Polizei rät zu Beginn der „Einbruchssaison“ zur wachsamen Nachbarschaft und zu weiteren Vorsichtsmaßnahmen
Gekippte Fenster, sind offene Fenster
Ein Einbruch lässt sich nicht zu 100 Proznet verhindern, aber die Bürger können in Zusammenarbeit mit der Polizei viel tun, um die Wahrscheinlichkeit zu senken.Foto: djd/ABUS Gruppe
Von Gernot Kirch Mit der dunklen Jahreszeit beginnt wieder die Hochphase der Wohnungseinbrüche. Die Polizeidirektion Worms hatte diesbezüglich zu einem Pressegespräch eingeladen, um auf die Gefahren aufmerksam zu machen und zur nachbarschaftlichen Wachsamkeit aufzurufen. Zunächst präsentierte der Leiter der Polizeidirektion Worms, Kriminaldirektor Gerald Guasé, einige Zahlen und Fakten zur Situation in Worms und der Region. So seien Wohnungseinbrüche ein Delikt, das im Winterhalbjahr deutlich zunehme. Im Bereich der Polizeidirektion Worms, also der drei Inspektionen Worms, Kirchheimbolanden und Alzey sind die Zahlen seit dem Jahr 2011 stark angestiegen. Waren es im Winterhalbjahr 2010/11 „nur“ 148 Wohnungseinbrüche, wurden in 2011/12 schon 206 gezählt und ein Jahr später gar 239. Für das Winterhalbjahr 20113/14 sackte die Zahl dann wieder auf 215 Einbrüche ab. Und jetzt steht die „Saison“ wieder bevor. Die Aufklärungsquote bei Einbrüchen liege nur bei 15 bis 20 Prozent. Ein Grund dafür sei, dass nahezu 100 Prozent der Wohnungsdelikte angezeigt wird, da die Opfer von der Versicherung den Verlust erstattet bekommen haben wollen. Bei anderen Verbrechensarten kommen dagegen keine 100 % zur Anzeige, sondern es gibt eine gewisse DunkelzifferBei anderen Verbrechensarten würden hingen nicht alle Vergehen zur Anzeige gebracht. Der andere Grund für die relativ geringe Aufklärungsquote ist der Umstand, dass Täter so gut wie keine Spuren hinterlassen und es sich zudem um überregional agierende Banden handelt. Lokal ansässige Einbecher seien inzwischen in der Minderheit.
Gleiches Schema
Die Vorgehensweise der überregional agierenden Banden sei dabei, so Gerald Guasé, relativ identisch. Die Verbrecher würden meist in einem billigen Hotel oder einem ähnlichen Domizil wohnen und sich dann mit dem Auto auf Beutezüge in einem Radius von 100 bis 150 Kilometer aufmachen. Bevorzugte Ziele der Banden seien Orte, die günstig an Autobahnen liegen, sodass sie schnell an- und wieder abreisen könnten. Aufgrund der guten „Erreichbarkeit“ gebe es etwa in Gebiet Worms oder, abgeschwächt, im Raum Alzey, mehr Wohnungsdelikte als im abgelegenen Kirchheimbolanden. Ein Irrtum sei diesbezüglich, dass die Einbrecher ihre Zielgebiete lange vorher gründlich auskundschafteten. Vielmehr würden sie von der Autobahn in Orte oder eine Wohngebiet fahren und dort schauen, ob es „geeignet“ sei, also Einfamilienhäuser stehen. Dann folge die Phase, in der die Banden beobachteten, in welchen Häusern Bewohner anwesend sind, also etwa Licht brennt oder die Rollläden heruntergelassen sind. Als Objekte für den Einbruch kämen dann die Häuser in Frage, in denen vermeintlich niemand zu Hause ist, denn eines würden fast alle Einbrecher scheuen, und dies sei der Kontakt mit Eigentümern. Das Eindringen geschehe dann sehr rasch. Erweise sich dies als unmöglich oder zu schwer und kompliziert, würden die Verbrecher häufig ein anders Objekt wählen. Es lohne sich daher in jedem Fall, gute Schlösser, Sperrriegel, Gitter und feste Türen einzubauen.
Wachsame Nachbarn
Ein wesentlicher Aspekt, führte Gerald Guasé aus, sei es auch, die Anwesenheit etwa durch angeknipste Lampen mit Hilfe von Zeitschaltuhren vorzutäuschen. Von zentraler Bedeutung ist hier jedoch eine aufmerksame Nachbarschaft. So können Anwohner etwa abends die Rollläden herunterlassen und auch Wachsamkeit ist gefragt. Steht etwa ein Auto in der Straße, das dort nicht hingehört, ist es durchaus angebracht, die Polizei zu benachrichtigen, so Gerald Guasé. Auch auf verdächtige Personen und Geräusche, etwa das Klirren von Glas, sei zu achten. Die Täter würden in der Regel zwei, drei Einbrüche machen und anschließend, noch bevor die Bewohner das Delikt entdeckten, wieder verschwinden. Die Aufklärung sei dann nahezu unmöglich, zumal die Täter häufig aus dem Ausland stammten. Ganz wichtig ist daher die Vorbeugung. Viele Bewohner seien zu leichtsinning, so gelte: „Gekippte Fenster, sind offene Fenster.“ Das bevorzugte Diebesgut sind eindeutig Bargeld und Schmuck, da dies leicht einzustecken sei. Größere Elektrogeräte würden beim Fortschaffen hingegen auffallen. Die Bekämpfung der Einbruchskriminalität sei das Ziel Nummer eins der rheinland-pfälzischen Polizei, erklärte Gerald Guasé, zumal es häufig eine Traumatisierung bei den Opfern gebe.