Der 7. Wormser Kunstmarkt erwies sich am Wochenende erneut als Publikumsmagnet / Kunst vom einstelligen bis vierstelligen Preis!
Für jeden Geldbeutel und Geschmack
Mit den Aktiven des Kunstvereins um Dr. Klaus Döll (rechts) freute sich das Ehepaar Köhler (2. und 3. von links) über den Erwerb ihrer „Zwei Damen“. Die Farblithograhie des großen Expressionisten Emil Nolde stand letztes Jahr schon zum Verkauf. Weil aber ihr diesjähriges Wunschbild schon verkauft war, realisierten sich die beiden ihren „älteren“ Wunsch.
Von Robert Lehr |Drei Gründe seien es wohl, die für den Erfolg des diesjährigen Kunstmarktes verantwortlich seien. Folgt man Dr. Klaus Döll, so ist es zunächst der Wunsch, sich mit Schönem zu umgeben, damit in direktem Zusammenhang der aktuelle Trend zum Cocooning, und vor allem auch die Tatsache, dass Kunst in den letzten Jahren eine durchaus profitable Wertanlage geworden ist. Abgesehen davon, ergänzt der Vorsitzende des Wormser Kunstvereins augenzwinkernd, könne man ja im nächsten Jahr wieder verkaufen, was man vielleicht doch nicht behalten möchte.
Döll freut sich natürlich über die ungebrochene, ja steigende Resonanz der Veranstaltung. Erstmals seien sogar Kunsthändler da gewesen, was auch für die Qualität des Angebots spreche. Dieses setzte sich auch bei der 7. Auflage der Veranstaltung aus verschiedenen Quellen zusammen.
Verschiedenste Kunststile- und Werke
Da waren u.a. Graphiken, Drucke, Stiche, Öl- oder Aquarellgemälde, Plastiken, Bücher oder Schmuck, die von ihren Vorbesitzern oder sogar von den Künstlern selbst eingereicht wurden. Mit einer Preisvorstellung versehen, wurden sie meist in einer „Petersburger Hängung“ präsentiert. Deren etwas chaotischer Charakter wurde durch die Tatsache verstärkt, dass direkt gekaufte Stücke Löcher hinterließen, die jedoch sofort mit anderen Kunstwerken gefüllt wurden. So groß war die Menge der eingelieferten Bilder, dass genügend Nachschub vorhanden war.
Was besonders deutlich wurde: Vor allem die vielen historischen Ansichten von Worms zeigten durch rote Punkte an, dass sie verkauft waren. Ein Trend, der sich schon seit Jahren immer weiter fortsetzt. Die jahrhundertealten Originalstiche oder Drucke waren zum einen recht günstig, zum anderen zeigt die Nachfrage das gestiegene Interesse an der Heimat und ihrer großen Geschichte. Fotograf Stefan Blume sicherte sich zudem gleich eine Domansicht, wie es sie nach ihm bald nicht mehr geben wird: nämlich ohne das „Haus am Dom“.
Ca. 150 Kunstwerke wechselten den Besitzer
„Ungefähr 150 Kunstwerke haben am Wochenende den Besitzer gewechselt, was einen neuen Rekord darstellt“, freute sich am Sonntagabend Dr. Klaus Döll. Allerdings habe er mit einigen Interessenten nicht separate Termine ausgemacht, was den Absatz noch steigern könnte. Die „Provision“ für Kauf und Verkauf der Kunstwerke geht dabei an den Verein, der damit seine Betriebskosten deckt.
Dabei sind es natürlich auch Werke wie Erich Heckels „Hafeneinfahrt in Ostende“, die für die Qualität des Angebotes sprechen. Die Originalkaltnadelradierung von 1916 wechselte für stattliche 2.500 Euro nach Weinheim, was den wachsenden Bekanntheitsgrad des Kunstmarktes unterstreicht.
Vielleicht findet sich so auch im nächsten Jahr ein Liebhaber für den handgemachten, 80 Jahre alten Poncho, aus dem Hochland Boliviens – vorausgesetzt er wird von seinem glücklosen Besitzer wieder angeboten. Den Kunstmarkt, so Klaus Döll, wird es in jedem Falle wieder geben.
Der Kunstmarkt stieß in diesem Jahr auf noch mehr Resonanz der Kunstfreunde. Foto: Robert Lehr