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Fr., 18. April 2014, 20:39 Uhr
Der Nibelungen-Express pendelte am Karfreitag zwischen Worms und Bensheim mit unzähligen Freunden nostalgischen Bahnfahrens
Ganze Generationen und Familien voll unter Dampf!
Auch der Wormser Burkhard Köhl mit seinem Enkel Maximilian gehörte zu den Ausflüglern. Auch der Dreijährige scheint mit dem Bahnvirus angesteckt, denn ab und an wache er nachts auf und erzähle vom Zugfahren, so der Opa. Foto: Robert Lehr
VON ROBERT LEHR Vorsicht Ansteckungsgefahr! Unter den Bahnviren scheint vor allem das Dampfvirus das gefährlichste zu sein, denn schon zur ersten Fahrt mit dem historischen Zug von Worms nach Bensheim um 11 Uhr morgens standen am Karfreitag zahlreiche Ausflügler an Gleis 8 des hiesigen Bahnhofes.
Arthur hingegen war die Lok zu dann doch etwas zu laut. Foto: Robert Lehr
Ungeduldig erwarteten Dampffans aller Altersklassen die schnaubende Ankunft der Dampflokomotive 184 DME aus der Bahnwelt Darmstadt-Kranichstein, die schon seit Jahren die Herzen der Eisenbahnfans höher schlagen lässt. Als Nibelungen-Express pendelt er immer am Karfreitag sowie am letzten Wochenende im Oktober auf der bereits 1869 eröffneten Strecke, die Orte der Nibelungensage miteinander verbindet. Ihr besonderer Reiz liegt in der Tatsache, dass sie auf ihren knapp 24 Kilometern mit kurzen Stopps in Bürstadt und Lorsch nach wie vor nicht elektrifiziert ist.
Und so lässt es sich hier ganz besonders nostalgisch im 2-Stunden-Rhythmus mit Hilfe der aus dem Jahr 1946 stammenden Lok und ihren 719 PS hin- und herpendeln. Auch die Wagen waren historisch und lassen sogar das „Reisen“ 1. Klasse zu.
Im Mitropa-Buffetwagen aus dem Jahr 1974 gab es ganz hessisch Äpplerschorle, aber auch „Dampflokduft“ zu kaufen – damit zuhause keine Sehnsucht aufkommt. Foto: Robert Lehr
Einer der vielen seit Langem infizierten Eisenbahn-Fans ist Albert Braun aus Bensheim, für den es schon seit Jahren zum festen Ritual geworden ist, mit Harald Feickert die Tour zu machen. Er weiß u.a. zu berichten, dass der Unterschied zwischen der 1. und der 2. Klasse zum einen in der Anzahl der nebeneineinanderliegenden Plätze mit 3 bzw. 4 sowie dem Polster- bzw. Kunstlederbezug liegt.
Bahnvirus erblich
Dass das Bahnvirus erblich ist, unterstreichen die vielen Ehrenamtlichen, die den Zug am Fahren halten und sich um die Kohlen, den Kartenverkauf oder das leibliche Wohl ihrer Fahrgäste kümmern. So verkaufte Jürgen Weber im Buffetwagen Lachsbrötchen, Fanta oder Bier, während sein Sohn Marc-Daniel sich als Schaffner betätigte und die Pappkärtchen auf traditionelle Art mit einem Knipser entwertete.
Der Papa, Vorstandsmitglied im Darmstädter Verein, „Museumsbahn e.V.“, stand früher selbst auf dem Lokstand der Vereinsbahnen und erzählt von der 3-jährigen internen Ausbildung, die einer Berufsausbildung gleicht und staatlich abgenommen wird. Schließlich trage man eine enorme Verantwortung – nicht nur weil man es auf der Lok mit einem hochexplosiven Kesseldruck von 12 bis 16 bar zu tuen habe.
Im Verein wie im wahren Leben richtige „Bahner“
Schwer infiziert scheinen aber auch Simon Serio und Lisa-Marie Behla. Er war am Karfreitag wie im richtigen Berufsleben als Zugführer dabei, Lisa-Marie an seiner Seite, im wahren Leben seine Auszubildende bei der Deutschen Bahn. Mit einem charmanten Lächeln gibt sie zu, dass ihr Vater Gleisbauer ist. Noch Fragen?
Die blieben natürlich rund um das besondere Feiertagerlebnis nicht aus, doch wurden sie von den Vereinsmitgliedern und Bahnenthusiasten geduldig beantwortet. So war dann auch vom 2. Vorsitzenden des befreundeten „Fördervereines Eistalbahn e.V.“ erfahren, warum der Zug von Bensheim nach Worms von der Dampflok gezogen wird, nach Bensheim zurück aber von einer Diesellok. Die DB verlange für die Gleisnutzung entsprechende Gebühren vom Verein und ein Umkoppeln der Dampflok verteuere den Fahrtag ungemein.
Ein Leben für die Bahn: Simon Serio und Lisa-Marie Behla. Foto: Robert Lehr
Aktionen wie der Nibelungen-Express spülen in die Vereinskasse wichtige Einnahmen zum Erhalt und Unterhalt eines so aufwändigen Hobbies. Allerdings war der Spaß mit 14 Euro für eine Hin- und Rückfahrt Erwachsener nicht gerade teuer, spezielle Kinder- und Familienpreise sowie die Möglichkeit zur kostenlosen Fahrrad- oder Kinderwagenmitnahme waren Voraussetzungen für einen idealen Feiertagsausflug. Und so waren die Züge den gesamten Nachmittag proppenvoll – ein ideales Klima für das Virus, sich neue Opfer zu suchen!