
Es gibt Zufälle, die tiefe Spuren hinterlassen: Die Fotografin Tina Krauß besuchte ihren in Tasmanien studierenden Sohn – und fortan ließ die Insel südlich des australischen Festlandes sie nicht mehr los. Immer wieder nahm sie die weite Reise auf sich, um zu wandern, zu entdecken und zu meditieren. Und natürlich folgte sie auch dort, wie an vielen Orten der Welt, ihrer Leidenschaft zu fotografieren.
Eine reiche Vielfalt erwartet die die Gäste der Vernissage ihrer Ausstellung am 17. August 2017 im gleis 7. 23 großformatige Bilder zeigen Dschungel und Steppe, explodierende Gischt und spiegelglattes Wasser, raue Klippen und sanfte Strände - manches davon auf ein und derselben Fotografie. Von flammenden Buchten spricht man auf dieser Insel 240 km südlich des australischen Festlandes: Rot, lila und orange leuchten von Erz durchzogene Klippen in der Abendsonne, das Meer schillert in unzähligen Blautönen.
„Die Natur braucht uns nicht.“
„Das Ursprüngliche und Wilde des Landes bewegt mich sehr.“ Mit ihrer Begeisterung macht Tina Krauß neugierig auf diesen gut 2000 km von der Antarktis entfernten Ort. „Auf meinen Wanderungen lerne ich immer wieder, wie klein wir Menschen sind. Die Natur braucht uns nicht. Hier zeigt sie ihre Kraft – wenn zum Beispiel plötzlich hohe Wellen die Stille durchbrechen.“ Gefährliche Strömungen und Buchten gäbe es hier, sehr anziehend für Extremsportler aus aller Welt. Tina Krauß selber will die Natur lieber wandernd und meditierend erfahren. Und das, so erklärt sie, sei hier auch ihr Zugang zum Fotografieren: „Oft warte ich hier sehr lange auf Licht oder Brandung. Es kann Stunden dauern, bis ich auf den Auslöser drücke...“
Das weist auf eine Spannung in ihrer Arbeit: Bei aller Faszination, die wilde Naturgewalt auf Tina Krauß ausübt, überlässt sie nichts dem Zufall. Präzise und durchdacht ist auch ihre treffsichere Wortwahl. Man ahnt: Sie weiß genau, was sie ausdrücken will. „Ich liebe das Risiko...“ sagt sie, „...aber ich sorge auch immer für eine Absicherung.“
Vieles erfährt man auf ihren Bildern über Tasmanien: Dass es Kängurus gibt, Delphine und Wale; hohe Berge, üppige und karge Vegetation. Noch mehr erfahren die Besucherinnen und Besucher der Vernissage aus dem Reisebericht, mit dem sie in ihre Ausstellung einführt: Dass Temperatur und Wetter sich oft schlagartig und heftig ändern, man als Wanderer jeden Tag für Hitze und Kälte, Sonne, Regen und starken Wind ausgerüstet sein müsse. „Von vier Jahreszeiten an einem Tag spricht man hier,“ erklärt Sigrid Spiegel, Kulturverantwortliche im gleis 7, in ihrer Begrüßung. Da die Temperatur aber nie unter den Gefrierpunkt sinkt, bietet die Landwirtschaft den etwa 500.000 Einwohnern und natürlich auch vielen Touristen eine große Vielfalt.
Staunend mit allen Sinnen wahrnehmen
Vielfalt und Veränderung - diese Worte kehren immer wieder in den Beschreibungen von Tina Krauß. Beides passt auch zu ihr selber: Sie arbeitet auch als Supervisorin, Coach und Burnout Beraterin und öffnet ihre Galerie und ihren Garten regelmäßig für andere Künstler. Sie war Krankenschwester und hat als IT Fachfrau und Unternehmerin auch erfahren, was es heißt „..sich wie ein Hamster im Rad zu fühlen..“ Bis sie sich zu einer radikalen Umkehr entschloss.
Lebenslust wecken und zu Neuem ermutigen – besonders hier im gleis 7
Wie sich schwierige Lebenslagen anfühlen, weiß sie deshalb sehr gut. Dass in die Ausstellungsräume hier im ersten Stock des gleis 7 Besucherinnen und Besucher der Caritas-Beratungsstelle für psychische Erkrankungen und Sucht kommen, hat deshalb besondere Bedeutung für Tina Krauß. Wie in all ihrer Arbeit möchte sie auch mit dieser Ausstellung Lebenslust wecken und dazu ermutigen, zu entschleunigen, staunend mit allen Sinnen wahrzunehmen, Neues zu entdecken und auszuprobieren. Und wer möchte beim Betrachten der Bilder nicht auch Tasmanien nicht mit eigenen Augen sehen?
Öffnungszeiten der Ausstellung: Bis zum 6. Oktober, montags bis freitags von 9 bis 17.30 Uhr, gleis 7, Renzstraße 3, 1. OG (Zugang durchs café gleis 7)
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