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„Gesundheit für alle“

Informations- und Diskussionsabend zur Unterstützung konkreter Initiativen vom Helferkreis Asyl Worms e.V. zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgun

Um „menschenrechtskonforme Gesundheitsversorgung von geflüchteten Menschen“ ging es auf Einladung des Helferkreises Asyl am Dienstagabend im Gemeindesaal der Dreifaltigkeitsgemeinde. Dr. Gerhard Trabert, Arzt und Professor für Sozialmedizin/Sozialpsychiatrie aus Mainz, der schon in nahezu allen Krisen- und Kriegsgebieten Afrikas und Asiens und auch in der Seenotrettung im Einsatz war, sprach über Fluchtursachen, Kriege, aber auch über Dürreperioden, die durch Raubbau verursacht wurden, Diskriminierung und Verfolgung von Gruppen wegen ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer religiösen oder sozialen Zugehörigkeit, über Genitalverstümmelung und Zwangsheirat. Er schilderte, wie katastrophal es in vielen Flüchtlingslagern zugeht, was er in Kriegsgebieten angetroffen hat, erzählte von Straßenkindern und Kinderhandel. Dazu zeigte er viele aufrüttelnde Bilder. Es gehe nicht um Wohltätigkeit, wenn man hier helfe, sondern um Menschenrechte, nicht um Mitleid, sondern um Verantwortung.

„Bei uns sollten für die Geflüchteten deshalb interdisziplinäre und multiprofessionelle Angebote vorgehalten werden, muttersprachlich, kultur- und geschlechtersensibel, respektgeprägt“, er plädierte für die Einführung der Gesundheitskarte und des anonymen Krankenscheins, für Info-Veranstaltungen in verschiedenen Sprachen, für Frauensprechstunden und für Hygiene- und präventive Gesundheitsförderung, möglichst auch Impfungen in den Sammelunterkünften. Vor allem aber müsse politisch gehandelt werden. Nicht die Flüchtlinge seien die Mutter aller Probleme, sondern die soziale Ungerechtigkeit weltweit.

Doch Trabert geht es nicht nur um Flüchtlinge, sondern prinzipiell um die medizinische Versorgung armer Menschen. So ist er auch Gründer und Vorsitzender des Vereins „Armut und Gesundheit in Deutschland“, der jetzt beim Land die Zusicherung für die Finanzierung einer Clearingstelle erhalten hat. Dort können sich Ärzte, NGOs und Patienten in Zweifelsfällen über ihre Rechte informieren. Auch hat Trabert in Mainz 2013 die medizinische Ambulanz ohne Grenzen gegründet.

Auch in Worms gibt es in kleinerem Maßstab schon seit zehn Jahren den Caritas-Gesundheitsladen, der eine vergleichbare Arbeit leistet, wie Projektleiterin Angelika Ernst-Auer berichtete. Dr. Christoph Sievers, der dort ehrenamtlich als Kinderarzt tätig ist, unterstrich die alarmierenden Meldungen über Ärztemangel in der Presse. Die Versorgungslage sei schwierig, es fehle an Ärzten, aber keine Patientengruppe sei speziell betroffen. Diskriminierungen seien ihm nicht bekannt. Allerdings fehle es an niedrigschwelligen Angeboten. Oft sei die Verständigung problematisch. Kinder als Dolmetscher der Erwachsenen seien nicht akzeptabel.

Angelika Wahl, Vorsitzende des Helferkreises Asyl Worms, ging ebenfalls auf die Sprachbarrieren ein. Es könne aber nicht erwartet werden, dass Flüchtlinge sich um Dolmetscher bemühen und sie dann auch noch bezahlen müssten. Viele Ärzte seien nach ihrer Erfahrung oft verunsichert, wen sie behandeln dürften und wen nicht, denn Flüchtlinge haben lediglich Anspruch auf die Behandlung akuter Erkrankungen und Schmerzzustände. Hier sei Aufklärung nötig. Wie Trabert hält sie kostenfreie Beratungen und möglichst auch Ambulanzen in den Sammelunterkünften für erstrebenswert.

In der anschließenden Diskussion kamen noch einmal die fehlenden Ärzte, insbesondere im sozial-psychiatrischen Bereich zur Sprache. Mitarbeiterinnen der Caritas-Fachstelle für Migration und Integration Osthofen/Wonnegau schilderten Probleme bei der Begutachtung und Betreuung von traumatisierten und geistig behinderten Jugendlichen, die mangelnde personelle Ausstattung der Jugendämter und viele andere Hürden. Lösbar seien diese Schwierigkeiten nur, wenn sich viele Menschen für eine Veränderung der Strukturen im Gesundheitsbereich einsetzten, resümierte Gerhard Trabert.

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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