Mit einer geringeren Fördersumme und einer kleineren Fläche geht das Wormser Stadtentwicklungsprojekt in seine Realisierungsphase
Grüne Schiene in abgespeckter Version
Das Städtebauprojekt "Grüne Schiene" verbindet ökologische, soziale und bauliche Elemente. Der Realisierungszeitraum beträgt rund zwölf Jahre. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Vor rund zwei Jahren fiel der planerische Startschuss für das Stadtentwicklungsprojekt „Grüne Schiene“. Im Kern war damit die Erschließung des Gebietes rund um die brach liegenden Flächen am Wormser Bahnhof gemeint. Dazu kam die Förderung des Nordends sowie Teilen von Neuhausen. Neben dem Neubau von Wohnhäusern, der Gebäudesanierung und der Schaffung von Grünflächen sollte auch die soziale Entwicklung des Gebietes vorangebracht werden. Ursprünglich stand sogar einmal eine Landesgartenschau im Raum, was sich aber zerschlug. Wichtig war es von Beginn der Überlegungen an, die Gebiete aufzuwerten und ihnen ein positiveres Image zu geben Auch spielte die Bildung und die Förderung des Gemeinschaftsgefühls eine große Rolle.
Kleineres Volumen
Im Kern gilt dieser ganzheitliche Ansatz noch heute, allerdings wurde das Volumen etwas kleiner. So konnte sich die Stadt Worms gegenüber der Landesregierung mit dem Fördervolumen von 27 Millionen Euro nicht durchsetzen. Stattdessen kürzte das Land das Vorhaben auf 16 Millionen Euro zusammen. Die Stadt muss davon rund 15 Prozent übernehmen, darf für die Realisierung des Projektes jedoch keine neuen Schulden aufnehmen. Auch schrumpfte das Areal, denn die Bahn wird einige der zurzeit brach liegenden Flächen, etwa um die Lok-Halle, doch nicht freigeben, da sie das Gebiet nun doch benötige. Im Schwerpunkt sieht die Förderung jetzt das Nordend, den Stadtteil Neuhausen sowie die Güterhallenstraße vor.
Wegweisend für Stadtteilentwicklung
Aber auch wenn finanzieller Rahmen und Größe des Gebietes kleiner geworden sind, stellt das Projekt „Grüne Schiene“ einen wichtigen Eckstein in der Stadtentwicklung von Worms dar. Nachdem die neue Konzeption im Rahmen einer Informationsveranstaltung im WORMSER den Bürgern vorgestellt wurde, war die „Grüne Schiene“ auf der Sitzung im Haupt- und Finanzausschuss. Alle Fraktionen betonten hierbei die Wichtigkeit des Vorhabens, doch gab es noch einige Nachfragen. So wollte Dr. Jürgen Neureuther (FDP) wissen, inwieweit der „Neuhauser Tunnel“ in das Projekt integriert sei. Hier erläuterte Oberbürgermeister Michael Kissel, dass die Bahnunterführung an der Gaustraße kein Teil der „Grünen Schiene“ sei, vielmehr sei dies ein eigenes Projekt, bei dem die Stadt in Verhandlungen mit der Bahn stehe.
Bürgerbeteiligung
Ein wesentliches Element der „Grünen Schiene“ ist die Bürgerbeteiligung. So fanden von Herbst 2014 an Info-Veranstaltungen statt, bei denen sich die Bewohner mit Ideen und Wünschen einbringen konnten. Das Motto war, nicht über die Bürger hinweg etwas zu verändern, sondern mit ihnen gemeinsam etwas zu gestalten. Im Auftrag der Stadt hat das Planungsbüro „Stadtberatung Dr. Sven Fries“ gemeinsam mit dem Büro „Bierbaum.Aichele Landschaftsarchitekten“ die Untersuchungen durchgeführt und das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) erarbeitet. Mit zahlreichen Workshops entstand so eine gemeinsame Vorstellung, was verbessert und wie die Stadtteile lebenswerter werden können. Erste kleinere Schritte sind realisiert, wie etwa die Sanierung der Unterführung Am Holzhof im Nordend. Diese Unterführung war jahrelang ein Angstraum, nun ist er hell beleuchtet und der Boden wurde neu gemacht. Ab dem nächsten Jahr werden weitere Schritte folgen. Insgesamt ist die Entwicklung des Gebietes für einen Zeitraum von zwölf Jahren vorgesehen.
Einzelvorhaben
In der Güterhallenstraße soll das Kopfsteinpflaster einer modernen Straße weichen, darüber hinaus sollen zahlreiche Gebäude von Grund auf saniert werden. Auch vereinzelte Neubauten sind hier geplant. Eine zentrale Forderung ist die seit Jahrzehnten geforderte Schaffung eines Jugendzentrums. Der Wille dazu ist bei allen vorhanden, einzig es ist noch unklar, wohin es genau soll. Auf jeden Fall wurden Mittel in Höhe von 1,6 Millionen Euro dafür zurückgestellt. Im Nordend war eigentlich vorgesehen, den Holzhof in seiner jetzigen Form abzureißen und dafür neue Gebäude zu errichten. Davon wurde inzwischen Abstand genommen, genauso wie von dem Abriss der kleinen Flachdachhäuschen nördlich des Radgrubenweges. Stattdessen wird der Wohnungsbestand im Nordend saniert und modernisiert. Neu wird auch ein Quartierstreff in der Kleinen Weide im Nordend sein, hier soll auch ein Quartiersmanager installiert werden, der sich nachhaltig um die Bedürfnisse der Menschen kümmern soll. Neben der Sanierung zahlreicher Gebäude ist im Nordend, in Neuhausen und in der Bensheimer Straße eine Nachverdichtung, also der Bau einzelner neuer Häuser, geplant. Genaue Pläne hierzu liegen noch nicht vor. Eine großflächige Bebauung ist in den genanten Gebieten nicht vorgesehen.
Langer Prozess
Allen Beteiligten ist bewusst, dass mit der „Grünen Schiene“ ein langer Prozess angestoßen wurde, der Jahre oder gar Jahrzehnte dauern wird, ehe er Wirkung entfaltet. Wichtig dabei ist, dass es sich bei der Verwirklichung um ein riesiges Puzzle handelt, bei dem viele kleine Rädchen ineinander greifen müssen. Und dies in den Bereichen Bildung, Soziales, Wohnungsneubau, Gebäudesanierung und auch in der ökologischen Variante mit dem Anlegen von Grünanlagen. Das langfristige Ziel ist es dabei, etwas gegen das schlechte Image dieser Wohngebiete zu tun, sie aufzuwerten und den Kindern bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu geben. Ein Projekt in diesem Zusammenhang ist etwa „Jugend stärken im Quartier“. Mit der Herrichtung eines kleinen Platzes an der Pfrimm in Nähe der Thomasstraße wird der Start der Umsetzungsphase auch optisch sichtbar. Wer sich genauer über das Projekt „Grüne Schiene“ informieren möchte, dem sei die Internetseite der Stadt Worms unter folgendem Link empfohlen: www.worms.de/de/mein-worms/bauen-wohnen-planen/stadtplanung/Soziale-Stadt-Gruene-Schiene.php.