
Von Regina Urbach Es geht wieder los…Heute war im WORMSER Theater Probenauftakt zu den diesjährigen Nibelungen-Festspielen. Guter Dinge, leicht aufgeregt und voller Tatendrang trafen immer mehr Mitglieder des Ensembles ein. Nach Interviews, Fotocall, Begrüßung und der Vorstellung so gut wie aller Mitwirkender reichte Nuran David Calis das Wort weiter an Autor Albert Ostermaier. Eine so „starke Geschichte“, der Abschluss seiner Nibelungen-Trilogie, fordere das einfach.
Dieser nahm den Ball auf und schwärmte vom Moment des Probenbeginns, wenn der Text Körper und Stimme der Schauspieler bekomme und „zu leben anfängt“. Ostermaier stellte eine Verbindung her zwischen seinen Stücken der vergangenen Jahre und dem diesjährigen Agenten-Roadmovie „Glut“, Herz- und Finalstück der Trilogie. „Gemetzel“ war nahe am Nibelungenlied angesiedelt, „Gold“ entstand aus der Auseinandersetzung mit Hebbel und „Glut“ schafft die Verbindung zu einem relativ unbekannten Kapitel deutscher Geschichte. Kurz rief er den historischen Hintergrund in Erinnerung: Ähnlich, wie Hagen und die Nibelungen auf dem Weg sind zu Etzel, befindet sich im Jahre 1915, im Jahr nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, ein Trupp deutscher Agenten in der Bagdadbahn auf dem Weg zu den persischen Ölfeldern, damals in britischer Hand. Die Agenten reisen getarnt als wandernde Schauspieltruppe, im Programm haben sie ein Nibelungenstück. Wie bei „Gold“ im letzten Jahr ergreift das Nibelungengeschehen immer mehr Besitz von den Schauspieler-Agenten, tritt immer mehr in den Vordergrund, wird zur Realität. Die Figuren werden zunehmend zu den Nibelungenfiguren, die sie mimen.
Was die Agenten eigentlich vorhaben, ist, britische Pipelines zu sprengen und die Ölförderung am Persischen Golf zu sabotieren. „Alles rast auf das finale Gemetzel zu“ (Ostermaier). Wie schon beim „Gemetzel“ 2015 interessiert Ostermaier dabei die Frage, ob es nicht doch auch hätte anders laufen können, ob es Alternativen gegeben hätte. Denn „das Nibelungenlied ist eines der größten Antikriegsepen der Weltliteratur“, so seine Überzeugung.
„Glut“ beruht auf historischen Begebenheiten der Expedition unter Hauptmann Klein, die – neben ihrem Sprengauftrag – im Sinne eines kaiserlichen Imperialismus persische Stämme gegen Briten, Russen und Franzosen aufwiegeln sollten. Das Mittel dazu hieß „gihad“, quasi ein von deutscher Hand gelenkter heiliger Krieg der Muslime. Diese pikante Querverbindung, heute weitgehend vergessen, gibt dem Stück Gelegenheit, auch einen Bildungsauftrag zu erfüllen. Ostermaier deutete an, viele Zusammenhänge zu heute vertrackten Konflikten und zum Missbrauch von Religion für imperialistisch-kolonialistische Ziele werden durch das Stück deutlich.
Für die Bühne vor dem vergleichsweise engen Dom-Westchor entwarf Irina Schicketanz ein mehrteiliges, dynamisches Bühnenbild, dessen Modell ebenfalls zu sehen war. Neben zwei Waggons sind Sand, eine kleine Düne und vertikal aufsteigende Schrägen zu erkennen, über die eventuell gerutscht werden kann. Die Kostümentwürfe – mehrere pro Figur - versprechen Fantasieflüge zwischen vielen Welten: 19. Jahrhundert, Erster-Weltkriegs-Militär-Anleihen, nibelungisch, Tattoo-Ästhetik, orientalisch mit vielen Schleiern, Hauben und Kappen- eben im Agenten-Stil.
Für den Nibelungen Kurier haben wir ein paar Schauspielerstimmen eingefangen.
Nadja Michael:

NK: Was ist das Besondere für Sie, dieses Jahr bei den Nibelungen-Festspielen in Worms mitzuwirken?
Nadja Michael: Das ist in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes für mich, da ich ja sonst in Opernhäusern singe. Open Air Konzerte kenne ich auch, aber diese Mischung aus Gesang und Schauspiel ist eine spannende Herausforderung. Interessant für mich ist auch die Verbindung zur UFA, Nico Hofmann, zu diesen wunderbaren Schauspielern. Der dritte Punkt ist, dass ich gerade ins Wagnerfach gehe und die Rolle der Brünhilde in der „Götterdämmerung“ vorbereite. Es trifft sich also hervorragend, mich jetzt auch in Worms mit den Nibelungen zu beschäftigen.
Mehmet Kurtulus:

NK: Was ist das Besondere für Sie, dieses Jahr bei den Nibelungen-Festspielen in Worms mitzuwirken?
Mehmet Kurtulus: Das Besondere ist, gemeinsam mit diesen wertvollen Kollegen dieses Stück deutschen Kulturguts – das Nibelungenlied, die Nibelungensage – wieder aufleben zu lassen.
Oscar Ortega Sanchez:

NK: Herr Ortega Sanchez, Wenige wussten, dass Sie ein „Lamberter Bub“ sind. Was hatten Sie in Ihrer Jugend für ein Bild von Worms?
Oscar Ortega Sanchez: Ich kenne Worms aus meiner Jugend von zwei, drei Ausflügen, die wir gemacht haben, weil es zur Schulbildung gehört. Man spürt schon, dass die Stadt eine gewaltige Geschichte hat. Es ist beeindruckend, dass es Orte gibt, die schon so lange Zeit bestehen. Das spürt man hier.
Und jetzt- werden Sie denn dazu kommen, den Sommer in Ihrer „alten Heimat“ zu genießen?
Oscar Ortega Sanchez: Ich freue mich darauf, mich in probenfreien Zeiten in Worms etwas genauer umzuschauen.
Die ausführlichen Interviews lesen Sie in unserer Samstagsausgabe am 24. Juni.
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