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  • Do., 30. Juni 2016, 13:46 Uhr
    Neuwahlen im Verein Abenteuerspielplatz / Motiviertes Team übernimmt ehrenamtliche Vorstandsarbeit

    Gut bestelltes Feld voller Abenteuer

    Von links: Marcus Fändrich (Schatzmeister), Gerhard Gölz (scheidender Vorstand), Sebastian Besier (neuer 1. Vorsitzender), Timo Bolz (2. Vorsitzender). Foto: Cam-Blowing Pictures


    Da steht eine imponierende Zahl im Raum und man fragt sich, welcher außerordentliche Verein gleiches vorweisen kann. Den Abenteuerspielplatz Worms-Neuhausen e.V. gibt es seit 1973!

    Seit Beginn der freien pädagogischen Arbeit für Kinder und Jugendliche – damals vornehmlich für die Jungs und Mädchen aus dem direkten Umfeld in der Gaustraße – geboren aus einem Initiativprojekt der Pfadfinder und Rover der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg -Stamm Neuhausen, ist er zu dem geworden, was er heute ist: ein nachhaltiges Projekt, einzigartig in Rheinland-Pfalz, weil analog einer Spiel- und Lernstube anerkannt.

    Zwei Netzwerker verabschieden sich

    Man muss den Platz begehen um die Dimension der Arbeit und der Kontinuität zu spüren. Und wenn man sich alles wegdenkt, was heute zu sehen ist, dann wird klar, was da geschaffen wurde. Die außergewöhnliche Zeitspanne, zusammen fast ein durchschnittliches Menschenleben, haben Gerhard und Petra-Marlene Gölz in reinem Ehrenamt in dieses Abenteuer investiert. Da treten zwei Netzwerker ab, die schon so gearbeitet und gedacht haben, als es den Begriff umgangssprachlich noch nicht gab. Für beide war das nur machbar, weil jeder für sich vom pfadfinderischen Geist geprägt und tief überzeugt davon ist, dass Kinder unsere Zukunft sind und beide, weil Freiberufler, sich auch dafür die Zeit einteilen konnten. Er, gebürtiger Freiburger und sie 1983 von Trier nach Worms gezogen, haben bis 2006 unweit in Herrnsheim gewohnt. Die eigenen Töchter sind auf dem Abenteuer groß geworden, eine ist Erzieherin und Einzelintegrationsfachkraft. Gerhard Gölz wurde 2014 mit dem „dm-Ehrenamtspreis HelferHerzen“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

    Stolz können beide darauf sein. Er war fast 43 Jahre lang maßgeblicher Motor, hat am Spielplatzhaus mitgebaut, ist Gründungsmitglied des Vereins, hat die rechtliche Anerkennung der Initiative erreicht, mit Versicherungen verhandelt, jahrelang die Kassenführung einwandfrei erledigt, war entsandter Schöffe am Landgericht in Mainz, hat Bauaktionen geplant und geleitet.
    Petra-Marlene Gölz, die früher Müttertreffen und Mädchenaktionen auf dem Platz initiierte, ist seit Sommer 1983 aktive Mitgliedsfrau, sie bearbeitete Förderanträge und Projektausschreibungen, hielt Kontakt zu Sponsoren, hatte zuletzt den Part Vereinskommunikation inne, hat an den Festschriften, Konzepten und Chroniken mitgeschrieben, die Personalsachen bearbeitet, war als Stellvertreterin des Vereins viele Jahre im Vorstandsteam der Arbeitsgemeinschaft Wormser Frauenverbände. Eine große letzte Aktion waren die Feierlichkeiten rund um das 40jährige Bestehen 2013. Genau zum Jahrestag überlebte Petra-Marlene Gölz nur knapp eine schwere gesundheitliche Krise, nicht zuletzt daraus erklärt sich der gewollte und nun vollzogene Rücktritt.

    Abenteuer für alle Kinder

    Beeindruckend bleibt die große Summe des Erreichten, der Platz ist und war ein wichtiger niederschwelliger Anlaufpunkt und ein Aktionsraum für Kinder und Jugendliche, wie es keinen zweiten gibt. Früher galt es, die Kinder von der Straße zu holen, heute werden sie von der Spielekonsole weggelockt. Seit Anbeginn der pädagogischen Wochentagsarbeit, die erst nur mit Ehrenamtlichen, später mit Teilnehmer/innen aus Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen, auch mit Zivildienstleistenden geleistet wurde, steht der Platz  grundsätzlich kostenfrei den jungen Nutzern aus dem sozialen Brennpunkt zur Verfügung. Integrations- und Inklusionsarbeit gibt es seit der ersten Stunde, derzeit nutzen jeden Tag Menschenkinder aus 22 Nationen das Platzangebot. Mühsam waren viele Jahre, weil immer wieder ehrenamtliche Mitstreiter aus beruflichen oder persönlichen Gründen fortzogen.

    Einbrüche, Verwüstungen und Übergriffe auf Tiere

    Oft  genug mussten, nicht nur sinnbildlich, Steine aus dem Weg geräumt werden, der Verein litt unter einigen Einbrüchen und Verwüstungen und erlebte tätliche und tödliche Angriffe auf die Spielplatztiere. Die Versicherung forderte höhere Sicherheitsmaßnahmen und anfänglich war der Weiterbetrieb hoch gefährdet. Viele Personalentscheidungen hat Gölz in den Jahren getroffen und auch hier, wie in seinem regulären Arbeitsbereich für zwei technische Weltkonzerne, professionell und besonnen immer die oder den Richtigen gefunden. Die besonderen Fähigkeiten und Profile der festangestellten Erzieher oder Sozialpädagoginnen prägten immer die tägliche Platzarbeit. Marcus Minor, hat zum Beispiel als langjähriger Erzieher, in seiner Funktion als ausgebildeter Systemischer Therapeut und Berater, Ropes Course Trainer und Kletterbetreuer im Deutschen Alpenverein das Kletterangebot als wichtige Aktionsarbeit auf dem Platz etabliert und erweitert.

    Stadt Worms als langjähriger Partner

    Zuletzt hat Maren Großmann, die selbst als Erzieherin ihr Anerkennungsjahr auf dem Platz leistete und dann dabei blieb, als 2. Vorsitzende ehrenamtlich fünf Jahre lang mitgearbeitet. Ein Verein dieser Größenordnung und sozialen Bedeutung braucht Überzeuger und Förderer. Die Stadt Worms war immer Ansprechpartner. Auch hier hatte Gölz es als Verhandler in vier Jahrzehnten auf kommunaler und regionaler Ebene mit vielen Bürgermeistern, Dezernenten, Landes- und Parteienvertretern, Kirchenvertretern zu tun. Seine Fähigkeit beharrlich, klug und konsequent die Sache voran zu bringen hat den Abenteuer geprägt. Wichtig war dem Ehrenamtsteam immer die unparteiische eigene Arbeit. Und die wurde transparent und überzeugend geleistet.

    Trend zu jüngerem Vorstand

    Seit Jahreswende zeichnete sich nun ab, dass sich ein neuer jüngerer Teamvorstand bildet. Als Vorstandsnachfolger sind ab sofort Sebastian Besier (38, Diplom-Pädagoge, Musiktherapeut) als 1. Vorsitzender, Timo Bolz (20, Sozialassistent) als 2. Vorsitzender und Marcus Fändrich (Diplom-Kaufmann, Bankkaufmann) als Schatzmeister vertretungs- und entscheidungsberechtigt.

    Aufwändige Vereinsarbeit

    Die wichtige Arbeit im Team, die Planung der Feste und Aktionen, die innere Verwaltungsarbeit, die Pflege der vereinseigenen Internetseite, die Tierversorgung am Wochenende und vieles mehr teilen sich nun bis zu 10 junge Abenteuermitglieder. Sie alle waren schon beteiligt an den zwei letzten großen Vorhaben die Petra-Marlene und Gerhard Gölz auf der Zielliste hatten. Was die damalige Frau Oberregierungsrätin Frau Dr. Burtchen-Hindelang, in Vorbereitung auf die so wichtige rechtliche Anerkennung, schon 1986 bemängelte, konnte endlich umgesetzt werden: es gibt nun einen, nach Geschlechtern getrennten, Toiletten- und Sanitärtrakt. Hier war das Spendenbetteln besonders langwierig, denn der Spendenzweck las sich  ja alles andere als schick, die Zeiten sind wirtschaftlich schwierig, die Flüchtlings-krise galt partiell vorranging und doch klappte es, nicht zuletzt dank einer städtischen Finanzspritze, für die sich Oberbürgermeister Michael Kissel einsetzte. Der TÜV verweigerte die Abnahme der alten Seilbahn, auch die wird noch Ende 2016 erneuert. Eine Großspende der Kulturförderung SparkassenVersicherung Holding AG in Stuttgart unterstützt die Neuerrichtung. Gölz bot bei der Neuwahl einen Rückblick, nicht ohne an viele Wegbegleiter und Mitmacher/innen zu erinnern. Auch zukünftig wird der Abenteuer gefordert, als Dienstleister in der Umstrukturierung der außerschulischen Mittagsbetreuung für Wormser Schulen. Es wird schon bald eine neue Anerkennungspraktikantin geben, dazu „ 3 Asylabenteurer“ –  also Asylbewerber mit Bleibeaussicht, die nach Antrag auf Förderung einer Arbeitsgelegenheit nach § 5 Asylbewerberleistungsgesetz in Zusammenarbeit mit Timo Jordan/Stadt Worms eine Art Platzpflegedienst leisten. Dies wird eine Aufgabe und Bereicherung und wertvolle Hilfe für die Einrichtung, denn die hauptamtlichen Erzieher Susi Arnold und Marcus Minor sind oft mit der reinen pädagogischen Betreuung und Anleitung mehr als ausgelastet.

    Zwei unermüdliche mit starkem Ehrenamts-Gen beenden, nach zusammen 75 Jahren, ihr bürgerschaftliches Engagement in Worms. Petra-Marlene und Gerhard Gölz übergeben ein gut bestelltes Feld in junge Hände, denn es soll bleiben, was es ist: ein guter Ort für Kinder, ein Traum, eine kleine, keine zwingend heile Welt, ein Feld voller Versuche, ein Raum für verrückte Visionen, ein Haus voller Lachen, ein Garten voller Elemente, ein friedliches Spielfeld.

    Abenteuer eben!

    Und weil es immer etwas anders sein darf: das schönste Vermächtnis aus der Zeit wird bald zu sehen sein im Stummfilmprojekt Nibelungen Cycle von Kelly Copper und Pavol Liska im Rahmen des Kunst&Kulturprojektes MATCHBOX des Kulturbüros der Metropolregion Rhein-Neckar, welches im September 2016 Premiere feiert. Szenen im Nibelungenland, auch mit Kindern, Jugendlichen und den Tieren, wurden auf dem Abenteuerspielplatz gedreht.

    Spendenaufruf zum Abschied

    Wer möchte, darf die symbolische „75“ gerne in eine selbstgewählte Eurosumme einbauen, von 1,75 – 75.000€. Bitte mit Verwendungszweck „Ära Gölz“ direkt auf das Konto des Abenteuerspielplatz Worms-Neuhausen e.V.  unter der IBAN DE8655 500100002015213 überweisen. Spendenquittung kommt!

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