Der rheinland-pfälzische Landesverband Deutscher Sinti und Roma lädt alle Bürger zum Gedenken am Samstag, dem 16. Mai, um 11 Uhr, am Mahnmal für die Opfer des Faschismus, Lutherplatz, Adenauerring in Worms ein. Carlo Riva, Mitglied im Wormser Stadtrat, wurde vom Landesverband gebeten, gemeinsam mit Oberbürgermeister Michael Kissel der Opfer des Nationalsozialismus gedenken.
Obwohl schon 1933 rassistische Kriterien in die Gesetzgebung eingeführt wurden, waren es bis dahin jedoch meist einzelne Personen, auf die diese Kriterien angewandt wurden. Auch wenn die bloße Zugehörigkeit als Jude, Sinto oder Rom bereits genügte, um nationalsozialistischer Verfolgung ausgesetzt zu sein, so waren es doch in der Regel erwachsene Männer, die hiervon betroffen waren. Mit der ersten großen Verschleppungsaktion von Sinti und Roma in die Konzentrations- und Vernichtungslager waren zum ersten Mal in Deutschland ganze Familien betroffen. Es war sozusagen ein „erster Testlauf“ für die Nationalsozialisten. Wie waren so viele Menschen zu transportieren und zu überwachen? Leisteten die verhafteten Menschen Widerstand? Wie reagierte die Bevölkerung auf das öffentliche Fortschaffen einer Minderheit? Insgesamt wurden bei dieser Aktion 2.800 Menschen deportiert. Der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Landesverbandes der Sinti und Roma, Jacques Delfeld, hat landesweit Gedenken initiiert.
Am 16. Mai vor 75 Jahren fand diese Aktion in Worms statt. Für die 61 Männer, Frauen und Kinder kam der Abtransport völlig überraschend und aus der Bevölkerung oder aus der Kirche regte sich kein Widerstand. Die Wormser Sinti wurden zunächst in das Sammellager Hohenasperg in Württemberg verschleppt und von dort in die Ghettos und Konzentrationslager im von den Nationalsozialisten besetzten Polen. Aller bürgerlichen Rechte beraubt und allein aus „rassischen Gründen“, wurden sie bis zur Beendigung des Krieges unter grausamsten Lebensbedingungen in Zwangsarbeitslager gezwungen. Die wenigsten haben überlebt.
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