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  • Mo., 27. Mai 2013, 07:23 Uhr

    Guntersblumer Kulturfestival trotzte den Eisheiligen

    The Misstones


    Von Draußen nach Drinnen vertrieben verspätete Eisheilige Publikum wie Protagonisten beim ersten Teil des Kulturfestivals. Statt einer lichten Gartenparty verführte also schummrige Club-Keller-Atmosphäre dennoch bestens gelaunte Gäste. – Zugegeben: Guntersblum übt solche Spektakel seit Dekaden erfolgsverwöhnt.

    „Opener“ haben es nachgesagt schwer. – Eigens aus Dresden eingeflogen, bewies „Mas que nada“ als kongeniales Gitarrenduo, wieviel Feuer bereits erste Takte in unterkühlten Herzen entfachen können. – Der Bandname zitiert Jorge Bens Klassiker, den Sergio Mondes in Charts unterbrachte und meint etwa mit „mehr als nix“ wohl Leichtigkeit des Seins. – Sambia heiße Spuren führen direkt zu „Heavy Metal“. Andere Himmelsleitern lodern.

    Andalusiens Folk flirtet mit Nirvana, wenn Mentor Immo Jopp sein Instrument streichelt oder traktiert. Sinnlich halt. Klassisch ausgebildet, wie schon die „Haltung“ seiner „Geliebten“ verrät, entlockt er jener himmelwärts strebenden Gitarre symphonische Vielfalt. Ihr Resonanzkörper dient „Schlagzeug“. Mal werden Saiten Flamenco typisch ständig angerissen, bald tauchen eher vom Jazz vertraute Bassläufe auf. – Ein emotionales „Crossover“ lädt zur Weltreise, temperamentvoll, rhythmisch impulsiv. - So verwundern Vorlieben für lateinamerikanische oder mediterrane Impulse kaum.

    „Aus dem Nichts in die Band und mehr gibt’s nicht zu sagen.“, meint der Ex-Eingeborene im Ort Holl lapidar auf der Homepage. Understatement pur. Manchmal huschen seine Finger mit solch atemberaubendem Speed über Gitarrensaiten, dass selbst geschulte Ohren kaum hinterherkommen. Er variiert melodische Themen, improvisiert über Standards. – Er feiert dabei stets, dem Gesamtereignis dienend. Nur deshalb durfte Immo von einem „fiktiven“ Treffen zwischen Carlos Santana und Jimi Hendrix sprechen. Real hätten beide Woodstock Legenden nie gemeinsam gespielt. Weltenbummler Jopp arrangiert das Date. Großartig. – Auch das „Hotel California“ der Eagels wird verblüffend umgebaut. Weiter reisen, wieder kommen, bitte!

    2 Formationen mit Heimspielen
    Die beiden folgenden Formationen feierten ohnehin Heimspiele. Da öffnete „The Misstones“ alle Musikboxen der 60er und 70er- Jahre. Rock’n Roll schwelgt in Erinnern, dem Morgen zugewandt. Dass ausgerechnet „The Lord“ den „Poor Boy“ berufen oder sich „Beatles“ als Pilzköpfe auf ewig „fine“ fühlen, mag wohl angezweifelt werden; aber „Listen to the Music“ bleibt dank „Doobie Brothers“ auf ewig junge Botschaft. Eric Clapton legt Sally flach und die „Stones“ fetzen mit „Honkey Tonk Woman“ ab wie damals. Klasse Covers. Beste handgemachte Mucke berauscht selbst Nachgeborene. „Looking out my Backdoor“ zitieren da die „FabFour“ vom Kellerwegfest John Fogerty (CCR). Gut, dass bei so tanzbaren Sounds der Untergrund nur teilweise bestuhlt war.

    Was zum Finale „Ernesto Negro und die geheilte Gästjer“ leibhaftig „on stage“ verunstalteten, passt nicht nur zum Kellerwegfest in Keller 45. Aberwitzig Pophymnen in Rheinhessische O-Töne übertragend, zelebriert Frontstimme Christian Schier die wahre Heimat von „Comedy“.

    Tom Jones völlig belangloses Hoffen - „Love is in the Air“ - wandelt sich zum authentischem Geständnis eines gehörten Galans: „Ich laaf der hinnerher!“

    Wiederbelebungsversuche (fast) vergessener Weinköniginnen führen dazu, dass das „Mädche von Gunnersblum“ sich eng an Lindenbergs „Cello - Göttin“ schmiegt. Unmöglich, aber lustvoll.

    Christian flirtet mit Luftgitarre spielenden Kids in erster Reihe, liebäugelt mit seiner Fankurve, die alle Texte laut mit summt. Charme offensiv – dreist aus Drais. Im Mainzer Vorort wohnt der professionell närrisch erprobte Wortakrobat Muss unterstrichen werden, dass er längst Ehrenbürger einer attraktiven Rheinfrontgemeinde sein müsste.? – Unplugged einheizend gebührt freilich auch Martin Gilbert und René Lafrosch und Mr.X Brief wie Siegel für ewige Verdienste. Denn was wäre ein genialer, singender Entertainer ohne Bass, Gitarre und Schlagzeug. – Es war ein super Fest, aller Wetter zum Trotz.

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