
Von Jürgen Jaap › Die Hände der Anhänger beider Fan-Lager schlagen rhythmisch aufeinander. Die Trommler versetzen die Luft in Schwingung. Aus den Lautsprechern ertönt der Song „Go grazy“ – zu Deutsch: „Werde verrückt“. Verrückt sein ist nun angebracht. Es ist angerichtet für das Handball-Derby der Oberliga Rheinland-Pfalz / Saar der Männer zwischen den Drachen der HSG Worms aus Rheinhessen und den Gekkos der HSG Eckbachtal aus den Ortschaften Dirmstein, Freinsheim, Heuchelheim und Laumersheim der benachbarten Pfalz. Die Luft brennt in der Nikolaus-Doerr-Halle – vor, während und nach dem stimmungsvollen Derby, das Emotionen weckt und speziell für die Gastgeber ein eminent wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Klassenerhalt sein könnte.
Die Taktik: Rückraum versus Kreis
„Von mir aus könnte jede Woche Derby gegen Eckbachtal sein“, sagt ein völlig euphorisierter Michael May bei der Beschäftigung, die der Leiselheimer Handballfreund schon eine gefühlte Ewigkeit erledigt: den Einlass der Zuschauer in die Sporthalle regeln. Geregelt, aber von unterschiedlicher Taktik geprägt, geht es auch in das Derby. Worms bringt seinen starken Rückraum mit den Shootern Tim Knobel und Marvin Seyfried (beide rechts), sowie Marco Kimpel (links) und Jona Eschbach (Mitte) mit schnellen Ballstafetten in Position. „Wir hatten eine gute Chancenverwertung aus dem Rückraum“, sagt später Marco Kimpel über die insgesamt 22 Buden, die das wurfgewaltige Drachen-Quartett meist aus einiger Distanz im Tor der Gekkos versenkte. HSG Eckbacktal hingegen setzt auf Anspiele zu den Kreisläufern wie etwa auf den kräftigen Fabian Quandt, oder auf Durchstöße an den Kreis durch den zweikampfstarken Maximilian Schreiber.
Spannung pur bis in die Schlussminuten
Hin und her wogt das Derby 15 Minuten bis zum 9:9-Zwischenstand, ehe die etwa 150 Wormser Fans dreimal über zwei erfolgreiche Gegenstöße von Marvin Seyfried und einen krachenden Knaller von Marco Kimpel zum 12:9 jubeln dürfen. Aber die Gäste halten von ihren 150 Fans angetrieben bis zur Pause beim Halbzeitstand von 19:17 und speziell nach dem Wechsel und dem Ausgleich zum 31:31 (56.) nach einer zwischenzeitlich Fünf-Tore-Führung der Gastgeber beim 28:23 Mitte der zweiten Halbzeit voll dagegen. „Alle meine Jungs haben das Spiel komplett angenommen, haben das Momentum trotz der Aufholjagd der Gekkos behalten“, zeigte sich der Wormser Coach Marco Tremmel von der mentalen Stärke seiner Mannschaft beeindruckt.
HSG mit furiosem Endspurt ins Glück
Marco Tremmel hatte auf der Torhüter-Position Sebastian Volk (Tremmel: „Er agierte beim Hinspiel überragend“) das Vertrauen ausgesprochen – und wurde nicht enttäuscht. In der spannenden Schlussphase hielt Volk seinen Kasten sauber. Und vorne ließen es Tim Knobel, Marco Kimpel und Jona Eschbach dreimal nervenstark rappeln und sorgten so für einen furiosen Endspurt ins Glück. „Wir wollten diese beiden Zähler unbedingt, das ganze Team war auf den Punkt konzentriert“, stellte Marco Kimpel erleichtert fest. Erleichtert wirkte der groß aufgewachsene Handballer nicht zuletzt auch deshalb, weil die Nibelungenstädter mit dem Sieg im Oberliga-Lokalderby dem Abstiegsgespenst die gelbe Karte frech vor die Nase hielten. Oder wie es Marco Tremmel formulierte: „Wir sind nun im Kampf um den Klassenerhalt vollkommen da.“
Handball Oberliga Rheinland-Pfalz / Saar Männer:
HSG Worms – HSG Eckbachtal 34:31 (19:17)
HSG Worms: Volk, Wald; Schwarz (4), Esra Eschbach, Schönmehl, Kimpel (7), Freitag (6/3), Druck, Knobel (7), Keiser, Eckel (1), Streuber (1), Jona Eschbach (2), Seyfried (6).
Zuschauer: 300.