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  • So., 17. Januar 2016, 17:00 Uhr
    Kirchen feiern „200 Jahre Rheinhessen”: Festgottesdienst mit Kirchenpräsident Jung und Kardinal Lehmann in Worms

    Glaube und Zuversicht für ein friedliches Miteinander

    Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, und der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Dr. Volker Jung, haben am Sonntag in einem gemeinsamen Gottesdienst im Wormser Dom die Feierlichkeiten zu 200 Jahren Rheinhessen geistlich eröffnet. In seinen Einführungsworten wies Kardinal Karl Lehmann auf die liberale Grundhaltung der Menschen in Rheinhessen hin. Die Menschen der Region hätten als Durchgangsregion gelernt  „- bis in den Konfessionswechsel der Reformationszeit hinein - dass unterschiedliche Mächte und Kräfte herrschen und unter ihnen zu leben. Sie haben darum auch gelernt, im Maße des Möglichen sich jeweils anzupassen. Vielleicht ist darauf auch eine liberale Grundhaltung entstanden – leben und leben lassen –, die bis heute zu dieser Landschaft und zum Menschenschlag gehört.“

    Beschluss spielt noch heute Rolle

    „Lieb gewonnen” habe man Rheinhessen während der vergangenen 200 Jahre, so Pfarrer Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), in seiner Predigt. Die ehemalige Provinz entstand 1815/16 beim Wiener Kongress und wurde dem Großherzogtum Hessen zugeschlagen. Dieser Beschluss spiele noch heute eine Rolle für die Kirchen, führte Jung weiter aus: Sowohl die Grenzen der EKHN als auch die des Bistums Mainz entsprechen in etwa denen des ehemaligen Großherzogtums. Die Kuriosität, dass der rheinland-pfälzische Landstrich zur hessen-nassauischen Landeskirche gehört, sei durch diese historische Begebenheit zu erklären.

    Dankbar für ökonomische Verhältnisse
     
    „Wir feiern in diesem Jahr '200 Jahre Rheinhessen' in schwierigen Zeiten, aber auch in einer zumindest für uns hier friedlichen Zeit", zeigte sich der Kirchenpräsident dankbar für die ökonomischen Verhältnisse und die damit verbundene Sicherheit der Menschen in dieser Region. Das sah vor 200 Jahren ganz anders aus: Nach Jahren des Krieges wanderten die Menschen in Scharen aus Rheinhessen aus. "Heute kommen Menschen hierher, weil sie Kriegen und Armut entfliehen. Heute ist Rheinhessen nicht Fluchtland, sondern Zufluchtsland", schlug Jung den Bogen zur aktuellen gesellschaftspolitischen Lage. "Wir haben diesen Schatz in zerbrechlichen Gefäßen", zitierte er die Worte des Paulus aus dem zweiten Korintherbrief und appellierte damit an die Gottesdienstbesucher, sich den Wert des menschlichen Lebens bewusst zu machen. Ein historischer Rückblick könne daran erinnern, welche schwierigen Situationen Menschen – auch mit der Kraft des Glaubens – ausgehalten haben, so das Kirchenoberhaupt: „Es braucht gerade jetzt viele glaubensstarke und zuversichtliche Menschen – Menschen, die einander und Fremden nicht mit Vorurteilen und Angst begegnen. Die Erinnerung an 200 Jahre Rheinhessen kann uns auch dabei helfen.”

    Für den musikalischen Rahmen sorgte neben den Wormser Dombläsern unter der Leitung von Volker Günther ein ökumenischer Projektchor mit über 50 Sängerinnen und Sängern aus Rheinhessen, der von Domkantor Dan Zerfaß geleitet wurde. An der Orgel spielte Regionalkantor Alexander Müller aus Bingen.

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