„Die großen Schuhe Luthers“ verführen zum Eintreten, Einstehen, Standhaft bleiben / Rotary Club schenkt Stadt Bronzeplastik
Gedenkort im Helshofpark eingeweiht
Luthers Schuhe in Bronze laden in den Heylshofpark zum Hineinfühlen ein. Foto: Karolina Krüger
VON KAROLINA KRÜGER Am Dienstag konnte der neu gestalte Gedenkort „Luther in Worms 1521“ im Heylshofpark, ergänzt um die Bronzeplastik „Die großen Schuhe Luthers“, eingeweiht werden. Die akademische Feierstunde im Heyls Schlösschen verband, unter großer Anteilnahme interessierter Bürger, die an der Neugestaltung maßgeblich Beteiligten: Stadt Worms, Rotary Club und die Künstler Constanze und Norbert Illig. Schüler der Jugendmusikschule und die Trommlergruppe der Diakonie umrahmten die Feierstunde musikalisch.
Durch den großen Brand in 1689 ging auch der Bischofspalast, in dessen Saal sich Luther vor Kaiser Karl V. verantworten musste, in Flammen auf, so skizzierte Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek. Die Sandsteintafel, die Luthers Standort vor dem Kaiser bezeichnete, sowie das 1971 von Gustav Nonnenmacher erschaffene Bronzerelief, die dem historischen Ereignis gedenken wurden jetzt neu in Szene gesetzt, Geschichte erlebbar gemacht und durch eine Stiftung des Rotary Club Worms erweitert.
60 Jahre Rotary Club Worms
Weltweit wirken die Rotarier Glaubens- Nations- und Kulturübergreifend und treten für Frieden und Verständigung ein. Präsident Dr. Christian Lang betonte, wie wichtig es sei die Gräben, die die Reformation gezogen habe nach nun 500 Jahren durch Versöhnung zu schließen. Zum 60. Jubiläum der Wormser Sektion schenkte der Club der Stadt Worms die Bronzeplastik der „Die großen Schuhe Luthers“. Mit den großen Schuhen holte das Ehepaar Illig Luther von seinem hohen Sockel, machen Geschichte begeh- und begreifbar. Hineinschlüpfen in die Schuhe des Reformators, ihm nachspüren und doch sich selbst darin wahrnehmen, den festen Standpunkt fühlen, obwohl der eine Schuh schon in Erwartung des nächsten Schrittes über das Fundament hinausschaut.
Luther begründet moderne Demokratie
Staatsminister Dr. Volker Wissing, der die Einladung von Herzen gerne angenommen hatte, lobte Luther als Wegbereiter unserer freien demokratischen Verfassung. Zwei Grundpfeiler verankert im Grundgesetz, nämlich die Gewissensfreiheit und die Freiheit des Individuums als solchen, ließen sich auf Luther zurückführen, der durch seine Bibelübersetzung den Anstoß zur Entwicklung der Neuzeit gegeben habe. Schulbildung für alle, einfache Leute, die unabhängig vom Stand lesen und schreiben lernten mündeten in Aufklärung, französischer Revolution und damit letztendlich in der modernen Demokratie. Es ist Wissing unverständlich weshalb, wie gerade erst in der Türkei geschehen, Menschen ihre „Freiheit zur Verantwortung“ so gedankenlos auf einzelne Menschen übertragen können.
In Luthers Schuhen stecken
Am Gedenkort konnten die Besucher sich hineinfühlen wie es ist in den Fußstapfen des Reformators zu stehen, sich vorstellen wie standhaft man selbst gewesen wäre, spüren wofür und womit Luther einstand und eintrat. Verbunden zu sein mit den tiefen Wurzeln der Geschichte, beinahe eingegossen in die Skulptur, ohne selbst in der Konsequenz um sein Leben zu bangen. Hier trugen Constanze und Norbert Illig ihre Begriffsbilder vor, Gedanken und Wortspiele, die nachdenklich machten und Zugang schufen zu der von ihnen gestalteten Bronzeskulptur. Nachlesen kann man diese unter www.illig.international