Motto traf auf große Resonanz auf Erzählcafé in Hebammenpraxis / Situation zum Positiven wenden
„Geborgen zu Hause geboren“
Praktische Tipps und persönliche Gespräche mit Eltern waren beim Erzählcafé in der Hebammenpraxis Gerbig Programm.
„Geborgen zu Hause geboren“, lautete das Motto, unter dem am vergangenen Samstag die Hebammenpraxis Gerbig zu einem Erzählcafé in die Praxisräumlichkeiten in der Prinz-Carl-Anlage eingeladen hatte. Etwa sechzig Personen, Hausgeburtseltern und solche, die es noch werden möchten, waren der Einladung gefolgt. Für die werdenden Eltern bestand die Möglichkeit zum Austausch und Gespräch mit Eltern, die bereits ein Kind in den eigenen vier Wänden willkommen heißen durften. Die zum Teil sehr persönlichen Gespräche erlaubten es, eigene Bedenken zu äußern oder ganz praktische Tipps auszutauschen. „Die Geburt unseres Sohnes zu Hause erleben zu dürfen, kompetent begleitet von unseren beiden Hebammen, war unvergleichlich schön“, fasste ein Vater seinen Bericht an interessierte Zuhörer zusammen. „In anderen Ländern sind Hausgeburten deutlich anerkannter und häufiger, wie zum Beispiel in den Niederlanden oder Großbritannien. Hier wird gesunden Schwangeren die Hausgeburt sogar empfohlen“, sagt Inge Gerbig, die seit 25 Jahren als freiberufliche Hebamme tätig ist und bereits mehr als 500 Hausgeburten begleitet hat.
Versorgung in Worms reicht nicht aus
Ihre Tochter Brigitte Burgey-Gerbig fügt jedoch hinzu: „Mehr und mehr Hebammen streichen aus finanziellen Gründen die Geburtshilfe aus ihrem freiberuflichen Tätigkeitskatalog. Die steigenden Haftpflichtprämien und die unsicheren Aussichten, ob sich auch zukünftig ein Versicherer findet, sind dabei die Hauptgründe. Und auch an freiberuflichen Hebammen für die Vorsorge in der Schwangerschaft und die Wochenbettbetreuung fehlt es zunehmend.“ „Schon jetzt sagt reicht die Versorgung in Worms mit freiberuflichen Hebammen nicht mehr aus.“ pflichtet Inge Gerbig ihr bei „Wir sind komplett ausgebucht. Fast täglich müssen wir Frauen ablehnen, weil wir einfach keine Kapazitäten mehr haben. Damit stehen die freie Wahl des Geburtsortes und natürlich auch die Versorgung in Schwangerschaft und Wochenbett für werdende Eltern auf dem Spiel.“
Situation zum Positiven wenden
Auch die Bundeselterninitiative Mother Hood e.V. nutzte die Möglichkeit, ihre Arbeit bei der Veranstaltung vorzustellen. „In der Klinik betreut oftmals eine Hebamme mehrere Frauen gleichzeitig. Die Hausgeburt im vertrauten Umfeld mit durchgehender Betreuung durch Fachfrauen ist in der aktuellen Situation ein echter Luxus“, so Dr. Pia Müller von Mother Hood e.V. „Das Ziel unserer Arbeit ist natürlich, dass sich die Situation in der gesamten Geburtshilfe zeitnah zum Positiven wendet. Frauen haben ein Recht auf eine würdevolle sichere Geburt und eine flächendeckende wohnortnahe Versorgung mit Geburtshilfeleistungen. Hier besteht dringend Handlungsbedarf durch die Akteure in Politik und Gesundheitssektor. “
In Deutschland bekommen nur ca. 2% aller Frauen ihr Kind außerhalb einer Klink, das sind jährlich in etwa 10.000 Babys. Diese Zahlen sind seit einigen Jahren unverändert. In der Regel werden Hausgeburten von einer verantwortlichen Hebamme begleitet. Wer zu Hause entbinden darf und wer nicht, ist an Hand eines Kataloges von Ausschlusskriterien klar geregelt. Laut zahlreichen internationalen Studien ist bei entsprechender Gesundheit die Sicherheit von Mutter und Kind bei Hausgeburten und Klinikentbindungen gleich. Dies bestätigten auch Daten für Deutschland, die von der „Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe“ erhoben werden.