
Von Vera Beiersdörfer Was für viele Kinder ein festes Ritual und alltägliche Selbstverständlichkeit ist, kennen andere Wormser Schüler wiederum überhaupt nicht. Gemeint ist das gemeinsame Essen mit der Familie nach Schulschluss. „Dabei ist für Kinder und Jugendliche grade das Gefühl des Ankommens so wichtig. Der Mittagstisch ist der Platz, um sich den Frust des Schultages von der Seele zu reden und mit den Eltern und Geschwistern die freudigen Erlebnisse des Vormittages zu teilen. Zudem ist ein gesundes Mittagessen grundlegend, um Kraft für den weiteren Tag zu sammeln“, erklärt Tobias Lehr, Leiter des Schüler-Arche Worms e.V. Der Verein in der Wielandstraße hat es sich zum Ziel gesetzt, Kinder, die von materieller und/oder emotionaler Armut betroffen sind, bei der Herausforderung Schule zu unterstützen und hierdurch deren Persönlichkeit zu stärken. Dabei werden die Kinder unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Bedürfnisse individuell begleitet und beim Lernen unterstützt. Bevor die Dritt- bis Sechstklässler aber fleißig sind, steht von montags bis donnerstags eine warme Mahlzeit auf dem Plan, die von ehrenamtlichen Helfern zubereitet wird.
Jeder hat seine Aufgabe
„Gibt es heute etwa Spargel?“, fragt Manuela naserümpfend als sie an diesem Donnerstag die Schüler-Arche betritt. Doch für diesen Tag stehen ein leckeres Hühnerfrikassee sowie eine fein duftende Pilz-Creme-Suppe auf dem Speiseplan, kann sie die ehrenamtliche Mitarbeiterin Barbara Enke „beruhigen“. Gekocht werden die Donnerstagsmahlzeiten seit den Osterferien von Bernhard Friedrich, dem Koch des Haus Jacobus in Osthofen. Bei der Zusammenstellung von Vorspeise, Hauptgericht und Dessert berücksichtigt er auch die verschiedenen kulturellen Hintergründe, der zwölf Schüler, die er nun einmal in der Woche bekocht. Zu der Kooperation mit dem Osthofener Alten- und Altenpflegeheim war es gekommen, nachdem die stellvertretende Heimleiterin Kristina Schäfer auf der Suche nach einer ehrenamtlichen Herausforderung war. „Ich wollte etwas für Kinder aus der Region tun und war von dem Konzept der Schüler-Arche direkt begeistert. Nach Rücksprache mit Herrn Friedrich stand sofort fest, dass wir uns hier engagieren möchten“, berichtet Kristina Schäfer. Zu der Grundidee der Schüler-Arche gehört es auch, dass jedes Kind mit anpackt. „Viele kennen es von zu Hause gar nicht, mal den Tisch zu decken oder abzuspülen“, weiß die ehrenamtliche Mitarbeiterin Nicole Heinzelbecker. Daher gibt es in der Arche einen Wochenplan, der genau festlegt, wer welche Aufgabe für die Dauer von vier Tagen zu erledigen hat. Im Anschluss an das gemeinsame Essen und Austauschen folgt die Hausaufgaben- und Lernhilfe. Der Nachmittag steht dann ganz im Zeichen von kreativem Spiel und Spaß, bevor die Kids ihren Heimweg antreten.
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