergrund ist, dass Adolf Kessel nach der Wahl zum Wormser Oberbürgermeister sein Landtagsmandat niederlegt, um sich ganz um die Belange der Stadt zu kümmern.
Stephanie Lohr bringt viele neue Ideen und frischen Wind in die Wormser CDU.
Fragen an Stephanie Lohr:
1) Was sind Ihre großen Hobbys und Interessen abseits von Politik und Beruf.
Lohr: Die Feuerwehr und Sport (Laufen, Fitnesstraining in der Gruppe)
2) Welche Musik hören Sie?
Lohr: Je nach Laune. Bin aber schon ein Kind der 90er, mag Robbie Williams, Söhne Mannheims oder auch die Fantastischen Vier.
3) Was machen Sie im Urlaub?
Lohr: Urlaub bedeutet für mich, meinen Horizont erweitern und aktiv sein. Im letzten Sommer war ich an der Algarve zum Yoga und Surfen, davor auf einer Rundreise durch Namibia. Beides war herrlich!
4) Wo würden Sie sich im Spektrum der CDU einstufen, im konservativen Flügel oder eher weiter in der Mitte?
Lohr: Ich sehe mich als Mitglied der Partei und nicht als Teil eines Flügels. Die Basis meiner Tätigkeit sind die christlichen Grundwerte, nach denen ich von meinen Eltern erzogen wurde. Meinen Blick richte ich grundsätzlich in die Zukunft, Werte zu vertreten und modernes Denken sind für mich kein Widerspruch.
5) Was sind die drei, vier wichtigsten Werte für Sie?
Lohr: Freiheit des Einzelnen, Gerechtigkeit, Toleranz und Respekt gegenüber Dritten.
6) Sie sind jetzt Vorsitzende des CDU Kreisverbandes Worms und ziehen im Sommer in den rheinland-pfälzischen Landtag ein. Was sind Ihre weiteren politischen Ziele?
Lohr: Zunächst ist es mir wichtig, in den genannten Ämtern anzukommen und gute Arbeit zu leisten, die Herausforderungen anzunehmen und Ergebnisse zu liefern. Was sich daraus entwickeln mag, lasse ich auf mich zukommen.
7) Bei der Wahl zum Vorstand des CDU-Kreisverbandes fiel auf, dass viele Frauen und auch viele junge Menschen in den Vorstand einzogen sind, aber kein einziger Migrant, obwohl fast ein Drittel der Wormser Bevölkerung einen Migrationshintergrund haben. Warum gelingt es der CDU nicht, Zuwanderer für die Partei zu gewinnen?
Lohr: Zunächst freut es mich, dass wir als Partei diesen Schritt des Generationenwechsels eingeschlagen haben. Denn das ist bereits eine ganz wichtige Weichenstellung für eine zukunftsfähige Parteiarbeit. Wir suchen und pflegen den Kontakt zu Migrantengruppen und haben Personen mit Migrationshintergrund in ganz unterschiedlichen Bereichen und Formen im Kreisverband der CDU Worms eingebunden. Dazu gehört bspw. auch Andreas Wasilakis, der mit griechischen Wurzeln in Herrnsheim als Ortsvorsteher aktiv ist. Mitglieder der alevitischen Gemeinde sind in der Stadt für die CDU unterwegs. Bereits 2009 hat der Fraktionsvorsitzende Dr. Karlin mit den Vertretern aller muslimischer Gemeinden in Worms das muslimische Gräberfeld auf dem Hauptfriedhof eingeweiht.
8) Sie kandidieren bei der Kommunalwahl nicht für den Wormser Stadtrat. Was waren die Gründe?
Lohr: Ich habe ganz bewusst auf eine Kandidatur für den Wormser Stadtrat verzichtet, da ich mich auf meine Aufgaben als Landtagsabgeordnete und den Kreisvorsitz bei der Wormser CDU konzentrieren möchte. Darüber hinaus möchte ich Ortsvorsteherin von Worms-Abenheim werden.
9) Sie sind mit 35 Jahren noch sehr jung für ein Spitzenamt wie den Kreisvorsitz. Haben Sie keine Angst vor der ganzen Verantwortung?
Lohr: Kommt drauf an, wen Sie fragen. Nach der Aussage meiner siebenjährigen Nichte bin ich „voll alt“. Helmut Kohl wurde mit 36 Landesvorsitzender, Sebastian Kurz mit 31 Bundeskanzler von Österreich und Jan Metzler wurde mit 32 Jahren als erster CDU-Kandidat für unseren Wahlkreis direkt in den deutschen Bundestag gewählt. Da bin ich als 35-jährige Kreisvorsitzende der CDU Worms durchaus nicht führend. Der Verantwortung, die ich hier übernommen habe, bin ich mir bewusst. Ich bin keine Einzelkämpferin, sondern Teil eines generationenübergreifenden Teams, das zusammen mit unseren Vertretern in der Stadt, im Land und im Bund für Worms das Beste erreichen kann. Daneben habe ich, wahrscheinlich gerade wegen meines Alters, keine Scheu, um Rat zu fragen und zuzuhören und nicht den Anspruch, alles bereits zu können und zu wissen.
10) Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung gefallen, zwischen einer Karriere in einem Wirtschaftsunternehmen und der Politik zu wählen?
Lohr: Ich liebe meinen Beruf und bin stolz darauf, was ich die letzten Jahre beruflich erreicht habe. Wertschätzung meiner Arbeit ist mir wichtig. Unter Wertschätzung verstehe ich allerdings nicht blinde Zustimmung, sondern die Anerkennung, mit Unterstützung der Betroffenen das Optimale zu erreichen. Ich hoffe auch in meiner zukünftigen Arbeit viel Positives erreichen zu können und dadurch glücklich in den Aufgaben zu sein.
11) Ein großes Thema ist auch in Worms der Mangel an bezahlbaren Wohnungen. Wo wollen Sie hier ansetzen?
Lohr: Hier stellt sich die Frage, was ist „bezahlbar“? Das wird ein Azubi oder ein Student vermutlich anders beantworten als ein berufstätiges Ehepaar.
Richtig ist aber, dass Worms wächst, was nachhaltig für die Attraktivität unserer Stadt spricht, und wir schneller als bisher dafür Sorge tragen müssen, Wohnraum für alle Einkommensstufen zu schaffen. Ein höheres Angebot nivelliert üblicherweise auch die Preise.
Problematisch bleibt dabei, dass die Anforderungen an Bau und Renovierungen immer höher werden und die Kosten treiben. Ob das Vorgaben bezüglich der Wärmedämmung, zur Barrierefreiheit oder dem Brandschutz sind. Hier sind Bund und Land gefordert.
12) Alle Aspekte der Sicherheit stehen im Fokus der Bürger, etwa die Situation abends am Bahnhof oder in der Fußgängerzone. Wie ist hier Ihre Position?
Lohr: Eine lebens- und liebenswerte Stadt setzt voraus, dass sich die Menschen sicher und wohl fühlen. Sicherheit und Wohlbefinden sind untrennbar miteinander verbunden. Nach meinem Eindruck hat das Angstgefühl in der Gesellschaft in den vergangenen Jahren zugenommen, sicher auch befördert durch entsprechende Berichterstattung in den Medien oder auf Angst aufbauender Rhetorik rechter Parteien. Es ist Aufgabe der Politik, diese Ängste ernst zu nehmen und was dagegen zu tun und nicht nur zu versprechen.
Hierzu hat sich die CDU-Fraktion im Stadtrat im Schulterschluss mit dem zuständigen Bürgermeister Kosubek bereits umfassend positioniert. Neue Stellen im Ordnungsamt sind im Stellenplan der Stadt schon geschaffen, die Besetzungen stehen allerdings noch aus. Ebenso sehe ich es als meine Aufgabe als Landtagsabgeordnete an, die Polizei zu stärken.
13) Bei Kitas steht Worms nicht besonders gut da. Im Vergleich zu anderen kreisfreien Städten in Rheinland-Pfalz nimmt die Nibelungenstadt einen unteren Rang ein. Was muss hier passieren?
Lohr: Die Verwaltung ist auf Basis der bis vor wenigen Jahren durch das Land vorgelegten Prognosen der Bevölkerungsentwicklung für unsere Stadt „auf Sicht“ gefahren, um ein Überangebot und damit erhebliche Mehrkosten zu verhindern.
Nun lag das Land mit den Prognosen daneben und ist gerade dabei mit dem „Gute-Kita-Gesetz“ die Ansprüche zu erweitern, ohne für die entsprechende Finanzierung zu sorgen. Die Verbesserung der Kinderbetreuung zum Wohle der Kinder oder auch besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind die richtigen Ziele.
Die Abschaffung der Kindergartenbeiträge, ohne eine ausreichende Gegenfinanzierung durch das Land, macht es aber der Stadt nicht gerade einfacher, diese Ziele zu erreichen. Nach meinem Eindruck geht dieses Handeln gerade voll zu Lasten des Kita-Personals und damit zu Lasten der Kinder sowie der Eltern. Diesem Thema muss oberste Priorität eingeräumt werden.
14) Eines der Zukunftsthemen ist die Mobilität, von mehr Ladestationen für E-Mobile bis hin zu mehr Radwegen und einem besseren ÖPNV. Wo liegen hier Ihre Prioritäten?
Lohr: Die Themen sind untrennbar miteinander verbunden, eine separate Herangehensweise halte ich nicht für zielführend. Selbst die Experten sind sich nicht einig, ob Elektromobilität die führende Antriebstechnologie in der Zukunft sein kann. Ein überbordender Ausbau von Ladekapazitäten auf Kosten der Stadt ist daher nicht wünschenswert. Hier sehe ich ganz klar die Priorität bei den Kitas und Schulen sowie bei der Förderung des ÖPNV und Radwegebaus. Wir können das Geld nur einmal ausgeben.
15) Was ist für Sie ein ganz wichtiges Anliegen?
Lohr: Wir müssen was bewegen, sonst bewegt sich nichts. Stiller Protest an der Wahlurne bringt uns als Gesellschaft und Stadt nicht weiter. Hierzu wollen und werden wir als CDU weiter zuhören und die Wormserinnen und Wormser mitnehmen. Mitmachen ist gefragt und wird durch uns künftig noch stärker eingefordert und gefördert.
16) Sie haben bei Ihrer Antrittsrede als CDU-Kreisvorsitzende im Januar 2019 besonders die AfD kritisiert. Sehen Sie in der AfD den politischen Hauptkontrahenten?
Lohr: Für mich ist die AfD vor allem eins nicht – ein Alternative zur CDU! Es war immer unser Anspruch als Partei, dass wir bei Wahlen mit starken Persönlichkeiten und unseren Inhalten überzeugen und aufzeigen, wofür wir als CDU stehen.
Mehr Bürgerbeteiligung und größere Transparenz sind wichtige Anliegen von Stephanie Lohr.