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  • Fr., 29. Januar 2016, 15:37 Uhr
    Offizielle Eröffnung der „IWO“ Interkulturelle Wohngruppe in Osthofen / Einrichtung mit Vorbildcharakter

    Für Schutz und eine Zukunftsperspektive

    Die minderjährigen Flüchtlinge und das Team der "Alten Werkstatt“ freuten sich bei der offiziellen Eröffnung der neuen interkulturellen Wohngruppe in der Osthofener Salzgasse. Foto: Vera Beiersdörfer

    Von Vera Beiersdörfer Etwa 10.000 Minderjährige flohen im vergangenen Jahr ohne ihre Eltern vor Krieg, Hunger und Elend nach Deutschland. Viele dieser unbegleiteten Kinderflüchtlinge kommen aus Afghanistan und Syrien, da sie auf der Flucht von ihren Familien getrennt oder die Eltern getötet wurden. Nicht selten sind die jungen Männer jahrelang unterwegs, bevor sie Deutschland erreichen. Seit Beginn diesen Jahres haben acht dieser Jugendlichen eine Zufluchtsstätte in Osthofen gefunden.    


    Im Spätherbst 2015 hatte die Leitung des Jugendamtes Alzey-Worms unter anderem bei dem Jugendhilfeträger „Alte Werkstatt Lessingstraße“ – Flexible Erziehungshilfe in Osthofen angefragt, ob es möglich sei, im Bereich minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge aktiv zu werden, die seit  November 2015  gemäß dem „Königsteiner Schlüssel“ auf die Landkreise und Städte verteilt werden.


    Sofort machten sich Einrichtungsleiter Harald Straberg und sein Team an die Vorbereitung für eine interkulturelle Wohngruppe „IWO“. Der Träger selbst ist seit 1997 in Osthofen aktiv. Zum Angebot gehörten bis dato zwei Tagesgruppen, ambulante Erziehungshilfen und eine Vielzahl an speziellen, flexiblen Hilfen für Kinder, Jugendliche und ihre Familien. In der neue Wohngruppe in der Salzgasse leben nun fünf junge Männer aus Afghanistan, ein Jugendlicher aus Eritrea, ein Jugendlicher aus Syrien und ein Flüchtling aus Marokko. „Alle Jugendlichen haben ihre Herkunftsländer verlassen um vor Krieg, Verfolgung und Perspektivlosigkeit zu fliehen. Die Gruppe soll ihnen zunächst einmal Schutz und Zuflucht bieten“, erläutert Evita Burkhardt während der offiziellen Eröffnung der „IWO“ am heutigen Freitag.


    Die 16- und 17-Jährigen sind dort in zwei Doppelzimmern und vier Einzelzimmern untergebracht. Gemeinsam mit der Hauswirtschaftskraft Kinda Maroky, die selbst erst seit drei Jahren in Deutschland lebt, kochen und essen die Jungs täglich gemeinsam. „Ein erster Schritt ist es, eine Alltagsstruktur mit den ihnen aufzubauen”, so Evita Burkhardt weiter.


    „Auch wenn unsere Einrichtung nur ein sehr kleiner Tropfen auf einem sehr heißen Stein ist, so möchten wir unseren Beitrag leisten.  Wir möchten den Jugendlichen, die tausende von Kilometern unter zum Teil lebensgefährlichen Bedingungen zu uns gekommen sind, erst einmal Schutz und Aufnahme bieten“, ergänzt Mona Burkhardt. In weiteren Schritten sollen die Hilfesuchenden dabei unterstützt werden, eine Zukunftsperspektive zu entwickeln, denn die Sorge ist groß, was mit Vollendung des 18. Lebensjahr mit ihnen geschieht. „Derzeit können leider nur zwei der acht Jungs eine öffentliche Schule besuchen, da die Karl-Hofmann Schule keine Kapazitäten mehr hat. Das ist wirklich schade! Selten habe ich solch motivierte Teenager kennengelernt, die wirklich etwas lernen möchten”, bedauert Harald Straberg.


    Daher wird ab kommenden Montag zunächst in Eigenregie der fünf hauptberuflichen Werkstatt-Teammitglieder Deutsch, Mathematik und  Kunst unterrichtet, bis sich auch für die übrigen Jugendlichen ein Schulplatz gefunden hat. Ab März wird eine zertifizierte Fachkraft „Deutsch als Fremdsprache” in der Gruppe lehren.


    Während der offiziellen Eröffnung führten die Betreuer Jens Krolak und Ahmet Demir Klaus Hagemann, Klaus Mehring und Bürgermeister Thomas Goller sowie Vertreter des Jugendamtes durch die Räumlichkeiten der neuen Wohngruppe.


    „Ich möchte den Verantwortlichen ein großes Lob aussprechen, ich finde es beachtlich, was auf Initiative der „Alten Werkstatt“ hier gestemmt wurde und wird. Das hat auch Vorbildcharakter für Wohngruppen andernorts”, erklärt Bürgermeister Goller im Rahmen der Begehung.

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