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Sa., 24. Mai 2014, 15:44 Uhr
Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU-Landeschefin Julia Klöckner und Europa-Spitzenkandidat David McAllister waren zum Europawahlkampfabschluss in Worms
„Geht es um junge Mädchen oder um gebackene Fische?“
Strahlende Gesichter bei der großen Abschlusskundgebung zur Europawahl in Worms. Von links: Dr. Werner Langen (MdEP), CDU-Landeschefin Julia Klöckner, Angela Merkel und der CDU-Spitzenkandidat für die Europawahl David McAllister. Foto: Judith Lilli Obere
VON GERNOT KIRCH Auf dem Wormser Schlossplatz zwischen der Volksbank und dem Dom drängten sich am Samstagmorgen ab 11 Uhr mehrere hundert Menschen, um Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sehen und zu hören. An allen Zugängen waren viele Polizisten und Sicherheitskräfte postiert, damit nichts schiefgehen konnte und der Schutz der Kanzlerin gewährleistet war. Fast alle Bürger hatten für diese Maßnahmen großes Verständnis. Nach einem rund einstündigen „Vorprogramm“ erschien pünktlich um die 12 Uhr Angela Merkel, umsäumt von gut einem Dutzend Bodygards. Begleitet wurde die Regierungschefin von der CDU-Landeschefin Julia Klöckner und Europa-Spitzenkandidat David McAllister. Insgesamt war es eine eine heitere, fröhliche Veranstaltung. Die ganz große Mehrheit der Besucher waren CDU-Anhänger. Von ganz vereinzelten Plakaten zur Ukraine-Krise oder der "Macht der Banken" abgesehen, gab es keine nennenswerten Proteste. Auch mit dem Wetter hatten die Verantwortlichen Glück. Gegen 11.30 Uhr ging zwar ein heftiger, etwa zehnminütiger Regenschauer nieder, doch anschließend blieb es bis zum Ende der Veranstaltung trocken.
Schlagfertige Kanzlerin Bevor es zu den handfesten, politischen Themen ging, erlebten die Zuschauer zu Beginn des Auftritts der Kanzlerin eine heitere und ausgelassene Angela Merkel, wie man sie aus dem Fernsehen nur wenig kennt, da sie dort meist distanziert und abgeklärt wirkt. So begrüßte eine lächelnde und charmante Kanzlerin von der Bühne aus die Bürger. Da der Dom von dem Podium der Kanzlerin aus aber nicht zu sehen war, da die Bühne mit der Rückseite direkt an das Gotteshaus grenzte, sagte sie heiter: „Ich sehe jetzt zwar nichts mehr vom Dom, aber Worms besitzt eine wirklich beeindruckende Kulisse.“ Weiter führte sie aus, dass sie mit dem Flugzeug auf dem Wormser Flugplatz gelandet sei und dabei die tolle Aussicht auf die Nibelungenstadt genießen konnte.
Julia Klöckner sprach die Kanzlerin auf das Backfischfest an, das man unbedingt besuchen müsse. Angela Merkel antwortet hier: „Ich kenne das Backfischfest noch nicht“, dann fragte sie ein wenig schelmisch nach: „Geht es dabei um junge Mädchen oder um gebackene Fische?“ Nach der Erklärung von Julia Klöckner, dass beides eine Rolle spiele, konterte Angela Merkel: „Es ist also ein verkapptes Junges-Mädchen-Fest!“ Auf den Wein angesprochen parierte die Kanzlerin, dass im Norden zwar keine Reben wachsen, dafür aber Korn. Und beim Korn ginge es mit der Gemütlichkeit etwas schneller als beim Wein.
Friedensunion Zu Beginn ihrer Rede für die am Sonntag stattfindende Europawahl erinnerte Angela Merkel an die Jahre 1914 und 1939, als zwei verheerende Weltkriege losbrachen und den Kontinent verwüsteten. Nach 1945 hätten dann mutige Männer entschlossen gesagt: „Nie wieder Krieg!“ Und diese Männer hätten gewusst, dass das Projekt „Friede in Europa“ nur Erfolg haben könne, wenn man sich zu einer Organisation zusammenschließt. Dies sei die Geburtsstunde der Europäischen Union gewesen, die den Menschen auf dem Kontinent inzwischen fast 70 Jahr Frieden beschert hätte. Diese Errungenschaft sollten die Menschen nie vergessen, wenn sie über Europa und die EU schimpfen. Gerade mit dem Blick auf die Krise in der Ukraine, habe diese Friedensleistung der Gründungsväter der EU eine neue Bedeutung erhalten und sei wieder ins Bewusstsein der Bürger gerückt.
Die Menschen, so Angela Merkel weiter, sollte am Sonntag ihre Stimme bei der Europawahl abgeben, damit auch die Kinder und Enkel in Frieden leben könnten und strittige Fragen nicht durch Waffengewalt, sondern durch Diskussionen gelöste werden. Als EU-Bürger solle man auch daran denken, welchen Wert frei Wahlen haben. So könnten die Einwohner Weissrusslands von freien Wahlen nur träumen, in der Ukraine müssten die Menschen mit Angst an die Urne gehen, in der Türkei seien Informationsmedien abgeschaltet und in Syrien herrsche Bürgerkrieg, dort sei an Wahlen nicht zu denken.
Wohlstand und Stabilität Zum Abschluss ihrer Rede hob die Kanzlerin die wirtschaftliche Bedeutung der EU hervor und sagte: „Deutschland wird es ökonomisch nur gut gehen, wenn es Europa gut geht!“ Sie erinnerte daran, dass 60 Prozent des deutschen Außenhandels mit Europa abgewickelt werden.
Ein Kernthema sei, dass Deutschland mit 80 Millionen Einwohnern in Europa zwar groß sei, in Weltmaßstäben gerechnet aber klein, so würde Deutschland gerade mal ein Prozent der Weltbevölkerung stellen. Mit 500 Millionen Europäern habe die EU da ein ganz anderes Gewicht gegenüber Staaten wie Indien, China oder auch den USA. Es sei daher die Stärke und Einheit Europas gefragt.
Die EU müsse sich allerdings besonders was die Industrie betreffe, anstrengen und den Fokus auf die modernen Techniken legen. So beherrschten im IT-Bereich die Amerikaner mit Firmen wie Google und Microsoft den Weltmarkt. Hier müsse es in Zukunft auch europäische Spitzenkonzerne und Weltmarktführer geben. Das europäische Unternehmen Airbus sei hier ein Vorbild. Damit sei den amerikanischen Boeing-Werken ein wirklicher Konkurrent entstanden.
In Bezug auf den Euro sagte Angela Merkel, dass es gelungen sei, die gemeinsame Währung zu stabilisieren und Länder wie Irland, Spanien und Portugal nun das Schlimmste überwunden hätten.
Gegen 13 Uhr war die Veranstaltung beendet und eine lächelnde Kanzlerin verließ bei strahlendem Sonnenschein die Nibelungenstadt.