Do., 02. Mai 2013, 08:30 Uhr
Bei der 1. Mai-Veranstaltung auf dem Marktplatz standen klassische Gewerkschaftsthemen und aktuelle kommunalpolitische Fragestellungen im Fokus
Für Mindestlohn und Gewerbegebiet am Hohen Stein
Von Gernot Kirch Seit vergangenem Jahr wird der Tag der Arbeit am 1. Mai in Worms nicht mehr vom Gewerkschaftsbund, sondern vom „Forum soziale Gerechtigkeit“ organisiert. Bewusst ist er auch anders konzipiert. Die Verantwortlichen wollen weg von dem Schema mit klassischen, langen Reden, bei denen die Besucher nur zuhören können. Man strebt vielmehr eine Mitmachveranstaltung an, bei der sich Bürger und Initiativen zu Wort melden. Und dies nicht nur durch Reden, sondern in erster Linie durch Aktionen, die bewusst auch locker und lustig vorgetragen sein können.
Dazu soll viel Musik und Geselligkeit für einen heiteren Rahmen sorgen, sodass eher der Charakter eines Maifestes entsteht. 2012 hat dies wunderbar funktioniert und so setzte man für dieses Jahr ebenfalls auf diese Veranstaltungsform. War das Motto 2012 „Empört Euch“, hier es 2013 „Engagiert Euch!“
Das Konzept hat sich auch 2013 bewährt, auch wenn eine ganz lockere Durchführung nicht gelang und wieder der Charakter mit Festreden überwog, auch wenn die Wortbeiträge meist kurz gehalten wurden.
Die Hauptgründe für dieses wieder eher gewerkschaftlich-traditionelle Schema lag daran, dass einerseits nicht genug lockere Aktionen durchgeführt wurden, die gleichermaßen für Nachdenken und Heiterkeit sorgten, und andererseits die angekündigten Musikgruppen fehlten oder viel zu spät kamen.
Daher mussten in erster Linie wieder die klassischen Ansprachen her. Doch boten diese ein weites und interessantes Spektrum und gingen weit über die eigentlichen Gewerkschaftsthemen hinaus.
So eröffnete der Wormser DGB-Vorsitzende Wolfgang Mayer seine Begrüßungsrede mit dem Augenmerk auf die fehlenden Gewerbeflächen in Worms. Daher müssten dringend welche ausgewiesen werden, da nur so neue Unternehmen angesiedelt werden könnten und bestehende Firmen Entwicklungsmöglichkeiten hätten. Und diese Ansiedlung sei notwendig, da Worms im Vergleich mit anderen Gebieten der Region immer noch eine hohe Arbeitslosigkeit habe.
Es wäre falsch, so Wolfgang Mayer, zu ansiedlungswilligen Unternehmen zu sagen: „Geht doch woanders hin.“ Vielmehr müsse man große Flächen ausweisen, wie am Hohen Stein, damit neue Arbeitsplätze in der Nibelungenstadt entstehen.
Im weiteren Verlauf seiner Rede ging der DGB-Chef auf die „Schere zwischen arm und reich“ ein, die immer weiter auseinandergehe. Hier verwies er auf die Wormser Tafel, zu der immer mehr Bürger gehen müssten. Er forderte eine gerechtere Steuerpolitik und eine andere Verteilung des Reichtums. Abschließend prangerte er die hohe Belastung durch Arbeit an, die teilweise krank mache. Hier forderte er ein Humanisierung der Arbeitswelt.
Der Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel forderte die Einführung eines Mindestlohns. Es gehe nicht an, dass Menschen vollerwerbstätig seien und dennoch nicht von ihrem Lohn leben können. Im weiteren Verlauf wies er auf die Dringlichkeit der Investition in Bildung hin. Zum Abschluss forderte auch er die Ausweisung von Gewerbeflächen, damit Worms wachsen könne.
Bei einer Aktion der Gewerkschaftsjugend wurde eine faire Bezahlung gefordert und das System der Leiharbeit angeprangert.
Horst Niederhöfer von den Grünen äußerte sich zum Thema Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) und welche Bedeutung dieser gerade für sozial Schwache habe. Er wies auf das Ungleichgewicht bezüglich der geringen Investitionen in Busse und Bahnen und anderseits den hohen Ausgaben für Straßen hin. Konkret forderte er etwa die Einführung von Ringlinien um Worms herum, die die Vororte direkt bedienten. An OB Kissel gerichtet sagte er, dieser würde sich immer beschweren, dass die Wormser nichts ausprobieren wollten. Beim Ausbau des ÖPNV könne die Stadt nun Mut beweisen und neue Konzepte erproben, andere Städte würden dies vormachen.
Heiner Boegler warnte in seinem Beitrag vor den Neo-Nazis, denn „der braune Spuk sei noch lange nicht vorbei“. Dies hätten die NSU-Morde gezeigt.
Etwas vermisst wurden gemäß dem Motto. „Engagiert Euch“, Informationen, wo und wie man sich denn nun konkret engagieren könne. Insgesamt aber bot der 1. Mai bei zum Glück trockenem Wetter und milden Temperaturen ein interessantes Programm. Und für denjenigen, der weitergehende Fragen hatte, bestand an den rund einem Dutzend Info-Ständen die Möglichkeit dazu, wovon rege Gebrauch gemacht wurde.[nggallery id=32]