WORMS: Seit dem 1. Juli 2019 leitet Adolf Kessel die Geschicke der Stadt
Halbzeit des Oberbürgermeisters
Aus der Stichwahl 2018 trat Adolf Kessel mit 73,1 Prozent als Sieger hervor und übernahm am 1. Juli 2019 das Amt des Oberbürgermeisters. Somit ist aktuell bereits die Hälfte der Amtszeit erreicht. Foto: Florian Helfert
Von Florian Helfert › Bescheiden und bodenständig, so möchte Oberbürgermeister Adolf Kessel am Ende seiner Amtszeit wahrgenommen werden. Die Getränkeauswahl beim Pressegespräch des Stadtoberhauptes zu dessen Halbzeit passte schon einmal ganz gut – außer Apfelsaft, Wasser und Weißwein gab es im Foyer des Wormser Rathauses auch Bier und Radler im Angebot.
„Die erste Hälfte meiner Amtszeit ist schnell vergangen“, erzählte Adolf Kessel. Langweilig sei ihm in den vergangenen Jahren dabei nie geworden. Immer wieder mussten Entscheidungen getroffen werden, immer wieder werden sie auch weiterhin getroffen werden müssen. „Verträge zu unterschreiben, sich der Verantwortung für unsere Stadt bewusst zu werden“, so der ehemalige Polizist und Landtagsabgeordneter, „macht nachdenklich“. Und wenn eines Tages auf seine Amtszeit mit den Worten „er hat es ganz gut gemacht“ zurückgeblickt werde, wäre es toll, so der nach Wilhelm Neuß erst zweite CDU-Mann an der Spitze der Stadt Worms.
Besonders stolz stimmt Adolf Kessel der Erfolg, dass jüdische Geschichte und jüdische Stätten der drei SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz vor zwei Jahren als gemeinsames Welterbe anerkannt worden sind. „Der Standort des SchUM-Besuchszentrums steht am Mittwoch in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses und des Kulturausschusses auf dem Programm“, unterrichtete er nebenbei.
Optimierter Bürgerservice
Glücklich schätzt sich der oberste Dienstvorgesetzter der Stadtverwaltung auch darüber, dass mit dem neuen Bürgerrathaus in der Folzstraße unter anderem sowohl die Terminsituation für Bürger als auch die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter verbessert werden konnten. „Beim Entree muss jedoch noch dringend etwas getan werden“, weiß Adolf Kessel und merkte an, hierzu bereits mit dem Projektentwickler ehret+klein aus Starnberg im Gespräch zu stehen.
Ergänzend verspricht sich Kessel von Schritt für Schritt umzusetzenden Maßnahmen anhand des auf 60 Seiten ausgearbeiteten Digitalisierungskonzeptes einen weiteren Mehrgewinn für Worms und seine Bürger. Die Nibelungenstadt solle, so das ausgerufene Ziel, zu einer Smart City transformiert werden. Auf dem Weg dorthin wurden ein Beauftragter für Digitalisierung eingestellt, Bürger ihm zufolge stark beteiligt und zwischenzeitlich die Stellen für IT-Sicherheit verdoppelt.
Chronisch unterfinanzierte Kommunen
„Vier Kitas mit insgesamt 22 Gruppen sind im Entstehen“, wendete sich der langjährige Ortsvorsteher von Rheindürkheim sodann dem nächsten Thema zu. Bei Investitions- beziehungsweise Baukosten pro Gruppe von rund 1,5 Millionen kritisierte er im Zuge einer geringen Förderquote durch Bund und Land zugleich die chronische Unterfinanzierung der Städte und Gemeinden. Einen Haushalt – genauer: einen ausgeglichenen Haushalt – aufzustellen, werde künftig noch schwieriger. „Auch im pflichtigen Teil fernab der Freiwilligen Leistungen wird nach Einsparungen gesucht werden müssen“, prognostizierte Adolf Kessel.
Am ÖPNV wird nicht gespart
Ungeachtet dessen wird allerdings im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nicht gespart. Wie das Stadtoberhaupt darlegte, werden mit der Neuausschreibung der Buslinien im Gegenteil mehr Kilometer sowie zum Beispiel eine bessere Erreichbarkeit des Klinikums geordert. Und ein Drittel der Flotte solle künftig aus E-Bussen bestehen. All dies werde Mehrkosten mit sich bringen.
Keine zweite Amtszeit
„Eine zweite Amtszeit wird es nicht geben“, schloss Kessel altersbedingt bekanntermaßen eine erneute Kandidatur in vier Jahren aus. In der Gemeindeordnung ist nämlich festgelegt, dass nicht zum hauptamtlichen (Ober-)Bürgermeister gewählt werden kann, wer am Tag der Wahl das 65. Lebensjahr vollendet hat. Sobald die Zeit gekommen ist, wird er sein Amt für neue Ansätze und neuen Schwung in der Wormser Kommunalpolitik zur Verfügung stellen.