
Von Marcus Diehl › Die Überraschung war groß im Sommer 2025: Mit dem FC Azadi Worms wurde ein neuer Fußballverein aus der Taufe gehoben. In einer Zeit, in der immer mehr Vereine Probleme haben, eine eigene Mannschaft zu stellen und Spielgemeinschaften eingehen müssen, ist es ein ambitioniertes Projekt, das der 1. Vorsitzende Ali Kessler und sein Team mit viel Engagement angegangen sind.
Ali Kessler zur Motivation: „Die Gründung eines Vereins ist eine Herausforderung, die sorgfältige Planung erfordert. Neben den Fußballern sind Mitstreiter für Organisation, Verwaltung und Marketing notwendig. Wir haben ein breites Team von Unterstützern.“ Die Struktur werde darauf ausgelegt, den Verein nachhaltig zu führen und zu entwickeln.
Das Team spielt nun seit dieser Saison in der C-Klasse Worms-Süd auf dem Gelände der FT/Alemannia Worms. Es ist eine multikulturelle Truppe, die Spieler sind u.a. deutsche Türken, Kurden, Griechen, Syrer, Ägypter, Iraker oder Rumänen. „Die Vielfalt bereichert nicht nur unser Team, sondern auch unsere Gemeinschaft“, freut sich Ali Kessler. Sie spielten alle aus reiner Leidenschaft für den Sport.
Einige der Spieler haben zuvor noch nie für einen Verein gespielt oder waren lange nicht mehr im Fußball aktiv. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die sportlichen Erfolge bisher noch ausbleiben. Das sei aber auch nicht das Hauptziel, so Kessler.
Die meisten sehen den Verein als Chance, sich sportlich und sozial weiterzuentwickeln, die eigenen Fähigkeiten in einem unterstützenden Umfeld zu stärken und sich in einer positiven Gemeinschaft einzubringen. Ali Kessler betont: „Unser Hauptaugenmerk liegt erst einmal darauf, uns in der Wormser Fußballszene zu etablieren. Wir wollen eine solide Basis aufbauen, bevor wir an Leistung und Wettbewerb denken.“
Es darf aber die Frage gestellt werden, wie die Resonanz der Wormser Fußballszene ist? „Das Projekt stößt auf viele positive Reaktionen. Deshalb haben wir auch Dr. Jürgen Lorenz, den Vorsitzenden des Integrations- und Migrationsbeirats Worms, für den Verein gewinnen können. Leider sehen wir uns auch mit Vorurteilen und Hürden konfrontiert, die wir überwinden müssen“, antwortet Ali Kessler.
Der FC Azadi steht für Vielfalt, Gemeinschaft und den sozialen Zusammenhalt in Worms. Der Name Azadi – Freiheit – spiegelt die Philosophie wider. Der Verein möchte Menschen aus verschiedenen kulturellen Hintergründen zusammenbringen. Er möchte aber nicht nur auf dem Sportplatz aktiv sein. Man hat sich auf die Fahne geschrieben, soziale und kulturelle Aktivitäten zu fördern. Sei es durch Workshops, Integrationsprojekte oder Jugendprogramme, die Teamgeist und soziale Kompetenzen vermitteln.
Mit Hilfe der Stadt Worms plant der Verein, eine Nachmittagsbetreuung für Kinder anzubieten. Dafür werden noch geeignete Räumlichkeiten gesucht. Ali Kessler dazu: „Leider konnten wir bisher noch nichts in dieser Richtung erreichen und haben bereits bei der Platzbeschaffung enorme Schwierigkeiten erlebt.“ Hinzu kämen enorme Kosten für die Kabinen- und Flutlichtnutzung. Aber man sei bestrebt, die finanziellen Mittel langsam aufzubauen. Die vorhandenen Ressourcen sollen in Projekte für die Kinder und Jugendliche investiert werden. Man stehe im engen Austausch mit der Stadt und anderen Vereinen, die ähnliche Initiativen erfolgreich umgesetzt hätten, so Kessler: „Wir sind zuversichtlich, dass wir mit der Zusammenarbeit der Gemeinschaft und der Stadt einen positiven Beitrag zur Integration und kulturellen Vielfalt in Worms leisten können!“
Im Vereinswappen symbolisiert der Verein seinen engen Bezug zur Stadt. Der Dom und der Drachen – alles Werte für den Verein und für Worms. Dem FC Azadi Worms ist zu wünschen, dass alle seine geplanten Projekte auch umgesetzt werden können. Ein steiniger Weg liegt vor den Verantwortlichen, Rückschläge müssen einkalkuliert werden.