JUGENDPARLAMENT: Einrichtung öffentlicher Sprayer-Flächen / Gesunde Ernährung in Wormser Jugendtreffs
Graffiti-Kunst, gesunde Getränke & Obst
Sprayer-Flächen als Kunstwerk im öffentlichen Raum. Das Jugendparlament hofft auf die Unterstützung der Verwaltung bei der Ausweisung von Flächen für legale Graffitis. Foto: Ina Pohl
Von Steffen Heumann | Das 15-köpfige Wormser Jugendparlament als Interessenvertretung auf kommunaler Ebene mit Rederecht im Stadtrat und allen Ausschüssen der Stadt sowie beratender Stimme im Jugendhilfeausschuss stellte in der Stadtratssitzung am Mittwoch zwei Anträge. Einmal soll die Verwaltung die Einrichtung von öffentlichen Spray-Flächen prüfen. Zweitens soll der Stadtrat eine gesundes Angebot an Essen und Trinken in den Jugendtreffs ermöglichen und Obst kostenfrei zur Verfügung stellen. Graffiti gehört für viele Jugendliche zur Freizeitbeschäftigung. Diesem Hobby wollen auch Sprayer in Worms nachkommen. Nicht in der Illegalität in Form von Sachbeschädigungen, sondern an ausgewiesenen Flächen. „Die sollen aber auch sichtbar sein“, betonte Daniel Usner, stellvertretender Vorsitzender des Parlamentes. An Unterführungen oder Brücken könnte die Kunst im öffentlichen Raum entstehen.
Das Angebot werde sicher von der Sprayer-Szene angenommen. Für menschenverachtende, demokratiefeindliche oder illegale Graffitis soll allerdings kein Platz sein. Leere Dosen könnten zudem in bereitgestellten Tonnen entsorgt werden. „Graffiti und Streetart sind ein Teil der Stadtkultur“, so Leon Giegerich. Der SPD-Mann setzt auf einen Verhaltenskodex in der Sprayerszene, damit Vandalismus und illegale Kunst unterbleiben. Giegerich begrüßte die Initiative und schlug die Durchführung eines Workshops für Interessierte vor. Zudem stehe er gerne als Moderator zur Verfügung. Hans-Peter Weiler, CDU, hofft auf ein Konzept, „damit das Thema weiterentwickelt und auf Dauer wertgeschätzt wird“.
Benedict Schulz, CDU, begrüßte ebenfalls den Vorstoß. „Auch Auftragsarbeiten sind okay“, plädiert Schulz für eine Verweisung an den Kulturausschuss. Vielleicht könne das Jugendparlament Flächenvorschläge machen?, regte Peter Englert, FWG/Bürgerforum, an. Ursel Bieser, AfD, sieht in Brückenpfeilern, nicht genutzten Türmen oder sogar dem alten Nibelungen-Center bis zum Abriss, geeignete Objekte. „Kunst ist, was Künstler machen“, ergänzte Dr. Jörg Koch, CDU. Dezernent Uwe Franz dankte für die Anregungen, die die Verwaltung gerne aufnehme, um den Antrag des Jugendparlamentes im Kulturausschuss näher zu beleuchten.
Antrag an Jugendhilfeausschuss verwiesen
Kontrovers debattiert wurde das Anliegen, die Jugendtreffs der Stadt kostenlos mit gesunden Getränken und Obst zu versorgen. Gesunde Ernährung sei wichtig, argumentierte Hans-Peter Weiler, CDU. Weiler appellierte, sich mit der Thematik vertiefend auseinanderzusetzen. „Vielleicht wollen die Marktbeschicker das Vorhaben unterstützen?“, fand Leon Giegerich, SPD, die Idee an sich gut. Weniger angetan zeigte sich Dr. Jürgen Neureuther, FDP. Es sei Aufgabe der Eltern und eine Frage der Erziehung, dass Kinder sich gesund ernähren. Franz Lieffertz, Die Linke, nannte Fakten: Worms verzeichne eine hohe Kinder- und Jugendarmut. Dass Getränke und Obst in den Treffs kostenlos ausgegeben würden, könne man auch als Bildungsangebot werten.
Dezernent Waldemar Herder sah in dem Antrag durchaus eine Berechtigung. Mit der Möglichkeit zum Refill sei, wie an vielen anderen Orten in Worms, die Möglichkeit gegeben, sich kostenlos mit Wasser zu versorgen. Mit Blick auf das Obst, machte Herder eine Kostenrechnung auf. Insgesamt schätzt der Dezernent den jährlichen Bedarf auf 2.200 Kilogramm. Mit Kosten in Höhe von 7.000 Euro sei zu rechnen. Zur Deckung schlug Herder vor, die Option einer Landesförderung ähnlich dem Schulobstprogramm zu prüfen. Auch ein Sponsoring durch Serviceclubs oder Supermärkte könne in Betracht gezogen werden. Waldemar Herder schlug vor, das Angebot im Haus der Jugend zu testen und gegebenenfalls flächendeckend zu übernehmen. Weitere Details sollen im Jugendhilfeausschuss erörtert werden.