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Mi., 14. Dezember 2016, 10:16 Uhr
Während der Handel anderer Bundesländer starke Umsätze am 3. Adventssonntag verbuchte, bleibt ein Verkaufsoffener Sonntag im Advent in Rheinland-Pfalz verboten / Der NK freut sich über Kommentare seiner Leser!
Für Wormser Einzelhandel ist auch in Zukunft an Adventssonntagen kein Geschäft zu machen!
Auch wenn es so adventlich dekoriert ist wie hier in der Kaiser Passage – der Einzelhandel stößt mit seinen Bemühungen um Liberalisierung des Ladenöffnungsgesetzes auf „taube Ohren“. Foto: Robert Lehr
VON ROBERT LEHR | Der jüngste 3. Adventssonntag war eigentlich der Wunschtermin der Wormser Einzelhändler für einen Verkaufsoffenen Sonntag vor Weihnachten. So äußerten sich auch Jens Buschbacher und Norbert Gros bei ihrem Resümee des Aktionssonntages am 27. November, zu dem das Stadtmarketing Nibelungenstadt Worms e.V. zu „Worms hat Zeit für Dich“ eingeladen hatte.
Der Center-Manager der Kaiser Passage und der Geschäftsführer der hiesigen Galeria Kaufhof zeigten sich zwar mit dem Zuspruch zufrieden, hielten aber den Termin für „suboptimal“.
Für das „noch steigerbare Ergebnis“ seien sowohl die zeitliche Nähe zum traditionellen „Mantelsonntag“ ausschlaggebend, so der Tenor der beiden. Aber auch die Tatsache, dass noch nicht jeder über sein Gehalt bzw. das Weihnachtsgeld verfügen konnte.
Aktuelle Kritik
Untermauert wird ihre Kritik durch die aktuellen Äußerungen von Stefan Gerth. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland betonte am Montag bei n-tv, wie gut zwar die Umsätze am 3. Adventswochenende generell gewesen seien, aber im Besonderen in den Bundesländern, die am 3. Advent einen Verkaufsoffenen Sonntag zugelassen hatten. Der Grund für die Wahl des 27. November in Worms, findet sich im Ladenöffnungsgesetz von Rheinland-Pfalz vom 21. November 2006.
Es legt fest, dass „…kreisfreie Städte durch Rechtsverordnung bestimmen, dass Verkaufsstellen… an höchstens vier Sonntagen… in einem Kalenderjahr geöffnet sein dürfen“, jedoch aber „… an Adventssonntagen im Dezember… eine Öffnung nicht zugelassen werden darf“.
So gab es einen Beschluss des Wormser Stadtrates, zusätzlich zu „Worms blüht auf“ und dem „Mantelsonntag“ einen 3. Verkaufsoffenen Sonntag zu installieren – als Termin in unmittelbarer Nähe zu Weihnachten. Daher blieb im Rahmen des Landesgesetzes entweder der 1. Adventssonntag, sofern er in den November fällt, oder evtl. ein Sonntag „zwischen den Jahren“.
Aus kalendarischen Gründen war dies in den letzten beiden Jahren nicht möglich, so blieb nur der letzte Sonntag des Novembers.
In den nächsten drei Jahren fällt der 1. Advent auf einen Sonntag im Dezember und auch direkt nach Weihnachten fiele der 1. mögliche Sonntag im kommenden Jahr auf Silvester. Daher wird der Einzelhandelsbeirat erst noch entscheiden müssen, wie man das Problem löse, so Kai Hornuf als Geschäftsführer des Stadtmarketings.
In diesem Zusammenhang schien es für den NK interessant, die derzeit im Landesparlament vertretenen Parteien zu fragen, wie sie mit der aktuellen Lösung zufrieden sind. Zumal Kai Hornuf andere Bundesländer wie Berlin nennt, in denen es wesentlich „liberalere Regelungen“ gibt. Er fragt sich, ob nicht die Politik im Hinblick auf die wirtschaftliche Bedeutung des lokalen Einzelhandels in puncto Arbeitsplätze und Umsätze initiativ werden müsste.
Center-Manager Jens Buschbacher sieht hier auch die große Konkurrenz des Online-Handels. Er erinnert daran, dass im Internet der Sonntag der umsatzstärkste Tag sei, vor allem wenn es auf Weihnachten zugehe.
Mit Blick auf die Mitarbeiter unterstreicht Norbert Gros von der Galeria Kaufhof, dass es in seinem Haus auch kein Problem sei, Kollegen für die Sonntagsarbeit zu finden. Damit widerspricht er den Kirchen und Gewerkschaften, die im Allgemeinen gegen eine Ausweitung der Sonntagsarbeit sind und die Familie, die Besinnung und die Ruhebedürftigkeit an vorderster Stelle sehen. Aus Sicht der Arbeitnehmer würde die Sonntagsarbeit höchstens billigend in Kauf genommen werden – aus Gründen des Arbeitsplatzerhaltes.
Wie sehen die aktuellen Landtagsparteien die Situation?? Für die SPD-Landtagsfraktion ist laut MdL Jens Guth der Sonntag als „grundsätzlich arbeitsfreier Tag aus religiösen, sozialen, aber auch gesundheitlichen Aspekten wichtig“. Er trage maßgeblich zur Qualität menschlichen Zusammenlebens bei. Daher schützten auch das Grundgesetz und die rheinland-pfälzische Landesverfassung den Sonntag als grundsätzlich arbeitsfreien Tag.
Der konsequenten Umsetzung dessen trage auch das vor einigen Jahren für Rheinland-Pfalz in Kraft getretene Ladenöffnungsgesetz Rechnung, dass eine Ladenöffnung an Sonntagen nur in sehr engen Grenzen zulasse. Vor diesem Hintergrund „sieht die SPD-Landtagsfraktion derzeit keine Veranlassung für politische/gesetzliche Initiativen“.
FDP: Im Dezember nicht nötig Für Dr. Jürgen Neureuther, den hiesigen Kreisvorsitzenden der im Lande mitregierenden FDP, ist ein zusätzlicher Verkaufsoffener Sonntag im Advent nicht nötig. Für seine Partei, die ja im Allgemeinen als wirtschaftsnah gilt, gedeihe der Handel nicht nur wegen eines verkaufsoffenen Sonntages besser. Viel wichtiger sind nach Ansicht der FDP saubere und sichere Innenstädte sowie gut erreichbare und kostengünstige Parkplätze. Dass der nunmehr 3. Verkaufsoffene Sonntag so nahe bzw. zu nahe auf den Mantelsonntag gefolgt sei, ist der Tatsache geschuldet, dass in diesem Jahr der erste Sonntag nach Weihnachten auf den 1. Januar 2017 falle.
In Worms beziehe sich der Ratsbeschluss für einen 3. Verkaufsoffenen Sonntag auf den ersten Sonntag nach Weihnachten, was in den ersten Jahren ja auch geklappt hätte. Laut Dr. Neureuther sei „dies nach Erfahrungen des Handels der beste Sonntag im Verkaufsgeschäft, da viele Kunden doch nicht im Urlaub sind und die verbleibende Zeit zum Einkaufen zu Hause nutzen.“ Sofern kalendarisch die Möglichkeit gegeben ist, „sollten wir in Worms auf diesen ersten Sonntag nach Weihnachten gehen“.
Für die 3. mitregierende Partei äußerte sich Richard Grünewald, Fraktionssprecher von BÜNDNIS 90/Die Grünen im Wormser Stadtrat, als einziger offen für eine Änderung des Ladenöffnungsgesetztes. Es sieht durchaus eine Entwicklung hin zu mehr Öffnungszeiten, auch an Sonntagen. Diese werde von seiner Partei gundsätzlich begrüßt. Es bleibe aber sinnvoll, auch Grenzen zu setzen, damit Arbeitnehmer nicht non-stop arbeiten müssten. Dass „aus wirtschaftlicher Sicht ein Verkaufsoffener Sonntag im Dezember mehr Sinn machen würde als einer Ende November“ liege laut Grünewald auf der Hand.
In der Abwägung könne er sich auch einen Dezember-Adventssonntag oder einen allgemeinen 5. Verkaufsoffenen Sonntag vorstellen, aber dann müsse auch Schluss sein. Das Internet sei eine Realität, die man auch mit „noch so vielen Verkaufssonntagen nicht zurückdrehen wird.“ Der stationäre Handel kann sich mit Beratung und Service unterscheiden, aber nicht an 7 Tagen rund um die Uhr“.
Besinnlichkeit versus Kommerz
Ganz anders sieht dies Adolf Kessel, er ist sogar für ein generelles Verbot der Sonntagsöffnung. Der CDU-Landtagsabgeordnete, Kreisvorsitzende der hiesigen CDU und Landesvorsitzender der CDA (Christlich-Demokratschen Arbeitnehmerschaft) sieht gerade im Advent eine Zeit der Besinnlichkeit. Sie gleiche im liturgischen Kontext der Fastenzeit vor Ostern, sei jedoch heute extrem kommerzialisiert. Dies sehe man auch an den zahlreichen Weihnachtsmärkten und deren Angebot. „Besinnlichkeit statt Kommerz“, lautet die einfache Formel, unter der er den Advent gerne sehen würde.
„Die bisherige Regelung halten wir für völlig ausreichend“, so Heribert Friedman, in Worms lebender AfD-Landtagabgeordneter und Vorstandsmitglied seiner Landespartei. Diese sei der Auffassung, dass sechs Tage in der Woche grundsätzlich genügen sollten, um Einkäufe zu tätigen. „Wir denken dabei besonders an die Angestellten, die gerade in der Weihnachtszeit auch Zeit für ihre Familie übrig haben sollten“. Davon abgesehen böten die Weihnachtsmärkte auch sonntags die Möglichkeit, vergnügliche Stunden zu verbringen und Geschenke zu besorgen.
Was denkt das Nibelungenland?
Interessant und aktuell ist die Meldung im heutigen ARD-Frühstücksfernsehen, dass laut einer internationalen Studie die deutschen Verbraucher mehr als anderen in Europa ihre Weihnachtsgeschäfte im Internethandel tätigen.
Vor dem Hintergrund der aufgezeigten Problematik interessiert es den NK, was seine Leser denken. Wären sie für einen Verkaufsoffenen Sonntag kurz vor Weihnachten? Könnte ein solcher am 3. Advent eine Alternative zum Online-Kauf sein? Wir freuen uns über die Kommentare unserer Leser.