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  • Do., 23. März 2017, 07:39 Uhr
    75. Jahrestag der Deportation: Schicksale der Verschleppung / Jüdisches Erbe im Fokus

    Gedenken und ein Besuch in Worms

    Michael Mail (4. von links) bei der Gedenkfeier in der Synagoge: Der Direktor der Foundation of Jewish Heritage informiert sich aktuell über die Bemühungen der SchUM-Städte im Hinblick auf die Unesco-Bewerbung.


    Am 20. März 1942 wurden 81 Juden aus Worms auf dem Vorplatz der Wormser Synagoge versammelt und nach einem Fußmarsch durch die Stadt in einem Zug nach Darmstadt gebracht. Von dort aus wurden sie schließlich fünf Tage später in einem Sammeltransport nach Piaski in Polen deportiert. Im Rahmen einer kleinen Gedenkzeremonie anlässlich des 75. Jahrestages dieser Deportation erinnerte die jüdische Gemeinde Mainz/Worms gemeinsam mit der Stadt an die Opfer der Deportationen. Denn keiner der 81 Verschleppten, darunter auch Kinder und ganze Familien, die im März 1942 in das Lager in Piaski gebracht worden waren, kam zurück. Über das nähere Schicksal ist bis heute nichts bekannt. Erhalten ist lediglich die Namensliste der Gestapo. In Piaski wurde Anfang 1940 ein Ghetto eingerichtet, in das auch Juden aus dem Lubliner Ghetto sowie aus dem Deutschen Reich deportiert wurden. Ab März 1942 erfolgten Verschleppungen in das Vernichtungslager Belzec. Im September desselben Jahres wurden weitere 93 Juden aus Worms nach Theresienstadt deportiert.

    In Gedenken an die Opfer entzündeten die Teilnehmer der Zeremonie vor der Deportationsliste in der Synagoge Seelenkerzen und Rabbiner Aharon Vernikovsky sprach das El male rachamim, ein Gebet für die Erhebung der Seelen.
    Als besonderer Gast nahm Michael Mail bei der Gedenkfeier teil, der gezielt zum Besuch der SchUM-Städte angereist war. Michael Mail ist Direktor der Foundation of Jewish Heritage, einer gemeinnützigen Stiftung in London, die sich in Europa und der Welt der Erfassung und dem Erhalt jüdischer Stätten widmet.

    In Worms und Speyer machte sich der Direktor der Stiftung in dieser Woche ein Bild von den Bemühungen um die Bewerbung bei der Unesco. Er sei sehr bewegt, Worms besuchen zu können, denn die Stadt spiele als Wiege des aschkenasischen Judentums eine bedeutende Rolle in der jüdischen Geschichte, unterstrich Mail. Im Hinblick auf die Bewerbung bei der Unesco sieht er einen wichtigen Vorteil der SchUM-Stätten darin, dass bisher keine vergleichbaren jüdischen Denkmäler zum Welterbe ernannt worden seien. „Doch auch wenn die SchUM-Stätten kein Unesco-Welterbe werden, profitieren sie von der Bewerbung, denn in diesem Prozess wird das jüdische Erbe nochmals hochwissenschaftlich aufgearbeitet und noch stärker in den öffentlichen Fokus gerückt“, betonte er.

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