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Do., 15. August 2019, 11:46 Uhr
FUßBALL-OBERLIGA RHEINLAND-PFALZ / SAAR: TSG Pfeddersheim unterliegt FC Hertha Wiesbach nach desaströser zweiter Halbzeit mit 2:8 (0:0)
Fußball-Super-GAU im Uwe-Becker-Stadion
Tobias Bräuner (in der Mitte) hatte sich seinen Einstand in die Oberliga-Saison 2019/2020 sicher anders vorgestellt. Der lange ausgefallene Kapitän der TSG Pfeddersheim konnte seiner Elf im ersten Spiel nach einer schweren Verletzung zum Ende der letzten Spielzeit nicht die erhoffte Stabilität im Mittelfeld geben. Foto: Felix Diehl
Von Jürgen Jaap | Die beste Botschaft für die Gastgeber vorweg: Schiedsrichter Michel Lehmann vom TuS Gückingen bei Darmstadt hat pünktlich und ohne jede Nachspielzeit abgepfiffen. Von den Zahlen her sieht’s so aus: Die TSG Pfeddersheim hat ihr Heimspiel gegen FC Hertha Wiesbach mit 2:8 (0:0) vor 225 Zuschauern verloren. Es soll sich dabei um eine Partie der Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz / Saar gehandelt haben. Die Umstände in Hälfte zwei des kuriosen Kicks sprachen freilich nicht dafür. Die beste Oberliga-Heimmannschaft der Saison 2018/19, in diesem Match gerade einmal auf zwei Positionen gegenüber dem erfolgreichen Vorjahr personell verändert, ging nach der Pause sang- und klanglos gegen die Saarländer, die nun wahrlich nicht zur Beletage dieser Oberliga-Staffel zählen, unter. Eine peinliche, eine desaströse Vorstellung der TSG Pfeddersheim.
Worte können das Desaster kaum umschreiben
„Mir fehlen die Worte“, bekannte ein völlig entgeistert wirkender Christoph Hartmüller. „Und jetzt auch noch Pressekonferenz?“ Eine weitere Höchststrafe für den 32-Jährigen nach einem Kick, der fast schon körperliche Spuren beim jungen Trainer der TSG Pfeddersheim hinterließ. Nun auch noch diese schier unfassbaren 45 Minuten nach der Pause analysieren? Schwierig! Sebastian Kaster, der von Tobias Bräuner bei seinem Comeback nach einer schweren Wadenverletzung aus dem Finale der vergangenen Saison nach einer Stunde die Kapitänsbinde übernahm, fand einige passende Worte zum gerade erlebten Desaster. „Nach so einem Spiel ist hoffentlich jeder mit sich selbst beschäftigt. Da gibt es keine Ausreden für uns Spieler“, übte die schnelle Offensivkraft der TSG reichlich Selbstkritik.
Langweiliger Start ins „Festival der Fehler“
Dabei begann das Spiel eher bedächtig. Sieben Gegentore in den zwei Auswärtsspielen zum Saisonstart hatten Pfeddersheim Selbstvertrauen gekostet. Gegen früh attackierende Gäste probierte man es erstmal mit langen Bällen aus der Abwehr heraus, Abnehmer fanden diese aber keine. Chancen gab’s durch Giovanni Runco (21.) und Fabio Pelagi (26.) einzig für die Saarländer. Ein Langweiler bis zum Seitenwechsel. Das änderte sich schnell. Die TSG Pfeddersheim sorgte im Gegensatz zur vergangenen Spielzeit bald beim Gegner aus dem Saarland statt bei den eigenen Fans für viel Freude am Fußball. Wie schon beim Gastspiel in Dudenhofen kam eine Lawine von individuellen Fehlern ins Rollen. Ein verunglückter Rückpass von Mathias Tillschneider landete bei Runco (48.), ein Querschläger von Florian Lutz bei Ruddy M’Passi (50.), ein Kopfball von M’Passi vom Strafraumeck trudelte über den zu weit vor dem Tor stehenden TSG-Keeper Daniel Diel ins Netz (52.), einen weiteren Patzer von Lutz bestrafte Pelagi (58.). Vier individuelle Fehler, vier Gegentore – 0:4.
Alle fünf Minuten klingelt es im TSG-Tor
„Nach dem ersten Patzer sind bei uns sämtliche Dämme gebrochen“, sah Christoph Hartmüller seine Abwehr wie ein Kartenhaus, aus dem man die tragende Stütze zog, einbrechen. Die Treffer von Sebastian Kaster per Foulelfmeter zum 1:4 (64.) und von Nils Anhölcher, dem 19-jährigen jüngsten Neuzugang vom VfR Aalen im Sturm der TSG Pfeddersheim, zum zwischenzeitlichen 2:7 (83.) konnten das pure Entsetzen im weiten Rund des Uwe-Becker-Stadions kaum mindern. Dazu war der Fußball-Super-GAU, den die TSG Pfeddersheim durch vier weitere nahezu ohne Gegenwehr an M’Passi (67. und 77.) und den spät eingewechselten Marcel Jung (79. und 90.) „verschenkte“ Treffer erlebte, zu erschütternd. Im Schnitt klingelte es im TSG-Tor alle fünf Minuten. Peinlich für den etablierten Oberligisten TSG Pfeddersheim.
Lange Mängelliste
Die Ursachen für diese kapitale 2:8-Pleite indes sind vielfältig, die Mängelliste ist lang. Der Ausfall der beiden wichtigen Stammkräfte Marcell Öhler (Bänderriss im Fuß) und Henrik Nagel (Muskelfaserriss im linken Oberschenkel) bei der 0:3-Niederlage beim FV Engers hinterlässt eine augenfällige Lücke. Ohne Öhler wirkte das Mittelfeld der TSG wie ein ungeordneter Hühnerhaufen. Die Kopfball-Schwäche in der Innenverteidigung der Pfeddersheimer erlaubte FC Hertha Wiesbach zwei Kopfball-Treffer. Dazu fehlte der grundsolide Außenverteidiger Nagel der Abwehr-Viererkette der TSG an allen Ecken und Enden. Viel Arbeit also für Christoph Hartmüller vor dem nächsten Oberliga-Spiel beim FV Diefflen, um eine schlagkräftige Truppe an den Start zu bringen. Und gute Erinnerungen dürfte seine Mannschaft nicht allein ob der 2:8-Hypothek gegen Wiesbach kaum im Gepäck für die Reise ins Saarland haben, gab die TSG doch am finalen Spieltag der letzten Saison durch ein 2:3 in der letzten Minute die Vizemeisterschaft noch aus der Hand.