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  • So., 11. April 2021, 19:35 Uhr
    AUS DEM STADTRAT: Antrag auf Errichtung eines zweizügigen beruflichen Gymnasium wird gestellt / Ergänzung bestehender Angebot ab 2022/23 um die Bereiche Gesundheit und Soziales

    Großer Meilenstein für Bildungslandschaft

    Das künftige Berufliche Gymnasium mit der Fachrichtung Gesundheit und Soziales wird an der Berufsbildenden Schule Wirtschaft angesiedelt. Foto: Steffen Heumann


    VON STEFFEN HEUMANN | Sozialdezernent Waldemar Herder brachte es auf den Punkt: „Nach 6 Jahren ist ein großer Meilenstein für die Bildungslandschaft in Worms geschafft.“ Das Ministerium habe das klare Signal gesendet, dass ein Antrag, wenn er von der Stadt Worms als Schulträger gestellt werde, bewilligungsmöglich sei. Bei 5 Enthaltungen stimmte der Rat einmütig für die Errichtung eines zweizügigen beruflichen Gymnasiums. „Wir müssen den Mut haben, auch die Chancen zu sehen“, betonte Timo Horst, SPD. Damals habe man die IGS auf den Weg gebracht, jetzt das berufliche Gymnasium. Durch die Auswahl sei es möglich, viel Angebote für Schürt zu schaffen. Astrid Perl-Haag, FWG/Bürgerforum, freute sich über weitere Perspektiven, die etwa vielen Schulabbrechern nach der 10. Klasse sonst nicht geboten würden. „Bildung kann nie zu viel in der Heimatstadt sein“, pflichtete Daniel Usner, Vorstand im Jugendparlament, bei. „Ende gut, alles gut“, so Ludger Sauerborn, AfD. „Besser als ein Wirtschaftsgymnasium und eine Aufwertung durch ein zukunftsorientiertes Angebot. Gesundheit und Soziales werden durch die Pandemie an Bedeutung gewinnen“, fügte Sauerborn an.

    Zentraler Bildungsstandort Rheinhessens

    „Zusätzliche Chancen, aber auch Licht und Schatten“, kommentierte David Hilzendegen für die Grünen mit Verweis auf eine verschärfte Konkurrenzsituation in den Oberstufen und der Befürchtung, dass Fächer mit kleineren Kursen nicht mehr angeboten würden. „Zudem fallen in der höheren Berufsfachschule Wirtschaft Plätze weg“, ergänzte Hilzendegen. Marion Hartmann, CDU, befürwortete die Entscheidung, auch weil Schüler die Option hätten in der Stadt zu bleiben könnten, statt auszupendeln. Worms sei damit ein zentraler Bildungsstandort Rheinhessens. Jeanine Emans-Heischling, CDU, gab zu bedenken, dass die Bevölkerungszahl wachse und man verhindern müsse, dass Berufsschulstandorte abwandern. Waldemar Herder abschließend: „Es geht nicht um Leichenfledderei oder darum, dass jemand auf der Strecke bleibt. Konkurrenz belebt das Geschäft und fördert die Zusammenarbeit. Dem Bildungsbereich Gesundheit und Soziales Soziales darf man sich nicht verschließen.“

    Begründung der Verwaltung und Info

    Das Berufliche Gymnasium (BG) ist ein Bildungsgang an Berufsbildenden Schulen, der in drei Jahren zur allgemeinen Hochschulreife führt. Die Zugangsvoraussetzung ist der qualifizierte Sekundarabschluss I, wobei für Schüler/innen der Realschulen plus und der Berufsfachschule II der Notendurchschnitt bei mindestens 3,0 liegen muss und keines der Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik schlechter als „ausreichend“ sein darf.

    Ein Berufliches Gymnasium würde das Bildungsspektrum in Worms um einen weiteren Bildungsgang erweitern und zur Sicherung des Berufsschulstandorts Worms beitragen. Daher hat Stadt Worms bereits 2016 einen Antrag auf Errichtung eines beruflichen Gymnasiums der Fachrichtung Wirtschaft an der Berufsbildenden Schule Wirtschaft gestellt, dessen Genehmigung jedoch mehrfach zurückgestellt wurde. Der Stadtrat hat daraufhin 2019 den Wunsch auf Errichtung eines beruflichen Gymnasiums der Fachrichtung Wirtschaft an der Berufsbildenden Schule Wirtschaft, nunmehr zum Schuljahr 2019/20, nochmals bekräftigt und die Verwaltung beauftragt, neuerlich das Gespräch mit dem Ministerium zu suchen. Zwar war die Errichtung eines Beruflichen Gymnasiums der Fachrichtung Wirtschaft nicht genehmigungsfähig, im Gespräch mit dem Ministerium und der Schulbehörde wurde dem Schulträger jedoch grundsätzlich die Möglichkeit eröffnet, erneut einen Antrag für die Fachrichtung Gesundheit und Soziales zu stellen, da in diesem Feld landesweit ein steigender Bedarf zu verzeichnen ist.

    Hierfür war zur Sicherung des Personalbedarfs eine Kooperation mit der benachbarten Karl-Hofmann-Schule (KHS) angestrebt. Die Gesamtkonferenz der Berufsbildenden Schule Wirtschaft hat im Dezember 2020 dem Antrag auf Einrichtung eines beruflichen Gymnasiums der Fachrichtung Gesundheit und Soziales in Kooperation mit der KHS zugestimmt. Folgendes Abstimmungsergebnis wurde erzielt: ja: 37 - nein: 0 - Enthaltungen: 5. Die Gesamtkonferenz der Karl-Hofmann-Berufsbildenden Schule hat sich in einer Gesamtkonferenz im Februar 2021 gegen ein gemeinsames Angebot entschieden. Diese Absage schließt jedoch nicht aus, dass der Nachbarschule die Räumlichkeiten für den notwendigen Fachunterricht zur Verfügung gestellt werden. Die Errichtung eines Beruflichen Gymnasiums setzt eine Mindestschülerzahl am ersten Schultag von 50 Schüler/innen (Zweizügigkeit) voraus. Da die Entscheidung für einen Bildungsgang von vielen, individuell sehr verschiedenen Faktoren abhängt, ist eine Prognose der zukünftigen Schülerzahl ebenso wenig möglich wie die zu erwartenden Auswirkungen auf die Gymnasien und die Nelly-Sachs-Integrierten Gesamtschule in Worms.

    Bei gleichbleibenden Übergangsraten nach der Grundschule an die weiterführenden Schulen zeichnet sich allerdings in den Prognosen der allgemeinbildenden Schulen eine steigende Schülerzahl an den Realschulen plus in Worms ab, deren Abgänger/innen dann ein weiteres schulisches Angebot vorfänden. Ein weiteres Indiz für einen zusätzlichen Bedarf könnte die wachsende Zahl der Auspendler/innen an das Aufbaugymnasium in Alzey bedeuten, welches ab der 10. Klasse ebenfalls zum Sekundarabschluss II führt: Schuljahr 2014/15 - 39 Schüler/innen, Schuljahr 2019/20 - 83 Schüler/innen. Darüber hinaus kann ein Berufliches Gymnasium am Standort Worms die Abwanderung von Schüler/innen an andere Berufliche Gymnasien derselben Fachrichtung verhindern.

    Für die Fachrichtung Gesundheit und Soziales waren dies im Schuljahr 2018/19 - 9 Schüler/innen nach Ludwigshafen, 1 Schüler/in nach Mainz und im Schuljahr 2019/20 - 7 Schüler/innen nach Ludwigshafen, 1 Schüler/in nach Mainz. Wie bereits in den vorangehenden Anträgen thematisiert, ist zu erwarten, dass sich ein Teil der Schülerschaft eines Beruflichen Gymnasiums aus der Höheren Berufsfachschule rekrutiert. Die Höhere Berufsfachschule an der Berufsbildenden Schule Wirtschaft würde hierdurch
    voraussichtlich zwei Klassen verlieren. Die Schulen in Worms sind budgetiert. Das Budget wird auf der Grundlage der Schülerzahl berechnet, so dass bei steigenden Schülerzahlen ggf. die jährliche Budgetzuweisung steigt. Investive Maßnahmen außerhalb des Schulbudgets sind nicht vorgesehen. Bauliche Maßnahmen sind nicht notwendig.

    Aus der angestrebten Kooperation mit der benachbarten Karl-Hofmann-Schule mit dem neuen beruflichen Gymnasium wird nichts. Nur Räumlichkeiten sollen im Gebäude genutzt werden. Foto: Steffen Heumann

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