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  • Mo., 02. März 2015, 13:38 Uhr
    Geniale Pianistin rührt Zuhörer mit Stücken von Scarlatti bis Prokofiev

    „Genie und Wahnsinn“

    Trotz ihrer Jugend bereits eine profilierte Interpretin vor allem romantischer Klavierwerke: Julia Rinderle entzückte das Publikum im Schloss Herrnsheim. Foto: Regina Urbach

    Von Regina Urbach Bewegend in vieler Hinsicht war das Konzert der jungen deutschen Pianistin Julia Rinderle am Sonntag im Blauen Salon des Schlosses Herrnsheim. „Sie setzte sich gegen die ganzen asiatischen Topkandidaten auf dem internationalen Jugend-Pianistenwettbewerb in Troisdorf durch und errang den ersten Preis“, begründete die Veranstalterin und Vorsitzende der Chopingesellschaft, Gisela Ebling, einführend ihre Einladung. Und dann trat die 24-jährige Pianistin aus Memmingen vor den Flügel und führte souverän, mit Humor und Gefühl in die Stücke ein: virtuose Sonaten von Scarlatti, die sie trotz ihres Etüdencharakters einfühlsam als großes Konzert darbot, Schumanns Verwirrung widerspiegelnde „Geistervariationen“, nach deren Abschluss er sich in den Rhein gestürzt haben soll – aber gerettet wurde. Und den Wahnsinns-Geniestreich der Sonate Nr. 4 von Alexander Skrjabin, der zum Teil das Jazzklavier vorausahnt.


    Die Natürlichkeit und Schönheit sowohl der Darbietung als auch der Pianistin ließen das Publikum fast atemlos lauschen. Ihr leichtes, auswendiges, oft mit geschlossenen Augen und hingegebener Mimik präsentiertes Spiel riss das kundige Publikum zu Bravorufen hin. Nach der Pause faszinierte Rinderle mit den schrillen „Sarcasmes“ von Sergej Prokofjev, einem ihrer „Herzenskomponisten“, und der Fantasie f-Moll und Grand Polonaise As-Dur von Chopin. Das letzte Stück war vor einem Jahr auf der Beerdigung von Maciej Lukaszczyk, Gründers der deutschen Chopin-Gesellschaft und Lebensgefährten von Gisela Ebling, gespielt worden und rührte viele zu Tränen. „Auf dem Totenbett hat er mich gebeten, sein Werk fortzuführen“, erzählte Frau Ebling später. „Das tue ich mit der Fortsetzung dieser wundervollen Veranstaltungen.“ Das Publikum ließ Julia Rinderle nicht ohne begeisterten Applaus und Zugabe (Rachmaninow) gehen. Am 30. Mai (19 Uhr) veranstaltet die Chopingesellschaft im Herrnsheimer Schloss einen Klavierabend mit Jia Wang (Haydn, Ravel und natürlich Chopin).


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