
Derzeit findet in den Wormser Gewässern fast unbemerkt eine ökologische Katastrophe statt: In der Pfrimm zwischen dem Wehr „Ochsenklavier“ und Worms-Pfeddersheim wurden vom BUND rund 50 tote Fische entdeckt. Die jüngste Veröffentlichung des städtischen Amtsblatts am 7. August macht das Ausmaß der ökologischen Krise offiziell. Als langjährige Bachpaten für die Pfrimm und den Eisbach warnt die BUND-Kreisgruppe Worms vor einem drohenden Kollaps der Gewässer.
Das Sterben vor unserer Haustür ist kein lokaler Einzelfall. In ganz Rheinland-Pfalz führen Bäche und Flüsse infolge der Klimakrise extremes Niedrigwasser und heizen sich massiv auf. Warmes Wasser kann kaum noch Sauerstoff speichern. Die Folge ist ein qualvoller Erstickungstod, der das gesamte Ökotop Bach bedroht. Hierzu äußert sich Michael Leukam, Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe Worms, besorgt: „Viele Bürgerinnen und Bürger sehen beim Spaziergang nur das niedrige Wasser, ahnen aber nicht, dass unter der Oberfläche bereits das Sterben eingesetzt hat. Wenn wir jetzt nicht umsteuern, verlieren wir nicht nur die Fische, sondern gefährden das gesamte Ökosystem. Die Pfrimm und der Eisbach ringen gerade buchstäblich nach Luft.“
Ein oft übersehener Faktor ist die Einleitung von Abwasser. Oberhalb des betroffenen Wormser Flussabschnitts leitet die Kläranlage Monsheim (Abwasserzweckverband Mittleres Pfrimmtal) das gereinigte Abwasser von 27 Gemeinden in die Pfrimm ein. „Bei einem durchschnittlichen Wasserverbrauch von 120 Litern pro Person fließen geschätzte 3,8 Millionen Liter Abwasser aus der Anlage jeden Tag in den Bach“, rechnet Michael Leukam vor.
„In Zeiten extremer Trockenheit besteht das Flusswasser unterhalb des Klärwerkes zu einem nicht unerheblichen Teil aus diesem Abwasser.“ Selbst modern gereinigtes Wasser transportiert Nährstoffe und Bakterien in den Bach. Bei deren Abbau wird dem ohnehin strapazierten Gewässer weiterer Sauerstoff entzogen.
Der BUND unterstützt ausdrücklich die von der Stadtverwaltung per Allgemeinverfügung am 7. August erlassenen Schutzmaßnahmen für die gesamte Pfrimm sowie den gesamten Eisbach in der Gemarkung Worms:
Michael Leukam fordert die weitere Renaturierung der Fließgewässer. Denn naturnahe Gewässer mit unterschiedlichen Wassertiefen und Einstauungen halten das Wasser in der Fläche, erhöhen den Grundwasserspiegel und bieten den Wasserlebewesen Rückzugsräume auch in Trockenphasen. Darüber hinaus fordert Leukam einen konsequenten Klimaschutz, um eine weitere Versteppung unserer Landschaft zu verhindern.
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