Mo., 16. Januar 2023, 14:35 Uhr
WORMS: Erster Qualitätszirkel im stationären Hospiz
„Gemeinsam palliative Kompetenzen stärken“
Am 11. Januar trafen sich Ärzte, Palliativpflegekräfte, Hospizbegleiter und weitere Berufsgruppen, welche mit Palliativpatienten Kontakt haben, zu einem ersten Austausch für die Weiterentwicklung der Palliativversorgung in Worms. Initiiert wurde diesen Treffen von der Stadt Worms gemeinsam mit der Ökumenischen Hospizhilfe Worms e.V., getragen vom Evangelischen Dekanat Worms-Wonnegau, dem Diakonischen Werk Rheinhessen, dem Katholischen Dekanat Worms und dem Caritasverband Worms sowie dem Förderverein der Ökumenischen Hospizhilfe. Bereits mit der Unterzeichnung der „Charta für Schwerstkranke und Sterbende“, am 14. Oktober 2022 durch Oberbürgermeister Adolf Kessel, machte alle deutlich, welchen Stellenwert eine gute Versorgung von Menschen am Lebensende vor Ort hat. „Jeder Mensch hat ein Recht auf ein Sterben in Würde“, dafür wollen sich alle Mitwirkenden einsetzen. Gemeinsames Ziel ist eine Verbesserung der Versorgungsstruktur in Worms durch engere Zusammenarbeit aber auch regelmäßige Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote für Fachkräfte und Angehörige.
Als Referentin für den ersten Qualitätszirkel, der von Dr. Viktor Fuchs moderiert wurde, konnte Frau Dr. Hartenstein aus Dresden gewonnen werden. Als Hausärztin, Notärztin und Palliativmedizinerin in einem spezialisierten ambulanten Palliativteam engagiert sie sich in der Medizinethik und ist Mitglied im Deutschen Hospiz- und Palliativverband. Sie zeigt auf, mit welchen Veränderungen sich die Hospiz- und Palliativbewegung in den kommenden Jahren auseinandersetzen muss. Eine große Herausforderung, der sie sich gemeinsam stellen müssten, wäre die Alterung der Gesellschaft. So habe sich die Lebenserwartung in den letzten 150 Jahren verdoppelt. 2021 habe es bereits über 23.000 Menschen in Deutschland gegeben, die über 100 Jahre alt seien, Tendenz steigend. Hartenstein zitiert eine Statistik, nach der prognostiziert wird, dass es etwa 2035 eine Gesamtzahl von 20 Millionen Rentner geben werde. Das wären vier Millionen mehr als heute bei einer gleichzeitig sinkenden Gesamtbevölkerung. Wie wichtig eine vertrauensvolle und offene Zusammenarbeit mit den Angehörigen von sterbenden Menschen ist, verdeutlicht Hartenstein an einem Beispiel aus ihrer Praxis. Sie stelle fest, dass es oft die Angehörigen seien, die am Lebensende noch weitere Therapien fordern, welche der betroffene Patient eigentlich nicht mehr wünscht. Einen geliebten Menschen zu verabschieden und in den letzten Tagen zu begleiten fällt schwer. „Letze Hilfe Kurse“, welche allen Interessierten Kenntnisse in der Sterbebegleitung vermitteln, könnten z.B. einen Beitrag leisten, Hilflosigkeit im Umgang mit Sterbenden zu überwinden.
Die Veranstalter freuen sich daher über das große Interesse am ersten Qualitätszirkel, der den Auftakt zu einer guten Zusammenarbeit für eine bedarfsgerechte, palliative Versorgung in Worms darstellt. Drei weitere Termine sind für 2023 bereits geplant: Mittwoch, 22. März, 12. Juli und 11. Oktober, von 16 bis 18 Uhr im Hospiz im Hochstift Worms. Die Initiative wird nicht nur von der Stadt Worms unterstützt, sondern auch das Ministerium in Mainz hat seine Mithilfe zugesagt.
Menschen, die sich für eine Weiterentwicklung der palliativen Versorgung in Worms interessieren und einen Beitrag leisten möchten sind herzlich eingeladen, Kontakt zu Jutta Bingenheimer unter Telefon 0171/2043740 oder per E-Mail an
jutta@bingju.de