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  • Mo., 21. November 2016, 17:32 Uhr
    Leihgaben der Wormser Stadtbibliothek bereichern Ausstellungen zu Luther 2017

    Gefragte Exponate auf Reisen

    Wieder einmal sind gefragte Exponate im Bestand der Stadtbibliothek auf Reise gegangen und bereichern nun als Leihgabe zwei bedeutende Ausstellungen zu Luther 2017 in Zweibrücken und im Kloster Dalheim.

    Im Stadtmuseum Zweibrücken wird derzeit die Jubiläumsausstellung „Neuer Himmel. Neue Erde. Die Reformation in der Pfalz“ gezeigt.

    Die beiden Reichstage von Worms (1521) und Speyer (1529) bilden entscheidende Wegmarken der Reformation. Bereits 1533 begann der Aufbau einer Landeskirche im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken. Um einem jeden Christen die Bibellektüre zu ermöglichen, forderte Luther Bildung für alle und damit den Ausbau des Schulwesens. Pfalz-Zweibrücken führte 1574 als erstes Reichsterritorium die allgemeine Schulpflicht für Jungen und Mädchen ein. Die Reformation war vor allem ein Medienereignis, was in der Ausstellung durch zeitgenössische Bibelausgaben und Flugschriften dokumentiert wird. Die 1883 begründete Wormser Luther-Bibliothek ist in der Ausstellung allein mit elf Flugschriften, gedruckt zwischen 1520 und 1529, sowie einem Faksimile des Wormser Edikts von 1521 vertreten, darunter u. a. die von Luther 1520 verfasste Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ samt einem Sendbrief an Papst Leo X. sowie die Flugschrift „Der Siebenköpfige Luther“ (1529), ein Pamphlet des erbitterten Luthergegners Johannes Cochlaeus und bekanntes Beispiel der katholischen Gegenpolemik.

    Konfessionelle Gegeneinander scheinbar überwunden
    500 Jahre später scheint das konfessionelle Gegeneinander durch ein Miteinander überwunden worden zu sein, auch wenn grundsätzliche theologische Differenzen zwischen Protestanten und Katholiken noch nicht überwunden werden konnten - wie ein Wormser Dokument auf einer weiteren Ausstellung zu Luther 2017 zeigt: Im ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift und der heutigen Stiftung Kloster Dalheim, Landesmuseum für Klosterkultur des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, ist die Ausstellung „Luther 1917 bis heute“ zu sehen, die sich der Reformations- und Luther-Rezeption vom Ersten Weltkrieg (400jähriges Reformationsjubiläum 1917) über die Weimarer Republik und das Dritte Reich bis zur Gegenwart widmet. Ein Schwerpunkt der Ausstellung bildet die Luther-Rezeption in der DDR, besonders im Gedenkjahr 1983.

    Aus dem historischen Bestand der Stadtbibliothek Worms wird in Kloster Dalheim die Titelseite der Wormser Zeitung vom 8. September 1971 gezeigt: Am 6. März 1971 hatten Wormser einen Offenen Brief an Papst Paul VI. gerichtet, mit der Bitte, den Kirchenbann über Martin Luther aufzuheben. Dieses Wormser Memorandum sollte auch die Ökumene im Hinblick auf die Wormser Feiern im Lutherjahr 1971 fördern. Die abschlägige Antwort aus Rom vom 14. Juli 1971, übermittelt von Johannes Willebrands, Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen, wies auf den angestrebten, aber noch ausstehenden Konsens der Kirchen bezüglich der im „Lutherbann“ verurteilten Glaubenslehren hin.

    Auf das Schreiben von Kardinal Willebrands bezieht sich der Titelbericht der Wormser Zeitung vom 8. September 1971. Ein Ausstellungsbereich in Kloster Dalheim gibt eine kurze Rückschau auf die Reformationszeit. Dort ist eine andere zeitgenössische Ausgabe des „Papstesels/Mönchskalbs“ aus der Wormser Luther-Bibliothek zu sehen. „Die Stadtbibliothek Worms hat sich gerne zu diesen Ausstellungsleihgaben entschlossen. Die vertraglich zugesicherten konservatorischen Rahmenbedingungen sind in den beiden Museen sogar besser als am Dauerstandort im Magazin der Stadtbibliothek“, so Bibliotheksleiter Dr. Busso Diekamp.

    Das Wormser Edikt Kaiser Karls V. vom 8. Mai 1521, Plakatdruck von Johann Grüninger, Straßburg 1521. Das Original befindet sich in der Luther-Bibliothek, z.Zt. als Leihgabe in der Ausstellung „Der Rhein“ in der Bundeskunsthalle Bonn; in der Ausstellung im Kloster Dalheim wird als Leihgabe der Stadtbibliothek Worms das Faksimile von 1983 gezeigt.


     

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