Di., 02. September 2014, 09:40 Uhr
Ganz neue Töne im Sophienstift
Heavy Metal, Punk und Hip-Hop tönt jetzt an einigen Tagen durch die Flure des AGAPLESION Sophienstifts, Musikrichtungen, die man normalerweise nicht in einem Seniorenzentrum erwartet.
Der Grund für die zeitweise Verbannung von Schlagern oder Volksmusik ist ein Sachverhalt, der vielen nicht sofort bewusst ist: Nicht nur hochbetagte Menschen, sondern auch jüngere Pflegebedürftige leben im Sophienstift.
Allerdings unterscheiden sich die Interessen und auch die Bedürfnisse der jüngeren Bewohner deutlich von denen der Senioren, ein Umstand, dem jetzt ein neues Konzept Rechnung trägt.
Die Heimbewohner im Alter von 34 bis 60 Jahren bilden eine neue Beschäftigungsgruppe und nennen sich selbst „Easy Rider“.
Bei der Gestaltung der gemeinsamen Treffs wird vor allem auf ihre Wünsche eingegangen, die Selbstbestimmung steht im Mittelpunkt: Cocktailabende, Besuche von Szenecafés und Restaurants in der Innenstadt oder zusammen Musik hören und sich einen Hamburger aus einem Fastfood-Restaurant schmecken lassen – alles Dinge, die nicht zum typischen Beschäftigungsprogramm eines Pflegeheims zählen. Besonders wichtig bei der Konzeption war die Selbstbestimmung der Mitglieder: sämtliche Aktionen wurden durch ihre Wünsche und Anregungen initiiert, nichts wurde von den Mitarbeitern des Sozialteams vorgegeben, die sich nur um die Realisierung kümmern.
Die Würdigung der Interessen soll den jungen Heimbewohnern aufzeigen, dass ihre Pflegebedürftigkeit keine Sackgasse ist. In Ihrer nicht einfachen Situation bekommen sie Wertschätzung und Anerkennung, die ihnen Hoffnung für die Zukunft vermittelt. Es ist geplant, das Projekt auszuweiten, es gibt genug Ideen, die hoffentlich bald realisiert werden können.