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  • Do., 19. Dezember 2013, 08:59 Uhr
    Die Abstimmung über das „Haus am Dom” brachte im Stadtrat eine knappe Mehrheit für das Projekt

    „Jetzt liegt der Ball bei der Domgemeinde”

    Das „Haus am Dom” sorgt weiter für Zündstoff.


    Von Gernot Kirch Das „Haus am Dom“ bleibt der große Zankapfel der Wormser und ein Ende der Diskussionen ist nicht abzusehen. Die Debatten werden noch weit ins nächste Jahr gehen. Der Riss geht dabei gleichermaßen durch Bevölkerung wie durch die Parteien.

    Dies wurde bei der Abstimmung am Mittwoch im Stadtrat deutlich. Es ging - wie bereits vor zwei Wochen im Bauausschuss sowie im Haupt-/Finanzausschuss - um den Antrag der kleinen Parteien, eine bauliche Veränderungssperre für den Bereich rund um den Dom zu erlassen. Damit sollte erreicht werden, dass die Domgemeinde ihr „Haus am Dom” nicht bauen kann.

    Letztlich stimmt zwar eine Mehrheit für das Projekt, doch von einer Befriedung kann keine Rede sein. Zumal die Bürgerinitiative weiter gegen das Projekt kämpfen wird, so etwa am 22. Dezember um 17 Uhr mit einer Lichterkette am Südportal.

    Wobei es ohnehin schwierig wird, einen Kompromiss zu finden, denn die einen wollen bauen, die anderen eben dies verhindern. Und da es eine Frage des Geschmacks ist, ob ich das Haus will oder nicht,  können diesbezüglich auch keine Experten oder noch so viele Studien helfen.

    Der Ball liegt nun bei der Domgemeinde. Die Politik, also der Stadtrat, hat die Zustimmung zum Vorhaben gegeben, doch ob die Domgemeinde aber wirklich etwas realisieren will, was bei weiten Teilen der Bevölkerung auf Ablehnung stösst, ist die Frage.

    Drei Einzelabstimmungen

    Der Antrag der kleinen Parteien wurde dabei in drei Einzelabstimmungen aufgesplittet. Bei der ersten Fragestellung wurde gefragt, ob der jetzige Entwurf die Zustimmung des Stadtrates findet. Mit der Mehrheit der Fraktionen von CDU und SPD wurde der Antrag angenommen. Dabei stimmten die großen Parteien nicht geschlossen ab, sondern bei der CDU votierte ein Ratsmitglieder gegen das „Haus am Dom” und bei der SPD zwei. Dazu enthielten sich noch einige Mitglieder der großen Fraktionen, sodass insgesamt 30 Ratsmitglieder für das Projekt votierten, 15 dagegen stimmten und vier sich enthielten. Die Mitglieder der kleinen Fraktionen stimmt einheitlich gegen das „Haus am Dom”.

    Bei der zweiten Abstimmung wurde gefragt, ob es eine bauliche Veränderungssperre, um den Dom geben soll, hier sprachen sich 33 Ratsmitglieder gegen solch eine Veränderungssperre aus und 14 Ratsmitglieder wollten diese. Die 14 Stimmen für die Sperre kamen von den kleinen Parteien, aber  auch wieder vereinzelt von CDU und SPD. Ein Ratsmitglied enthielt sich.

    Die letzte Frage war weniger bedeutend, denn hierbei wurde lediglich eine Planung für die Gestaltung des südlichen Domumfeldes angeregt. Dies fand ein breite Mehrheit von 40 Ja-Stimmen bei acht Enthaltungen.

    Riss durch CDU und SPD
    Das Bemerkenswertes an den Abstimmungen war, dass der Riss von Befürwortern und Gegnern des „Haues am Dom” inzwischen auch tief durch CDU und SPD geht und beide Parteien keineswegs mehr ein Phalanx der Befürworter stellen. So hatte der SPD-Fraktionsvorsitzende, Timo Horst, vor der Wahl im Stadtrat auch klargestellt, dass er die Abstimmung freistellt, es also keine „Fraktionsbindung” gebe.

    Der Abstimmung, oder exakt den drei Einzelabstimmungen zum „Haus am Dom” ging im Stadtrat eine etwa zweistündige Debatte voraus. Zunächst sprach Oberbürgermeister Michael Kissel, der dabei die Zuhörer aufforderte, Respekt vor anderen Meinungen zu haben. Im Anschluss gab Josef Eberhardt von der Bürgerinitiative ein Statement ab, in dem er den freien Blick auf den Dom forderte und vor einer „Verstümmelung” des Blickes auf das Gotteshaus mahnte.

    Bürgerbefragung und Bauattrappe

    Insgesamt hielten sich die Äußerungen im Stadtrat zu dem Projekt die Waage.
    Sebastian Knopf von den Linken forderte eine 1:1 Bauattrappe an der Stelle, wo das „Haus am Dom” entstehen soll, damit der Bürger sich ein richtiges Bild machen könne. Auch verlangte er erneut eine Bürgerbefragung, um den Willen der Bevölkerung wirklich zu kennen. Diese könne bei der Kommunalwahl im Mai 2014 ohne großen Aufwand durchgeführt werden. Kurt Lauer von den Grünen schloss sich dem an und sagte: „16.000 Unterschriften wiegen schwer.”

    Auch Jürgen Neureuther von der FDP sprach sich für eine Bürgerbefragung aus. Weiter sagte er, dass man sich besser zunächst über die Gestaltung des Domumfeldes unterhalten hätte, und dann einen Architektenwettbwerb durchführt hätte, nicht umgekehrt, wie jetzt. Ihm gefalle auch der zweite Entwurf überhaupt nicht, zumal er drei Meter höher sei als der erste.

    7 Millionen Euro
    Raimond Sürder (CDU), der gegen das Projekt votierte, kam nochmals auf die Kosten zu sprechen. So seien aus 3,5 Milionen Euro für das „Haus am Dom” inzwischen 4,5 Millionen Euro geworden. Dazu kämen 2,5 Millionen Euro für die Sanierung des Lioabhauses, sodass die Domgemeinde  ein Vorhaben von sieben Millionen Euro zu stemmen habe. Er frage sich als Katholik, ob es nicht dringendere soziale Aufgaben für die Kirche gäbe.

    Renate Haag (CDU) kritisierte die Höhe des Bauvorhabens. Uwe Radmacher (FDP) formulierte, dass nur die Kirche das Projekt stoppen könne. Schließlich gehöre der Baugrund der Domgemeinde. Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Dr. Klaus Karlin, sagte , dass sich die Domgemeinde sehr bewegt habe und sie mit dem zweiten Entwurf den Wünschen der Bürger sehr entgegengekommen sei.

    Die Höhe stört
    Carlo Riva (SPD) sagte, er wolle sich bei der Abstimmung enthalten, denn die Domgemeinde brauche ein neues Zuhause und das Liobahaus sei als Gemeindezentrum ungeeignet. Man könne aus einem VW eben keinen Porsche machen. Andererseits sei im das Haus aber auch viel zu hoch. Heidi Lammeyer (SPD) bezeichnete den ersten Entwurf als exzellent und auch den zweiten als sehr gelungen.

    Jens Guth (SPD) brachte es schließlich auf den Punkt, als er sagte, der Ball liege jetzt bei der Domgemeinde. Zweckmäßig sei es, wenn sie ihre Mitglieder befrage, ob sie das Haus in dieser Form überhaupt wollten. Er lehne es in dieser Form ab und stimme dagegen, da es ihm zu überdimensioniert erscheint. Weiter bezweifelte er, ob der jetzige Entwurf wirklich der Mehrheit der Wormser gefalle.

    Geht's nicht auch kleiner
    Nach der Abstimmung fanden im Foyer des Rathaus noch hoch engagierte und teils kontroverse, aber jederzeit sachliche Diskussionen mit dem Ringen um einen Kompromiss statt. Dabei hörte man auch in Anlehnung an Willy Brandt den Satz: „Geht's nicht auch ne' Nummer kleiner”

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