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  • Di., 12. Mai 2015, 15:10 Uhr
    Stadtverwaltung diskutierte mit den Bewohnern aus Neuhausen und dem Nordend über das Stadtentwicklungsprogramm / Was wird aus der „Lokhalle“?

    Grüne Schiene: Und die Bürger reden mit!

    Das Modell zeigt das Gebiet des Förderprogramm „Grüne Schiene“. Es war auch am Samstag präsent und wird stetig mit neuen Gestaltungsideen der Bewohner weiterentwickelt. Foto: Gernot Kirch


    Von Gernot Kirch Im Rahmen des bundesweiten „Tages der Städtebauförderung“ fand am Samstagvormittag auf dem Gelände der islamischen Gemeinde Milli Görüs in der Bensheimer Straße eine Öffentlichkeitsveranstaltung der Stadt zum Entwicklungsprogramm „Grüne Schiene“ statt. Dabei wurde der aktuelle Sachstand präsentiert und die nächsten Schritte vorgestellt. Die Veranstaltung begann um 9.30 Uhr und dauerte unter großer Beteiligung der Bevölkerung mehrere Stunden. Das Konzept der Stadt, gemeinsam mit den Bürgern die Zukunft ihres Quartiers zu gestalten, wurde sehr gut angenommen. Erste konkrete Schritte wie ein Jugendzentrum oder die Einsetzung eines Stadtteilmanagers für das Nordend wurden vorgestellt.

    Startschuss

    Im Herbst 2014 fiel der Startschuss zum Städtebauprogramm „Grüne Schiene“, das im Kern die Entwicklung des brach liegenden Gleisgeländes im nördlichen Bereich des Bahnhofes sowie die beiden Wormser Stadtteile Neuhausen und das Nordend beinhaltet. Dies ist eine Gesamtfläche von rund 70 Hektar. In zwölf Jahren sollen in dieses Areal rund 12 Millionen Euro überwiegend aus Landes- und Bundesmittel fließen. Der Name „Grüne Schiene“ entstand, weil die DB AG große Teile ihres Bahnhofsgeländes in einer Größenordnung von etwa zwölf Hektar nicht mehr benötigt und diese verkaufen will. Diese Flächen sollen in erster Linie in Grünanlagen umgewandelt werden, es sollen aber auch einige Wohngebäude und Freizeiteinrichtungen entstehen. Insgesamt werden von den Geldern etwa 3.500 Bürger in Neuhausen und 2.500 im Nordend profitieren. Das Förderprogramm enthält sowohl eine bauliche wie auch eine gesellschaftlich-soziale Dimension, die etwa Bildungs- und Begegnungsangebote betrifft.

    Erfolg durch Dialog

    Ein ganz wesentliches Element des Entwicklungsprogramms ist die Bürgerbeteiligung. Es soll nichts über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden werden, sondern das ganze Gebiet soll im Dialog mit den Bewohnern vorangebracht werden. Ziel ist es, dass quasi ein neuer oder zumindest stark veränderter Stadtteil entsteht, dessen Image einen positiven Schub erhält. Denn eines der Probleme, gerade des Nordends, ist sicher der „schlechte Ruf“ dieses Wohngebietes. Solch eine nachhaltige Veränderung kann jedoch nur gelingen, wenn die Bewohner mitmachen und sagen, „wo der Schuh drückt.“
    Aus diesem Grund hat die Stadt Worms ein erfahrenes Planungsbüro aus Baden-Württemberg mit der Umsetzung des Entwicklungsprogramms beauftragt, das schon eine Vielzahl ähnlicher Projekte erfolgreich umsetzte. Es handelt sich dabei um das Unternehmen „Stadtberatung Dr. Sven Fries“, welches die „Grüne Schiene“ zwölf Jahre lang begleiten wird. Das ganz herausragende Markenzeichen ist dabei die Bürgerbeteiligung in unterschiedlichen Facetten.

    Bürgerbefragung und Workshop

    Nach den beiden Auftaktveranstaltungen in Neuhausen und dem Nordend im Oktober 2014, erfolgte am 14. November eine Zukunftswerkstatt mit 60 Teilnehmern, die in verschiedenen Workshops im WORMSR aktiv waren. Immer wieder fanden auch intensive Gespräche mit dem „Schlüsselpersonal“, etwa von Caritas oder Verwaltung, statt. Zeitgleich wurde im November eine Fragebogenaktion durchgeführt, bei der die Bewohner 367 Fragebögen ausfüllten. Dies entspricht einer Beteiligung von etwa sieben Prozent der dort lebenden Menschen. Was für solch eine Befragung ein gutes Resultat ist. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei rund 40 Jahren und rund die Hälfte der Befragten besaßen einen Migrationshintergrund.

    Mehr Grünanlagen

    Die Ergebnisse wurde am Samstagmorgen präsentiert. Dabei wurde deutlich, dass es sich bei Neuhausen und dem Nordend um zwei doch sehr verschiedene Stadtteile handelt. Eines der Ziele ist daher auch, die beiden Vororte durch eine bessere Verkehrsführung enger miteinander zu verbinden.
    Bei den Verbesserungswünschen in der Fragebogenaktion ganz oben angesiedelt waren mehr Sicherheit, ansprechende Grünanlagen, mehr Spielplätze und eine Verschönerung der Fassaden.
    Bei der Frage, was mit dem frei werdenden Bahngelände passieren soll, dominierte der Wunsch nach attraktiven Grünanlagen und Freizeitmöglichkeiten. Genannt wurden aber auch eine weitere Bebauung, die Verbesserung der Verkehrsanbindung in die City und der Erhalt der Moschee in der Bensheimer Straße.

    Bleibt die Lokhalle?

    Den Abschluss der Veranstaltung bildete am Samstag eine große Diskussionsrunde, bei der die zahlreich anwesenden Bürger neue Ideen einbringen und Fragen stellen konnte. Ein Streitpunkt war dabei die weitere Nutzung der sogenannten „Lokhalle“, in der die Bahn früher Triebwagen und Lokomotiven abgestellt hatte. Viele Wormser Bürger würden das historische Gebäude gerne als Konzert- und Veranstaltungshalle erhalten. Oberbürgermeister Michael Kissel verwies hingegen auf die hohen Kosten, die eine Sanierung verursachen würde, da die Halle ja nie für Veranstaltungen gedacht war. Man müsse hier an Brandschutz und energetische Aspekte denken. Baudezernet Uwe Franz ist der gleichen Meinung und hält das Vorhaben nur für realisierbar, wenn sich ein Investor findet, der die Kosten übernimmt.

    Jugendzentrum in der alten Güterhalle 

    Als konkrete Vorhaben, die jetzt umgesetzt werden sollen, wurde am Samstag der Bau eines Jugendzentrums genannt. Dies könne entweder ein Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes sein oder der Umbau der dort stehende alten Halle. Außerdem soll für das Nordend ein Quartiermanager eingesetzt werden, der als Anlaufstelle und Koordinator dienen soll. Ein frohe Nachricht für die Mitglieder der Milli Görüs Gemeinde war, dass die Moschee am jetzigen Standort erhalten bleibt und sogar aufgewertet wird. OB Kissel ergänzte her, dass ja auch der Neuhauser Tunnel saniert und verkürzt werden soll.
    Die Aspekte der Bürgerbeteiligung werden nun zu einem konkreten Vorhabenpaket zusammengefasst und kommen dann in einer der nächsten Stadtratssitzungen auf die Tagesordnung

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